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Braunschweiger Werkstück 111: Die Braunschweiger Kemenate

Aspekte mittelalterlicher Baugeschichte

Werkstück 111: Die Braunschweiger Kemenate

Das Buch „Die Braunschweiger Kemenate" beschäftigt sich mit einem interessanten Aspekt der mittelalterlichen Baugeschichte Braunschweigs, den Steinwerken, welche hier traditionell als Kemenaten bezeichnet werden.

Bei den Kemenaten handelt es sich um Steingebäude, die immer als Teil einer mehrteiligen Hausanlage zu verstehen sind. Eine solche Anlage umfasst zumeist ein in Fachwerk errichtetes Vorderhaus und einen steinernen, in der Regel hinter dem Vorderhaus angeordneten Gebäudeteil - die Kemenate. Die Kemenaten sind immer zweigeschossig, besitzen eine Unterkellerung und zeigen einen annähernd quadratischen Grundriss. Zu einer echten Kemenate gehört die Möglichkeit der Beheizung zumindest eines Stockwerks. Die Kemenaten entstanden zumeist im 13. und 14. Jahrhundert, die archäologische Forschung konnte jedoch Frühformen der Steinwerke dokumentieren, die bis in das 11. Jahrhundert zurückreichen. 

Die mittelalterlichen Steinwerke sind in der Erinnerung an das alte Stadtbild vor dem 2. Weltkrieg weitaus weniger präsent als die überwältigende Fülle der bis zur Zerstörung erhaltenen Fachwerkgebäude. Sie befanden sich meist in den Innenhöfen und waren in den vom Fachwerk dominierten historischen Straßenbildern somit kaum wirksam. Zahlreiche Gebäude dieser Art waren durch die Kriegszerstörung überhaupt erst sichtbar geworden, um dann mit der Trümmerräumung für immer zu verschwinden.

Der Autor, Elmar Arnold, freiberuflicher Bauhistoriker in der Arbeitsgemeinschaft gebautes Erbe, beschäftigt sich seit Jahren mit der Baugeschichte Braunschweigs. Aktuell arbeitet er an der Rekonstruktion der mittelalterlichen Stadt für die Erstellung zweier Stadtmodelle, die im Rahmen der Landesausstellung und einer am 6. Juni 2009 beginnenden Ausstellung in der Jakob-Kemenate präsentiert werden.

Bestandteil des Buches ist auch ein Beitrag von dem Archäologen Dr. Götz Alper, welcher Grabungsbefunde zu Kemenaten in Braunschweig beleuchtet.

Das Kemenaten-Buch ist seit langer Zeit die erste Veröffentlichung, welche den historischen Wohnbau der Stadt thematisiert. Es fügt sich sehr gut ein in das vielfältige Programm zum Kaiserjahr 2009 und ist als nachhaltige Ergänzung zu der Ausstellung in der Jakob-Kemenate zu betrachten. Diese Ausstellung wird die mittelalterliche Baugeschichte Braunschweigs und die Entwicklung des Wohnens in dieser Stadt darstellen, u.a. in Modellen und einer Computeranimation einer Kemenate im 13. Jahrhundert.

Realisiert werden konnte die Publikation durch großzügige Unterstützung der Stiftung Prüsse, der Richard-Borek-Stiftung und der Braunschweig Stadtmarketing GmbH. Wichtige Fürsprecher für das Buchprojekt waren Herr Dr. Henning Steinführer, Leiter des Stadtarchivs, sowie Herr Udo Gebauhr, Stadtdenkmalpfleger der Stadt Braunschweig und Kurator der Stiftung Prüsse.

 

Elmar Arnold unter Mitwirkung von Dr. Götz Alper: Die Braunschweiger Kemenate, hrsg. von der Stadt Braunschweig/Stadtarchiv, Braunschweig 2009

 

Die Publikation ist im Rahmen der Reihe „Braunschweiger Werkstücke" erschienen, als Herausgeber fungiert das hiesige Stadtarchiv.

Das reich bebilderte, 104 Seiten starke Buch ist für 12,80 € im Buchhandel, in allen Geschäftsstellen der Braunschweiger Zeitung, im Joh. Heinr. Meyer Verlag oder im Stadtarchiv erhältlich.