Geballtes Wissen an einem Standort

Der Science Campus Braunschweig-Süd ist der jüngste Forschungscluster der Löwenstadt und ganz den Biowissenschaften gewidmet: Rund um das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und andere renommierte Einrichtungen betreiben hier rund 800 Menschen aus 40 Nationen weltweit anerkannte Spitzenforschung für unsere Gesundheit. Neu und in der Region ebenfalls einzigartig: Die smarte Erweiterung mit einer jungen Gründerszene durch Ansiedlung innovativer Start-ups.

© Wolf SondermannLuftbild des Science Campus Braunschweig-Süd.

„Hier am Science Campus bündeln wir unsere Expertise und Infrastruktur im Bereich der Gesundheitsforschung und Systembiologie, um Infektionskrankheiten zielgerichteter bekämpfen zu können“, erklärt mir Susanne Thiele, Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI). Zu diesen Partnern zählen neben dem HZI das Leibniz-Institut - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ), das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM), die Technische Universität Braunschweig, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie das Biotechnologische Schülerlabor Braunschweig (BioS). „Der Science Campus als Dachmarke schafft hier ein neues Gemeinschaftsgefühl“, betont Thiele.

Förderung von Synergien zum Wohle der Gesundheit

Dank des gebündelten Wissens und der hochmodernen Infrastruktur ergäben sich viele praktische Vorteile für alle benachbarten Einrichtungen, erzählt mir Prof. Dirk Heinz, wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI: „Auf dem Science Campus sind ganz unterschiedliche Partner aus Forschung und Industrie vertreten“, so der Biochemiker. „Gemeinsam entwickelte Projekte und die Nutzung der auf dem Campus vorhandenen Technologieplattformen schaffen Synergien im Bereich der Infektions- und Wirkstoffforschung, wovon alle Partner profitieren.“

© Verena MeierProf. Dirk Heinz, wissenschaftlicher Geschäftsführer am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung.

Ein Beispiel für die anwendungsnahe Forschung auf dem Science Campus und die Nutzung von Synergien ist das brandaktuelle Thema der Antibiotika-Resistenzen: Sie breiten sich zunehmend in Krankenhäusern aus und kosten inzwischen jedes Jahr rund 700.000 Menschen das Leben. „Wenn vermehrt multiresistente Keime auftreten, werden ganz normale Operationen irgendwann immer schwieriger“, erklärt mir Susanne Thiele. „Da wäre man dann praktisch wieder zurückgeworfen in die Zeit vor der Erfindung der Antibiotika.

© Verena MeierEine HZI-Mitarbeiterin bei der Laborarbeit.

Damit es nicht so weit kommt, unterstützen sich die Partner am Science Campus mit ihrem Wissen gegenseitig und betreiben eine hochmoderne Infrastruktur mit oftmals extrem teuren Geräten, die sie sich allein nicht leisten könnten – erst eine hohe Auslastung macht ihre Anschaffung überhaupt rentabel. Ähnliches gilt für das Hochsicherheitslabor mit gefährlichen Erregern sowie das Tierhaus mit 20.000 Mäusen, auf das alle Beteiligten zugreifen können: „Tierversuche sind im Fall von Infektionskrankheiten und Antibiotika-Forschung leider immer noch notwendig“, erklärt mir Thiele. "Man muss an irgendeiner Stelle einfach aus der Zelllinie raus und an einem richtigen Immunsystem arbeiten.“

Nährboden für junge Forscher und Gründer

Die hervorragende Infrastruktur hat sich auch bei Unternehmen und Gründern herumgesprochen, für die der Science Campus nun eigene Räume bereithält. „Wir ziehen vor allem kleinere Firmen und Start-ups an“, weiß Prof. Heinz und betont: „Die gemeinsame Dachmarke erhöht zudem ihre regionale und bundesweite Sichtbarkeit.“ So ergibt sich ein Mehrwert für alle Beteiligten: Erfahrene Forscher tauschen sich aus, während Start-ups und junge Talente neue Impulse einbringen.

© Verena MeierYUMAB-Geschäftsführer Thomas Schirrmann.

So auch die Unternehmen InSCREENex, Norden Vaccines und YUMAB. Letzteres ist im „Antibody Engineering“ tätig, der Entdeckung neuer menschlicher Antikörper für therapeutische Zwecke, und bedient Pharmaunternehmen rund um den Globus. Für dessen Geschäftsführer Thomas Schirrmann ist der Science Campus der ideale Nährboden: „Wissenschaftlicher Austausch ist für uns essenziell. Einer der größten Vorteile des Science Campus ist die Möglichkeit, mit den ansässigen Instituten zusammenzuarbeiten und auf kurzem Wege gemeinsam Forschung und Entwicklung voranzutreiben“, erzählt er mir und schwärmt: „Nach kaum mehr als einem Jahr bestehen bereits erste Kollaborationen auf dem Campus, und weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit sind bereits im Gespräch.“ Beispielsweise im Bereich neuer Therapien für die Bekämpfung von Infektionserkrankungen mit Alternativen zu Antibiotika: „Allein würde YUMAB so etwas nicht beginnen, aber mit den Partnern hier sind auch derartige Projekte möglich.“

Text: Stephen Dietl, 24.10.2019