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St. Vinzenz

© Horn Wolfgang 2015St Vinzenz

Die Villa Cramer von Clausbruch Basis des St. Vinzenzkrankenhauses
Die Vorgeschichte beginnt mit der Errichtung der Villa Clausbruch in der Bismarckstraße 10, auf dem Gebiet des ehemaligen herzoglichen Küchengartens. Erst nach dem Tod von Herzog Wilhelm im Jahre 1884, der gegen eine östliche Stadterweiterung war, stimmte die Herzogliche Kammer 1886 dem von Ludwig Winter erarbeiteten Stadterweiterungsplan zu und versteigerte das Gelände meistbietend an finanzkräftige Bürger. So konnte eine neue Wohnbebauung im Bereich der Jasperallee entstehen, Die Bismarckstraße wurde in einem gebogenen Verlauf vom Max Beckmannplatz parallel zum Fluss bis zur Einmündung in die heutige Jasperallee geführt. Durch ihre Lage dicht an der Oker, dem herzoglichen Park auf der anderen Flussseite gegenüber war die neu angelegte Straße prädestiniert für anspruchsvolle großzügige Wohnbebauung.
Das herausragende Objekt der Bismarckstraße war die 1889/90 nach Entwurf von Constantin Uhde errichtete Villa Bismarckstraße 10/10a, die der Braunschweiger Hofmarschall August Cramer von Clausbruch in Auftrag gab. Die Villa war eines der wichtigsten Projekte C. Uhdes im Bereich des Privatbaues. Seine auf der vorherigen Spanienreise gesammelten Eindrücke im Hinblick auf die maurische Architektur verarbeitete C.Uhde mit der damals gebräuchlichen Form der Renaissancebauten. So gehen sie bei diesem Bau, vornehmlich in den Schmuckformen und der Gestaltung der Fensteröffnungen eine Verbindung mit Elementen der maurischen Architektur ein, wobei er für die floral- geometrische Fassade eine damalige Neuheit, den Kunststein, einsetzte. Die Bauausführung übernahm die Firma Fröhlich und Baumkauff, die auch mehrere Gebäude in diesem Bereich errichtet hat. Die bebaute Fläche betrug mit Stall und Wagenremise 704 Quadratmeter. Die schlossähnliche Villa hatte hohe, lichte Räume und war komplett unterkellert, umgeben von einem drei Morgen großen Park direkt an der Oker.
Nach der Abdankung von Herzog Ernst August 1918 zog sich der Hofmarschall von Clausbruch auf sein Rittergut in Lucklum zurück. Den Villenkomplex nutzte zunächst die Familie Schmalbach. 1932 erwarb es die katholische Kirchengemeinde St. Nikolai in Braunschweig, um dort ein Krankenhaus zu errichten. Die zwischen Magnitorwall und Friesenstraße gelegene 1712 geweihte Kirche St Nikolai wurde 1944 zerstört. Die Gemeinde erhielt 1945 die Ägidienkirche als Ersatz und benannte sich in Ägidiengemeinde um. Im Hinblick auf die politische Entwicklung – Braunschweig war bereits 1932 nationalsozialistisch – fürchtete man kirchlicherseits, dass ein konfessionelles Krankenhaus in Zukunft nicht mehr genehmigt würde. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Hildesheim stieg in den Kaufvertrag ein und übernahm die Krankenbetreuung. Nach schweren Bombenschäden im 2. Weltkrieg Wiederaufnahme des Betriebs im Nov. 1945.
Das Krankenhaus verfügt über die Hauptfachabteilung Innere Medizin sowie die Fachabteilungen Gynäkologie u. Geburtshilfe, Hals , Nasen u. Ohrenheilkunde, Chirurgie, Augenheilkunde u. Anästhesie. In den 1980er Jahren Erbauung eines Untersuchungs u, Behandlungstraktes sowie Sanierung der Altbauten.
Im Oktober 2011: Verabschiedung der Ordensschwestern.
Seit 2012 wurde zusätzliche von der Kongregation eine Krankenhausdirektorin eingesetzt.
Trotz Aufgabe einzelner Abteilungen und einer Spezialisierung auf die Lungenheilkunde mit Schlaflabor und Beatmungsmedizin sieht die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Hildesheim keine Möglichkeit für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb des Krankenhauses und schließt es Ende 2016.