Programm
Hier werden Sie über das aktuelle Programm und die anstehenden Projekte vom Raabe-Haus:Literaturzentrum Braunschweig informiert.
Unsere Veranstaltungen finden im Raabe-Haus statt. Sie finden uns aber auch gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern an anderen Orten der Stadt und der Region.
Bei allen Veranstaltungen sind telefonische Reservierungen unter
0531 70 189 317 jeweils von Di. - Do. von 10 - 15 Uhr möglich.
Alternativ per E-Mail an raabe-hausbraunschweigde
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass das Raabe-Haus:Literaturzentrum Braunschweig – eingerichtet in der letzten Wohnung des Schriftstellers Wilhelm Raabe (1831-1910) – aufgrund dieser historischen Gebäudesituation nicht über einen barrierefreien Zugang verfügt.
Eintritt frei.
Sofern nicht anders angegeben, ist der Eintritt zu den Veranstaltungen frei.
April
Mi. 01.04. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
April, April!
Lesung mit der Kulturvermittlerin Pia Kranz, die uns mit Fachwissen, Humor und Texten, Texten, Texten in den April schickt.
Wussten Sie eigentlich, dass es die Redewendung "in den April schicken" seit über 400 Jahren gibt? Dagegen ist der "Aprilscherz" zumindest namentlich noch blutjung - er stammt nämlich aus dem 19. Jahrhundert.
Di. 07.04. | 19:00 Uhr | Saal des Kinderschutzbundes
Hinter der Magnikirche 6a, 38100 Braunschweig
Markus Orths: Die Enthusiasten
Autorenlesung – Moderation: Ronald Schober
Ein erzählerisches Feuerwerk über eine ziemlich besondere Familie, bei der Bücherplateaus von der Decke hängen und in dem Geschichten zum Leben erweckt werden. Und über drei Geschwister, die eine innige Liebe verbindet und ein großer Verlust.
Was haben ein besessener Laurence-Sterne-Fan auf der abenteuerlichen Jagd nach dem angeblichen zehnten Band von Tristram Shandy, eine Teilchenforscherin, die abgeschirmt von kilometerdicken Felswänden über Jahre versucht, Dunkle-Materie-Teilchen zu erlauschen, ein Kino-Enthusiast, der abgefahrene Experimentalfilme ausheckt, eine nordenglische Kleinstadt und ein sensationeller Fund gemeinsam?
Sie kommen in „Die Enthusiasten“ vor, dem wahrscheinlich turbulentesten und gewagtesten Roman seit Langem, der auf halsbrecherische Weise die Grenzen dessen auslotet, was Erzählen kann und was menschengemachte Kunst ist. Auch dabei: eine rätselhafte Thailänderin, eine unendlich liebenswerte, lesebesessene und eigensinnige Mutter, die spurlos verschwindet, und ein Vater, der ausschließlich auf nie dagewesene Fragen antwortet.
Markus Orths, Jahrgang 1969, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik und lebt in Karlsruhe. Es erschienen unter anderem die Romane Lehrerzimmer, Das Zimmermädchen, Alpha & Omega sowie zuletzt Max (2017), Picknick im Dunkeln (2020) und Mary & Claire (2023). Seine Bücher wurden in insgesamt achtzehn Sprachen übersetzt, manche verfilmt und zahlreiche ausgezeichnet.
Eintritt: VVK 11,00 €/ erm. 7,00 € (inkl. Gebühren)
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung bücherwurm oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €) sowie online im Leseflair-Ticketshop (Öffnet in einem neuen Tab)
Mi. 08.04. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Märchen der Romantik: E.T.A. Hoffmann: Der goldne Topf 1.–6. Vigilie
RAUMÄNDERUNG: Wegen Bauarbeiten findet der Lesekreis ausnahmsweise in der DRK-Kaufbar, Helmstedter Straße 135, 38102 Braunschweig, statt
Lesekreis mit Dr. habil. Peggy Gehrmann.
Märchen lesen – bedeutet das Flucht? Wie es scheint, entrinnen wir dabei zumindest zeitweilig unserem oft schwierigen Alltag, um uns in eine Welt des Wunderbaren zu träumen, die Gegensätze aufhebt, Wünsche wahrmacht und Gerechtigkeit verbürgt. Doch im romantischen Kunstmärchen werden stets auch Missverhältnisse und Entfremdungen thematisiert. Wir werden überrascht durch Wirkungen des Unheimlichen, Fantastischen und Komischen. Sie stören unseren Glauben ans Wunderbare und regen uns an, das Gelesene aufs Hier und Jetzt zu beziehen.
Im Lesekreis gehen wir der Wirkung und Bedeutung ausgewählter Märchen nach. Der freie, persönliche Austausch über Lese- und Lebenserfahrungen steht dabei im Mittelpunkt.
Hoffmanns meisterhafte Märchen-Novelle "Der goldne Topf" überrascht durch den turbulenten Wechsel der Perspektiven. Fantastische und ironische Mittel bringen uns abwechselnd in empathische Nähe und ernüchternden Abstand zum Erzählten. Verblüfft und unschlüssig finden wir schwer zu einem Urteil über Geschichte, Figuren und Geltung des Erzählten.
In den ersten 6 „Vigilien“ lernen wir den tollpatschigen Helden und andere Personen der Dresdener Bürgerwelt kennen, von denen einige ein zauberisches Doppelleben führen. Anselmus macht sich am Himmelfahrtstag vergebens auf in den Biergarten – das „Paradies“ des Bürgers. Stattdessen gerät er in eine Vielzahl von Abenteuern, durch die sich ihm der Weg ins Dichter-Paradies Atlantis öffnet. Anselmus wird beauftragt, durch seine standhafte Liebe zu dem Zauberwesen Serpentina zwischen der poetischen und der alltäglichen Welt zu vermitteln. Nicht nur der Poet Anselmus, sondern alle Menschen – nicht zuletzt wir als Leser des Märchens – sollen an den Wundern der Poesie teilhaben können.
Der zu besprechende Text wird Ihnen auf Wunsch gern zugeschickt. Dazu bitte unter raabe-hausbraunschweigde melden!
Mi. 08.04. | 19:00 Uhr | bücherwurm
Schloßstraße 8, 38100 Braunschweig
Clara Leinemann: Gelbe Monster
Autorinnenlesung – Moderation: Susanne Maierhöfer
Achtung! Diese Veranstaltung fällt leider aus, da die Autorin erkrankt ist.
Di. 14.04. | 11:00 Uhr | Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte
Fallersleber-Tor-Wall 23, 38100 Braunschweig
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Nelly Sachs: Völker der Erde (1948),
Hans Egon Holthusen: Tabula rasa (1949),
Walter Höllerer: Jetzt gehts nach Süden zu (1950).
Nelly Sachs (1891-1970) war eine deutsch-schwedische jüdische Schriftstellerin, Lyrikerin und Nobelpreisträgerin. 1940 floh sie gerade noch rechtzeitig nach Schweden, arbeitet unter anderem als Übersetzerin und schrieb auch nach dem Krieg eindringlich über den Holocaust.
Hans Egon Holthusen (1913-1997) trat früh in SS und NSDAP ein und pries den Krieg, distanzierte sich in den letzten Kriegsjahren jedoch zunehmend vom Regime. In den 1960ern wurde seine NS Vergangenheit kontrovers diskutiert, Kaléko beispielsweise lehnte ihn als Jurymitglied des Fontane-Preises ab.
Walter Höllerer (1922-2003) war Schriftsteller, Literaturkritiker und -wissenschaftler sowie Mitglied der Gruppe 47. Er trat 18-jährig in die NSDAP ein und geriet im Krieg in Gefangenschaft.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Do. 16.04. | 19:00 Uhr | Buchhandlung Benno Goeritz
Breite Straße 20, 38100 Braunschweig
Muri Darida: King Cobra
Autorenlesung – Moderation: Gesa Tunsch
Lazi sitzt im Zug nach Budapest und hat ein Ziel: Das Gewehr des Großvaters András, der während des Ungarnaufstands 1956 nach Argentinien fliehen wollte, aber in Eppingen landete. Im ungarischen Dorf erwarten Lazi unberechenbare Tanten, unzählige Schnäpse und die Großcousine Zsófi, die Lazi das Schießen beibringt. Nur Mónika, die Schwester der Mutter, versteht, was Lazis veränderter Körper zu bedeuten hat, nur sie ahnt den wahren Grund für Lazis Rückkehr: Rache üben, Gerechtigkeit finden. Auf der Suche nach dem Ursprung der Gewalt in der Familiengeschichte trennt Lazi eine Naht aus Scham und Schweigen auf. Hat schließlich das Gewehr des Großvaters und alle Fäden der Erzählung in der Hand. Und trifft eine Entscheidung. „King Cobra“ erzählt zwischen Humor, Zärtlichkeit und Wut vom Widerstand gegen das Schweigen und davon, dass die Liebe kein Bluthund ist.
Muri Darida (*1993) lebt zwischen Budapest und Berlin. Mit einem Auszug aus „King Cobra“ war Darida für den Wortmeldungen Förderpreis 2022 nominiert und gewann den Publikumspreis des Open Mike 2024.
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung Benno Goeritz oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €) sowie im Leseflair-Ticketshop (Öffnet in einem neuen Tab)
So. 19.04. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
Der Student von Wittenberg
Vortrag der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V. von Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel und Dr. Angela Klein.
Raabes Frühwerke Folge 3
Eine Betrachtung zu Raabes erster Novelle
So. 19.04. | 17:00 Uhr | Raabe-Haus
„Heiter und mörderisch“
Federleicht-Lesung mit den Autorinnen Martina Bethe-Hartwig und Sigrid Hermann. Mitglieder der AG Literatur der Braunschweigischen Landschaft e.V. lesen eigene Krimis und Stefan Miersch aus Räbke liest aus seinem Roman "Horatius von Friedeburg - eine Räbker Kriminalgeschichte".
Die Arbeitsgruppe Literatur bietet der freien Autorenszene sowie Schreib- und Textwerkstätten im Braunschweiger Land eine Plattform für die Vernetzung und den Austausch. Ein beliebtes Format ist seit nunmehr 15 Jahren die Lesereihe „Federleicht“ im Raabe-Haus:Literaturzentrum. Darüber hinaus veröffentlicht die Arbeitsgruppe Anthologien zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten.
Di. 21.04. | 19:00 Uhr | Schill-Gedenkstätte
Schillstraße 25, 38102 Braunschweig
Svenja Leiber: Nelka
Autorinnenlesung – Moderation: Verena Noll
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte, debütierte 2005 mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land, 2018 Staub und 2021 Kazimira. Svenja Leiber lebt und arbeitet in Berlin und Schleswig-Holstein.
Eintritt: VVK 11,00 €/ erm. 7,00 € (inkl. Gebühren)
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung bücherwurm oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €) sowie im Leseflair-Onlineshop (Öffnet in einem neuen Tab)
Mi. 22.04. | 19:00 Uhr | ACHTUNG: NEUER ORT: bücherwurm Braunschweig
Schloßstraße 8, 38100 Braunschweig
Ozan Zakariya Keskinkılıç: Hundesohn
Autorenlesung – Moderation: Katerina Brausmann
Dies ist eine Liebesgeschichte. Sie spielt im Juni, im Juli, im August in Adana, dreitausend Kilometer weit weg von Berlin. In Berlin lebt Zeko. Hier trifft er Männer in Parks und Cafés, auf Dating-Apps und vor der Moschee. Doch jedes Mal, wenn sich ihre Lippen berühren, reißen ihn die Gedanken zurück zu Hassan, dem Nachbarsjungen in Adana, den Dede, sein Großvater, immer nur „Hundesohn“ nennt.
„In neun Tagen werde ich Hassan wiedersehen“, wiederholt er wie ein Mantra: beim Freitagsgebet, in der Therapiesitzung, im Prinzenbad, beim Mittagessen mit seiner besten Freundin Pari. Aber etwas ist geschehen, als Zeko und Hassan sich das letzte Mal sahen. Etwas, das immer heftiger heraufdrängt, je näher der Tag seiner Abreise kommt.
Ozan Zakariya Keskinkılıç, geboren 1989, studierte Politikwissenschaften in Wien, Berlin und Cambridge. 2022 erschien sein Lyrikdebüt Prinzenbad im Elif Verlag, 2023 das Sachbuch Muslimaniac. Die Karriere eines Feindbildes im Verbrecher Verlag. Seine Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien (u. a. anders bleiben, Rowohlt 2023) veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt. Er war für den Clemens-Brentano-Preis und den Dresdner Lyrikpreis nominiert und wurde mit dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2025 ausgezeichnet. Hundesohn ist sein erster Roman.
Eintritt: VVK 11,00 €/ erm. 7,00 € (inkl. Gebühren)
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung bücherwurm oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €) sowie im Leseflair-Onlineshop (Öffnet in einem neuen Tab)
Di. 28.04. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Eugen Gomringer: Avenidas (1951),
Ingeborg Bachmann: Alle Tage (1952),
Helmut Heißenbüttel: Einfache Sätze (1953).
Eugen Gomringer (1925-2025), bolivianisch-schweizerischer Schriftsteller und Lyriker, begründete die Konkrete Poesie und war langjähriges Mitglied des documenta-Rates. Die Anbringung seines Gedichtes „avenidas“ an der Alice-Solomon-Hochschule 2017 sorgte für eine Kontroverse.
Ingeborg Bachmann (1926-1973) war eine österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin, die als einer der ersten Stimmen der Nachkriegsliteratur feministische Perspektiven einbrachte. Eng verbunden mit der Gruppe 47 starb sie früh an den Folgen von Alkohol- und Tablettenabhängigkeit.
Helmut Heißenbüttel (1921-1996) arbeitete nach Kriegsteilnahme und Verwundung als Lektor, Redakteur, Kritiker und Schriftsteller. Er war Mitglied der Gruppe 47 und kämpfte um den Erhalt der avantgardistischen Lyrik in der Nachkriegszeit.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Di. 28.04. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
Liebe, schräg und anders.
„Elend und Größe dieser Welt:
Sie bietet keine Wahrheiten, sondern Liebesmöglichkeiten.
Es herrscht das Absurde.
Und die Liebe errettet davor.“
(Albert Camus, Tagebücher Band I, S. 92/93)“
Kathrin Reinhardt liest aus besonderen Texten der Weltliteratur zu einem Thema, was vermutlich so alt wie die Welt ist: die Liebe – ob romantische, platonische oder familiäre Liebe, ob verboten oder gar moralisch verkommen oder zart und unschuldig.
Mai
Mo. 04.05. | 15:00 Uhr | Treffpunkt: Magnikirchplatz
Auf den Spuren Wilhelm Raabes – Vom Magniviertel ins Krähenfeld
Spaziergang mit Johannes Heinen
„So schönes Wetter, und - ich noch dabei.“ - Dieser kurzweilige Spaziergang folgt den Spuren des Schriftstellers vom Magniviertel ins Krähenfeld. Dabei sollen Raabes Alltag und literarisches Schaffen beispielhaft verdeutlicht werden. Es gibt viel zu erzählen über das Leben dieses virtuosen Realisten mit hintergründigem Humor, dessen Werk bis heute aktuell ist. Wilhelm Raabe (1831-1910) verbringt die letzten vier Jahrzehnte seines Lebens in Braunschweig. Hier entsteht fast die Hälfte seines umfangreichen Werkes.
Der Spaziergang endet mit einem Besuch im Museum des Raabe-Hauses, das im Gebiet des sogenannten Krähenfeldes liegt.
Di. 05.05. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Wilhelm Raabe: Zum wilden Mann
Philosophische Spurensuche in literarischen Texten - Vorgestellt von Johannes Heinen
Wilhelm Raabe veröffentlichte im Jahre 1874 die Erzählung „Zum wilden Mann“, die er rückblickend als eine seiner besten Arbeiten ansah. Im Zentrum dieser Erzählung steht Philipp Kristeller, der seine Apotheke seit dreißig Jahre betreibt und zu diesem Jubiläum Freunde zum abendlichen Umtrunk geladen hat und im Gespräch seinen Lebensweg darlegen möchte. Verspätet erscheint einer seiner Freunde in Begleitung eines geheimnisvollen Fremden, der sich aktiv in die Unterhaltung einbringt, indem er seinen abenteuerlichen, welterfahrenen Werdegang schildert. Völlig gegensätzliche Lebenswege, überraschende Verhaltensweisen und Einstellungen werden in dieser spannungsreichen Erzählung dargelegt, die erschlossen und aus heutiger Sicht beurteilt werden sollen.
Di. 05.05. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
Böse, böse Märchenwelt
Emanzipierte Frauen…ähm, böse Stiefmütter und Hexen oder doch der fremde, böse „Wolf“ im Wald – wer glaubt, dass Grimms Märchen nur das zu bieten haben, der sollte bei dieser Lesung dabei sein:
Die Schauspieler*innen Kathrin Reinhardt und Ronald Schober versorgen uns mit schrägen und nicht so bekannten Märchen der Gebrüder Grimm für Erwachsene.
Mi. 06.05. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Märchen der Romantik: E.T.A. Hoffmann: Der goldne Topf 7.–12. Vigilie
Lesekreis mit Dr. habil. Peggy Gehrmann.
Märchen lesen – bedeutet das Flucht? Wie es scheint, entrinnen wir dabei zumindest zeitweilig unserem oft schwierigen Alltag, um uns in eine Welt des Wunderbaren zu träumen, die Gegensätze aufhebt, Wünsche wahrmacht und Gerechtigkeit verbürgt. Doch im romantischen Kunstmärchen werden stets auch Missverhältnisse und Entfremdungen thematisiert. Wir werden überrascht durch Wirkungen des Unheimlichen, Fantastischen und Komischen. Sie stören unseren Glauben ans Wunderbare und regen uns an, das Gelesene aufs Hier und Jetzt zu beziehen.
Im Lesekreis gehen wir der Wirkung und Bedeutung ausgewählter Märchen nach. Der freie, persönliche Austausch über Lese- und Lebenserfahrungen steht dabei im Mittelpunkt.
Im zweiten Teil des Märchens spitzt sich Anselmus‘ Konflikt bis ins Unerträgliche zu. Sein Festhalten an Poesie und Künstlerliebe lässt ihn das bürgerliche Leben bedrückend eng erleben, seiner Mitwelt erscheint er zunehmend wahnsinnig. Wie sind die Auswege aus diesem Konflikt zu verstehen, die das Märchen uns anbietet?
Interessant könnte ein Blick auf die Fülle an christlichen Motiven sein, die den Text durchziehen. Auch das Motiv des Wahnsinns und das Symbol des goldenen Topfes fordern zur Erörterung heraus. Der Blick auf Gestaltungsweisen des Textes wie Ironie und Spiegelungen von Figuren und Handlung kann lohnend sein.
Der zu besprechende Text wird Ihnen auf Wunsch gern zugeschickt. Dazu bitte unter raabe-hausbraunschweigde melden!
Mi. 06.05. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
Ich darf nur lieben, aber niemals jemandem gehören.
Die Schauspielerin Susanne Maierhöfer liest aus Texten von Franziska zu Reventlow (1871 – 1918), die bereits als junge Frau im 19. Jahrhundert einen sich über Standes- und Anstandsgrenzen hinwegsetzenden Freiheitswillen hatte – in der Liebe und im Leben allgemein. So schreibt sie: „Ich will und muss einmal frei werden; es liegt nun einmal tief in meiner Natur, dieses maßlose Streben, Sehnen nach Freiheit.“
So 10.05. | 15.00 Uhr | Raabe-Haus
Wilhelm Raabe, Edmund Sträter und Ernst Böhme
Vortrag der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V. von Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel und Dr. Angela Klein.
Ein Freund, Vermittler und ein Schüler in Magdeburg
So. 10.05. | 17:00 Uhr | Raabe-Haus
„Was man sich in Braunschweig und Umgebung so erzählt“
Federleicht-Lesung mit den Autor*innen Karin Bottke, Rainer Gellermann und Thomas Meyer. Mitglieder der AG Literatur der Braunschweigischen Landschaft e.V. lesen eigene Texte mit historischem Bezug.
Die Arbeitsgruppe Literatur bietet der freien Autorenszene sowie Schreib- und Textwerkstätten im Braunschweiger Land eine Plattform für die Vernetzung und den Austausch. Ein beliebtes Format ist seit nunmehr 15 Jahren die Lesereihe „Federleicht“ im Raabe-Haus:Literaturzentrum. Darüber hinaus veröffentlicht die Arbeitsgruppe Anthologien zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten.
Di. 12.05. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Werner Riegel: Grünlicher Himmel (1954),
Karl Krolow: Die Erscheinung (1955),
Rainer Brambach: Poesie (1956).
Werner Riegel (1925-1956) war ein deutscher Lyriker und Essayist. Er arbeitete auch unter den Pseudonymen Scharbock - als Lyriker -, John Frieder, Conrad Kefer und Lothar Leu.
Karl Krolow (1915-1999) war ein deutscher Schriftsteller. Er studierte Germanistik, Romanistik, Kunstgeschichte und Philosophie und gilt als einer der bedeutendsten Lyriker der deutschen Nachkriegsliteratur.
Rainer Brambach (1917-1983) war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller. Nachdem er von der deutschen Wehrmacht desertierte und zurück in die Schweiz ging, entstand ab 1947 sein Werk aus Gedichten und Erzählungen.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Di. 12.05. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
Dein ist mein ganzes Herz
Haben sie „Bock auf Gefühl“? Dass es auch Liedtexte zunehmend in den Literaturkanon schaffen, wissen wir spätestens seit Reclams neuer Reihe mit u.a. Songetxten von Anna R., den Ärzten oder Rio Reiser. Welche Texte in Andreas Jägers eigenem Kanon vorkommen, erfahren Sie bei dieser Lesung.
Mi. 20.05. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Karl Philipp Moritz: Anton Reiser (1785-1790)
Aufbrüche – Umbrüche in der Literatur mit Bernd Passier
In dem ab 1785 erscheinenden „psychologischen Roman“ erzählt Karl Philipp Moritz unter fremdem Namen die Geschichte seiner eigenen Kindheit und Jugend als exemplarische Leidensgeschichte. Dass der Roman auch eine erschütternde Episode rund um Reisers Lehrzeit in Braunschweig enthält, macht ihn aus lokaler Perspektive besonders interessant. Gelesen und besprochen werden Passagen aus dem ersten Teil des Werks.
Goethe sagte von ihm: „er ist wie ein jüngerer Bruder von mir, von derselben Art, nur da vom Schicksal verwahrlost und beschädigt, wo ich begünstigt und vorgezogen bin.“ Das Leben des am 15. September 1756 in Hameln in armseligsten Verhältnissen geborenen Karl Philipp verläuft als kaum unterbrochene Kette von Entbehrungen und Zurücksetzungen: erzwungene Hutmacherlehre als dreizehnjähriger Knabe in Braunschweig, demütigende Erfahrungen als mittelloser Schüler am Hannoverschen Gymnasium, ein abgebrochenes Theologiestudium, schließlich der erfolglose Versuch, sich einer Schauspieltruppe anzuschließen. Seine „Lehr- und Wanderjahre“ machen in erschütternder Weise die Begrenzungen eines empfindsamen und begabten jungen Mannes in der Ständegesellschaft des 18. Jahrhunderts deutlich. Hätte es nicht gelegentlich hilfreiche Förderer gegeben, Moritz wäre der Sprung in eine bürgerliche Existenz wohl kaum gelungen. Nach einer Anstellung als Lehrer am Berliner Gymnasium zum Grauen Kloster (1778), hält Moritz es acht Jahre in vergleichsweise gesicherten Verhältnissen aus. Dann ein erneuter Ausbruch, diesmal nach Italien, wo der abgerissene Fußreisende die Freundschaft und Unterstützung Goethes gewinnt. Erst nach seiner Rückkehr und der Ernennung zum Professor der Theorie der schönen Künste an der königlich-preußischen Akademie der Künste in Berlin (1789) wird Moritz frei von materiellen Sorgen sein: Noch vier Lebensjahre sind dem Lungenkranken beschieden, eine Zeit angestrengten Schreibens, in der er vielfältige Studien zur Mythologie, zur Grammatik und Pädagogik veröffentlicht. Karl Philipp Moritz stirbt am 26. Juni 1793 in Berlin, noch keine 37 Jahre alt.
Wie man angesichts solcher Lebensumstände überhaupt so etwas wie personale Identität ausbilden kann? Man kann den ab 1785 in vier Teilen erscheinenden psychologischen Roman „Anton Reiser“ als Moritz` Versuch lesen, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Am Faden einer minutiösen Erinnerung, die Einheit und Zusammenhang herzustellen versucht, wo sonst „oft nichts als Zwecklosigkeit, abgerißne Fäden, Verwirrung, Nacht und Dunkelheit“ zu sehen sind, schreibt er gewissermaßen seine eigene Pathografie. Dass die schonungslose Selbstanalyse rückblickend keine harmonische Vollendung eines Lebens konstruiert, macht den Fragment gebliebenen Roman auch für heutige Leser und Leserinnen Leser interessant.
Do. 21.05. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
Blind Date mit einem Text
Überraschungslesung mit Götz van Ooyen
Die beliebte Reihe geht in die nächste Runde. Nur der Schauspieler weiß, welche Texte gelesen werden.
Juni
Di. 02.06. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Hans Magnus Enzensberger: april (1957),
Klaus Demus: Über die Mauern zu schauen (1958),
Hilde Domin: Rückzug (1959).
Hans Magnus Enzensberger (1929-2022) verhandelte mit seiner Lyrik tagesaktuelle Themen war widerwillige Orientierungsfigur der Studentenbewegung und der außerparlamentarischen Opposition.
Klaus Demus (1927-2023), war ein österreichischer Kunsthistoriker und Lyriker, der pantheistische Naturlyrik verfasste und mit Paul Celan und Ingeborg Bachmann verkehrte.
Hilde Domin (1909-2006) war eine jüdische Lyrikerin. In den 30ern floh sie erst nach Italien, dann nach Frankreich, Großbritannien und schließlich in die Dominikanische Republik, aus der sie 1954 nach Deutschland zurückkehrte. Diese Odysse prägt das Werk der Lyrikerin, die viel mit freien Versen arbeitete.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Sa. 27.06. | 19:00 Uhr - 22:00 Uhr | Raabe-Haus
Braunschweiger Museumsnacht
Braunschweiger Museumsnacht an verschiedenen Orten von 19:00 Uhr bis 24:00 Uhr. Das Raabe-Haus ist selbstverständlich mit dabei und bietet Führungen durch das Museum und unterhaltsame, kurze Lesungen von 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr an.