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Braunschweiger Werkstück 106: Braunschweiger Altstadtrathaus

Geschichte eines vielseitigen Gebäudes

Die Veröffentlichung des Stadtarchivs schließt eine Lücke in der Darstellung der Geschichte des Braunschweiger Altstadtrathauses.

Im Jahre 1852, also vor genau anderthalb Jahrhunderten, fanden die Restaurierungsarbeiten am Altstadtrathaus ihren Abschluss. Aus diesem Anlass erschien auch eine kurze Abhandlung über das Gebäude.

Obwohl sie schon bald als fehlerhaft und unvollständig angesehen wurde und obwohl das Braunschweiger Altstadtrathaus immer wieder zu den bedeutendsten Rathäusern des Spät-mittelalters gezählt wurde, blieb sie lange die einzige Darstellung. Diese Lücke wird nun durch die vorliegende Arbeit von Matthias Ohm geschlossen, die als Göttinger Dissertation entstanden und nun in der u. a. vom Stadtarchiv Braunschweig herausgegebenen Reihe der "Braunschweiger Werkstücke" als Band 106 erschienen ist.

Ohm beschränkt sich nicht allein auf die Darstellung der Baugeschichte, sondern untersucht auch die Aufgaben, die das Altstadtrathaus, das wichtigste profane Gebäude Braunschweigs, während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit hatte. Hier fanden die Sitzungen des Rates statt, hier wurden Urkunden und Privilegien, das wertvolle Ratssilber, aber auch Waffen und Löschgerät aufbewahrt. Auf dem Boden lagerte Korn, in den Kellern saßen Gefangene ein. In den „Dornzen“, den beheizbaren Räumen des Obergeschosses, fanden Feiern des Rates, Fastnachts- und Hochzeitsfeste statt, hier huldigte Braunschweig seinen Stadtherren, den welfischen Herzögen. Das Altstadtrathaus war auch Kaufhaus, woran noch heute die eiserne Elle an einem der Erdgeschoss-Pfeiler erinnert. Sie diente als Vergleichs-maß, mit dem die Länge der Stoffe und anderer Handelsgüter überprüft werden konnte.

Die sich wandelnden Aufgaben brachten mit sich, dass das Gebäude vom 13. bis zum 20. Jahrhundert immer wieder baulich verändert wurde. Der einheitliche Eindruck, den das Altstadtrathaus heute vermittelt, geht auf die Restaurierungsmaßnahmen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.

Der Autor betrachtet Funktion, Baugeschichte und figürlichen Schmuck des Altstadtrathauses nicht isoliert, sondern bezieht immer wieder andere Rathäuser in die Darstellung mit ein, insbesondere natürlich die Rathäuser der vier weiteren Braunschweiger Teilstädte Hagen, Neustadt, Altewiek und Sack.

Das Werkstück ist im Stadtarchiv Braunschweig, Schlossplatz 1 und im Buchhandel erhältlich.

Matthias Ohm, Das Braunschweiger Altstadtrathaus. Funktion – Baugeschichte – figürlicher Schmuck, Braunschweiger Werkstücke Band 106, 168 Seiten, 8 Abbildungen, 13,50 Euro, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2002. ISBN 3-7752-8800-7