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Westliches Ringgebiet

Wappen des westlichen Ringgebiets

Das Westliche Ringgebiet zieht sich von der Spinnerstraße Eichtal bis zur Gartenstadt hin.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts stellten sich in Deutschland – natürlich auch in Braunschweig - die ersten Handwerkbetriebe auf eine maschinelle Fertigung um und leiteten damit das Zeitalter der Industrialisierung ein.

Wie kein anderer Stadtteil prägte die Industrie das "Westliche Ringgebiet".

So wurde auch unter anderem schon 1853 an der Bahnhofstraße die noch heute bestehende „Braunschweiger Maschinenbauanstalt“ (BMA) gegründet. Anfangs auf Waggonbau ausgerichtet, widmete sie sich ab 1860 mit weltweitem Erfolg der Ausstattung von Zuckerfabriken und Raffinerien.

Seit 1857 befand sich in der Nachbarschaft der BMA die Zuckerraffinerie Braunschweig, von der noch heute ein mehrstöckiger Backsteinbau zeugt.

Die Zuckerindustrie war der Leitsektor der Deutschen Industrie und dessen Zentrum. 

1858 entstand an der Frankfurter Straße die Chininfabrik Hermann Buchler & Co. die vorwiegend Chinin produzierte und weltweit exportierte.

 

Fabrikarbeiter Wilke Werke (Archiv Foto)
Fabrikarbeiter Wilke Werke
(Archiv Foto)

1865 zog die Maschinenfabrik August Wilke an die Frankfurter Straße 2, sie war auf die Produktion von Dampfkesseln und Gasometern spezialisiert.

Neben der Wilke-Werk AG zog 1907 die schon bestehende Karges-Hammer Maschinenfabrik zur Frankfurter Straße, spezialisiert auf die Einrichtung unter anderem von Konservenfabriken, Dampfmaschinen und Eis- und Kühlanlagen.

Die Firma Bremer & Brückmann, die zuerst Handnähmaschinen und später Konservendosen mit Falzverschluss und Blechbehälter herstellte, zog 1890 zur Juliusstraße.

1874 wird im Eichtal die erste Jutespinnerei des Kontinents gegründet mit zeitweise

2.250 Mitabeitern, davon ein großer Anteil Frauen. (1982 geschlossen)

Die Firma Selwig & Lange gründete 1877 eine Maschinenfabrik an der Sophienstraße, sie stellte Maschinen  für die Zuckerindustrie, Brennereien und Stärkefabriken her, ihre  Spezialität waren die „Zentrifugen“.

1885 errichtete der als „Mühlendoktor" bekannte Gottlieb Luther eine Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt an der Frankfurter Straße.

Diese Werke siedelten sich in der Nähe des Braunschweiger Staatsbahnhofs an, der 1838 seinen Betrieb aufnahm, mit der Strecke Braunschweig Wolfenbüttel. Industriegleise wurden später direkt in die Fabriken verlegt, um die Produkte schneller zu transportieren und Rohstoffe für ihre Fabrikation zu bekommen.

Ein großer Impuls kam nun für die Wirtschaft durch den Bau des Ringgleises der Braunschweiger Landeseisenbahn, 1886 weihte man die Strecke ein, es entstanden 50 Fabriken und 104 Lagerhäuser.

Infolge der Industrialisierung entstanden im Quartier ganze Wohnviertel für die Arbeiter.

In der Ernst-Amme-Straße siedelte sich 1895 die spätere Weltfirma "Mühlenbau AG"  (MIAG) heute Bühler an, in der zeitweise bis zu 3000 Beschäftigte arbeiteten.

Unter Denkmalschutz stehende Fassade der Gießerei BÜHLER-MIAG (Werksfoto)
Unter Denkmalschutz stehende Fassade der Gießerei BÜHLER-MIAG
(Werksfoto)

Mittelständische Industrieunternehmen

Neben den großen Werken gab es eine Vielzahl von kleineren Fabriken im Stadtquartier.

Die Schwerpunkte der Produktion lagen bei der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Konservenfabriken, Blechverpackungsindustrie, Ausstatter von Konserven- und Zuckerfabriken, Gießereien, Kupferschmiede und Schlossereien.

Charakteristisch waren für die Stadtteile in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die große Anzahl von kleineren Handwerks- und Gewerbebetriebe sowie eine Vielzahl von Einzelhandelsgeschäften und Gaststätten.

In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kam für viele Fabriken das Ende: Konkurse, Werkschließungen und Massenentlassungen.

Durch den Abzug der Arbeiter wurden viele Wohnungen frei und in diese preiswerten Wohnungen zogen Gastarbeiter und Asylbewerber, es bildete sich ein multikulturelles Wohnviertel. (Eichtal, Belford)

Sehenswürdigkeiten

  1. Besonders hervorzuheben ist die Gründung der mittelständischen Maschinenfabrik "Elsner & Holdschmidt", Kramerstraße 23, aus dem Jahre 1898, die heute noch in ihrem Urzustand erhalten ist und unter Denkmalschutz steht.
  2. Maschinenhaus-Außenwand der BMA in der Kramerstraße 8.
  3. Das Eingangs-Portal der im Jahr 1874 gegründeten "Jute und –Flachsspinnerei" Spinnerstraße.

Klaus Hoffmann, Stadtteilheimatpfleger, Westliches Ringgebiet.                          13.03 2006

 

Hinweis:

Die Informationen zu den Stadtteilen werden von den jeweiligen Heimatpflegerinnen und Heimatpflegern betreut. Für den Inhalt sind diese ausschließlich verantwortlich.