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Lindenbergsiedlung

Die Lindenbergsiedlung liegt am südöstlichen Stadtrand und hat ihr in sich abgeschlossenes Kerngebiet westlich des Möncheweges. Sie wird begrenzt von den ehem.Kasernenanlagen der Bundeswehr, zahlreichen Kleingartenvereinen und dem Golfplatz nahe des Städtischen Klinikums Salzdahlumer Straße.

An ihrem nordöstlichen Rand lag vom 9.-14.Jahrhundert das in der Weiheurkunde von St. Magni 1031 genannte Dorf Reindageroth. Ein Weg an der heutigen A39 erinnert an diesen im Mittelalter wüst gewordenen Ort. Der größte Teil der heutigen Siedlungsfläche war bis 1803 bewaldet. Das sogenannte "Siechenhölzchen" gehörte dem Leprosenhospital St. Leonhard an der Leonhardstraße, nahe der St. Johanniskirche. Inmitten des Waldes stand ein Pavillon, zu dem sternförmig Wege führten. Die herzogliche Familie nutzte diesen Pavillon im 18. Jahrhundert als Ausflugsziel. Ebenso gab es ein kleines Haus für die Forstaufsicht. (Erinnerung durch den Straßennamen Siechenholzweg) Nach der von Harzer Arbeitern durchgeführten totalen Baumfällung war das Gebiet teilweise Ackerland, teilweise gehörte es später zum sogenannten "Großen Exerzierplatz". Nach 1935 wurden im Zuge der Wiederaufrüstung Deutschlands östlich des Möncheweges umfangreiche Kasernenanlagen errichtet. (Hindenburg-, Heinrich der Löwe-, Roselieskaserne) nordwestlich der Siedlungsfläche war Stück für Stück der neue große Verschiebebahnhof gebaut worden.

Im Zuge nationalsozialistischer Siedlungspolitik sollte für Reichsbahnfamilien und Militärangehörige neuer Wohnraum in der Nähe zu den Arbeitsplätzen entstehen. Dieses Motiv führte zur Planung der Lindenbergsiedlung. 1938 wurden die ersten fünf Straßen abgesteckt, und der Häuserbau (meistens 4-Familien-Häuser) begann. Die Straßen wurden nach militärischen Persönlichkeiten benannt. (z. B. von der Goltz, Erichsen u. a.) Kriegsbedingt vollzog sich die Fertigstellung der Rohbauten schleppend. In einem ersten Abschnitt wurden im Sommer 1941 einige Häuser bezogen, ein Jahr danach die restlichen. Die Asphaltierung des Möncheweges als der entscheidenden Zufahrtsstraße geschah gegen Kriegsende.

Ein von der NSDAP gewünschtes und kontrolliertes Siedlungsleben hat sich nach Zeitzeugenberichten kaum bis gar nicht entwickelt. Eine kirchliche Anbindung an eine Parochie war ausdrücklich nicht vorgesehen worden. Am 31.03.1945 trafen Bomberflugzeuge erstmals die Siedlung: 17 Anwohner kamen ums Leben, 8 Häuser waren zerstört. Nach dem Krieg wurden die Straßennamen "entmilitarisiert": fortan hießen sie nach bedeutenden Naturwissenschaftlern. Auch die Pläne zur Erweiterung der Siedlung wurden teilweise umgearbeitet. Wohnbaugenossenschaften errichteten in den nächsten zwanzig Jahren Mehrfamilienhäuser, teilweise auch Organisationen von Vertriebenenverbänden (z. B. Danziger Heimkehrerdank) oder die Post und die Stadtwerke. Die Franke und Heidecke Werke ermöglichten ihren Angestellten den Bau von kleinen Eigenheimen. Die Einwohnerzahl stieg teilweise auf über 4000 Personen an (heute: ca. 1600).

Eine Grundschule wurde in der Bunsenstraße ab 1952 errichtet, 1957 wurde der Busbahnhof an der Lindenbergallee gebaut, 1959 wurde die ev.-luth. Martin Chemnitz Kirche am Möncheweg eingeweiht, die seinerzeit als herausragendes Beispiel neuer ev. Baugesinnung galt. Ein Jahr danach entstanden Gemeinde- und Pfarrhaus. Daneben errichtete etwa zeitgleich die Stadt eine Kindertagesstätte.

Zentrum der Siedlung ist der Lindenbergplatz, der 2007 neu gestaltet wurde. Auf ihm befindet sich auch der Findling, der bei früheren Straßenarbeiten gefunden worden war. Das Angebot des Handels und verschiedener Dienstleister ist im Laufe der Jahre zurückgegangen.

Der Lindenberger Sportverein von 1949 hat sein Gelände und sein Heim westlich des Schulgeländes und ist über die Bölschestraße zu erreichen. Seit 1978 veranstaltet die Bürgergemeinschaft Lindenberg ein jährliches Stadtteilfest, an dem sich auch die Siedlergemeinschaft und der Schützenverein Lindenberg beteiligen.
Die Lindenbergsiedlung soll derzeit durch Umnutzung der stillgelegten Roselieskaserne zu einem Wohngebiet aufgewertet werden. Dort sind Infrastrukturmaßnahmen angedacht, die ihre positive Wirkung auch auf den kleinen Stadtteil entfalten können.

Wolfgang A.Jünke, Stadtteilheimatpfleger

 

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