Fahnen vom Filmfest vor dem Altstadtrathaus

Story of Lions: Braunschweig International Film Festival

Das Fenster zur Welt

Schummriges Licht erhellt den Saal, gedämpfte Schritte hallen über Teppichboden und der Geruch von Popcorn liegt in der Luft. Gleich beginnt es. Das Licht erlischt, der Vorhang öffnet sich – und für ein paar Stunden wird Braunschweig zum Fenster in eine andere Welt.

Kino ist ein Erlebnis. Und in Braunschweig gibt es Menschen, die dieses Erlebnis seit Jahrzehnten mit Leidenschaft in die Stadt bringen. 

Einer von ihnen ist Edgar Merkel.

© Braunschweig Stadtmarketing GmbH

Ein ausgewachsener Filmknall

Edgars Weg zum Braunschweig International Film Festival begann ganz einfach: mit der Liebe zu Filmen. 

„Ich hatte schon immer einen ausgewachsenen Filmknall“, sagt Edgar. Als er vor 40 Jahren von Süddeutschland nach Braunschweig zog, begeisterte das Filmfestival ihn sofort.  
Erst als Zuschauer, seit 1993 dann als Vereinsmitglied. „Am Anfang war das Filmfest für mich einfach eine Möglichkeit, tolle Filme anzusehen. Später selbst ein Teil des Filmfests zu sein, hat mir erlaubt, die Filme und Filmschaffenden, die ich toll finde, nach Braunschweig zu holen.“ Mit anderen Worten: Er konnte ganz offiziell „seinen Knall“ ausleben. 25 Jahre lang war er im Vorstand aktiv. Heute ist er noch immer als Ehrenmitglied dabei. 

© Carisma

Viel Leidenschaft. Wenig Platz. Aber immer gemeinsam.

Bei den ersten Vereinstreffen sah das Filmfest noch ganz anders aus, als wir es heute kennen. Acht Menschen, ein Wohnungsflur, wenig Platz – und ziemlich viele Meinungen. Es ging um Filme, ums Programm und natürlich um die alles entscheidende Frage: Welche Geschichte schafft es auf die Leinwand?

„Da wurde auch mal lautstark diskutiert, es wurden Türen geknallt und es gab brüllende Abgänge, wenn man seinen Film nicht durchgekriegt hat“, erinnert sich Edgar. „Wir haben aber immer alles gemeinsam entschieden. Auch wenn das einmal dazu führte, dass wir bei einer Eröffnungsfeier Milchreis aufgetischt haben.“ 

Das klingt ein bisschen chaotisch. Und irgendwie war es das auch. Was bis heute geblieben ist? Die Menschen, die für ihre Filme kämpfen, Ideen gemeinsam weiterdrehen und Jahr für Jahr ein Festival auf die Beine stellen. Genau das ist es, was Edgar am Ehrenamt bis heute schätzt: „Ich finde es gut, wenn Menschen das tun, was sie begeistert.“ Und die Menschen hinter dem Filmfest sind mit ganzen Herzen bei der Sache.

Inzwischen ist aus dem kleinen Verein ein hochprofessionell organisiertes internationales Event geworden. Mehr als 200 Lang- und Kurzfilme, über 20.000 Besucherinnen und Besucher sowie Filmschaffende aus aller Welt kommen jedes Jahr nach Braunschweig. 

Das ist die besondere Mischung des Braunschweig International Film Festivals: Professionell organisiert, international ausgerichtet und trotzdem ganz nah an den Menschen, die es seit 40 Jahren gestalten.

© Nico Müller

Kino für alle. Und Europa im Blick.

Das Braunschweig International Film Festival (BIFF) legt seinen Schwerpunkt vor allem auf junges europäisches Kino. Das Festival möchte insbesondere Nachwuchsfilmschaffenden eine Bühne geben und herausragende europäische Filmproduktionen einem breiten Publikum zugänglich machen. Es ist das älteste Filmfestival Niedersachsens und zählt zu den bedeutenden Publikumsfestivals Deutschlands. 

„Wir zeigen internationale Filme, die sonst gar nicht auf der großen Kinoleinwand zu sehen wären“, sagt Edgar. Aber nicht nur das: Das Festival bringt Filmschaffende und Zuschauerinnen und Zuschauer zusammen, eröffnet neue Perspektiven und schafft Raum für Begegnungen und internationalen Austausch. Ob europäischer Debütfilm, Dokumentation, Kurzfilm, Musikfilm oder queeres Kino: Hier kommen Geschichten zusammen, die sonst vielleicht nie bei uns angekommen wären. Braunschweig wird zum Fenster in die Welt.

© Carisma

Eine Stadt macht Kino

„Wir finden immer jemanden, der uns hilft. Und das finde ich großartig an dieser Stadt.“ 

Ein Event wie das Braunschweig International Film Festival entsteht nicht allein. Getragen wird es von Menschen, die ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Leidenschaft einbringen. Und die kommen nicht nur aus dem Verein, sondern auch aus einer engagierten Stadtgesellschaft. Ehrenamtliche, Kulturinstitutionen, Partnerinnen und Partner sowie viele filmbegeisterte Braunschweigerinnen und Braunschweiger unterstützen das Festival seit Jahrzehnten.

„Ohne das Braunschweig International Film Festival wäre die Stadtkultur wesentlich ärmer“, sagt Edgar“ „Auch deshalb, weil wir als Festival nicht nur einmal im Jahr eine Woche präsent sind, sondern weil wir mittlerweile ganzjährig viele interessante Veranstaltungen und Kooperationen machen.“ 

Genau das kann das Filmfest: Internationale Perspektiven auf die Leinwand holen und Menschen vor Ort zusammenbringen. Aus Leidenschaft für Film entsteht ein Festival, das weit über Braunschweig hinausstrahlt – und gleichzeitig fest in der Stadt verwurzelt bleibt.

Aus acht Filmfans im Flur wurde ein internationales Festival, das jedes Jahr Tausende Menschen zusammenbringt. Und Edgar? Der hat noch immer seinen Filmknall. Zum Glück für Braunschweig. 

Das ist eine ziemlich filmreife Geschichte. Und sie spielt natürlich in der City of Lions.

Bildnachweise

  • Nico Müller
  • Braunschweig Stadtmarketing GmbH
  • Carisma

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