Grünes Licht für frische Luft

In der Wissenschaft ist man sich einig, dass Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen einer der stärksten Pandemietreiber sind. Luftreiniger gelten daher als beste Methode, auch den Präsenzunterricht an Schulen wieder gefahrlos zu ermöglichen. Mit dem System airooom hat das für seine 3D-Drucker bekannte Braunschweiger Start-Up fabmaker einen ebenso effektiven aber wesentlich kostengünstigeren Beitrag zur Lösung des Problems entwickelt: Sensoren analysieren die Qualität der Raumluft und zeigen in Form einer Ampel an, wenn es wieder Zeit zum Lüften ist.

Das vergangene Jahr war nicht leicht für die fabmaker GmbH (Öffnet in einem neuen Tab), deren Gründer Dean Ćirić ich kurz vor Pandemiebeginn schon einmal im Technologiepark am Rebenring besucht hatte. Denn ihr sogenannter Bildungsdrucker, ein 3D-Drucker für Schule und Ausbildung, ist an die Anwesenheit der Teilnehmenden gebunden. Doch bekanntlich entsteht gerade aus der Not heraus oft Neues: „Wegen der Krise haben wir uns auch mit anderen Themen beschäftigt“, erzählt mir Dean. Allem voran habe die Frage gestanden, wie Präsenzunterricht an Schulen ermöglicht und somit auch wieder mit den Druckern gearbeitet werden könne. „Also haben wir uns mit dem Infektionsschutz auseinandergesetzt. Wie ist die optimale Raumluft beschaffen, damit Unterricht stattfinden kann?“ Ergebnis des monatelangen Recherche- und Entwicklungsprozesses ist die Infektionsschutz-Ampel airooom (Öffnet in einem neuen Tab).

Dean Ćirić ist Gründer des Start-Ups fabmaker, das nach dem 3D-Bildungsdrucker nun auch das airooom-Ampelsystem entwickelt hat.© fabmaker GmbH

Exakt und individuell

„Ich beriet mich im vergangenen Jahr häufig mit meinem Freund und Mentor Prof. Dr. Schilling, Leiter des Instituts für Elektrische Messtechnik und Grundlagen der Elektrotechnik (Öffnet in einem neuen Tab) an der TU Braunschweig (Öffnet in einem neuen Tab)“, erinnert sich Dean. „Dabei haben wir festgestellt, dass man die Raumluftqualität mit modernen Methoden sehr exakt und individuell beurteilen könnte, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Bisher wird ja nur pauschal empfohlen regelmäßig zu lüften.“ Es folgte eine ausgiebige wissenschaftliche Recherche hinsichtlich der Faktoren, die für das Infektionsrisiko innerhalb geschlossener Räume ausschlaggebend sind.

Dank der Infektionsschutz-Ampel airooom können in Klassenräumen hoffentlich bald auch wieder die Bildungsdrucker von fabmaker zum Einsatz kommen.© fabmaker GmbH

„Wir erfassen über die Sensoren des airooom verschiedene dynamische Daten wie den CO2-Wert, die Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur, aber auch Luftgeschwindigkeit und Lautstärke, also indirekt die Sprechintensität, welche den Aerosol-Ausstoß beeinflusst“, erklärt mir Dean. Über das Internet verbindet ein intelligenter Algorithmus auf den Servern von fabmaker diese dynamischen Daten dann mit statischen Werten – Raumgröße, Fensterposition usw. – sowie mit lokalen Informationen, beispielsweise der Inzidenz und dem Wetter. Daraus errechnet er schließlich das Infektionsrisiko und sendet eine Lüftungsempfehlung zurück an die Ampel vor Ort.

Aus einer Vielzahl an erhobenen Daten errechnet der von fabmaker und der TU Braunschweig entwickelte Algorithmus das Infektionsrisiko und gibt anschließend eine konkrete Handlungsempfehlung.© fabmaker GmbH

Intelligent dank Big Data

Leuchtet die Ampel an der Wand grün, ist das Infektionsrisiko gering. Schaltet sie auf gelb, ist bald Lüften angesagt. Leuchtet sie rot: Fenster auf! Und das einfach so lange, bis es wieder grünes Licht gibt. Hinter dieser für jeden nachvollziehbaren, auf objektiven Informationen basierenden Handlungsempfehlung stehen die Vorteile von Big Data: „Wir erfassen Daten, die so noch nie zuvor in Zusammenhang gestellt wurden“, schwärmt Dean. „Es ist eine flexible Lösung, die auf Big Data und die künstliche Intelligenz unseres Algorithmus setzt und so früher nicht möglich war.“ Begleitend ist daher auch ein Forschungsprojekt am Institut von Prof. Schilling in Planung, um die einzigartigen Daten auszuwerten und grundlegende Aufschlüsse zum Infektionsgeschehen in geschlossenen Räumen zu erhalten.

Das Ampelsystem der airooom ist genial einfach und für alle Anwesenden intuitiv nachvollziehbar.© fabmaker GmbH

Die Infektionsschutz-Ampel airooom steht allen zur Verfügung – von Bildungseinrichtungen und Behörden bis zu privaten Firmen und Kanzleien – und kann direkt bei fabmaker zum Preis von 35 Euro monatlich gemietet werden. Und dabei ist alles inklusive: „Wir vermessen den Raum und installieren die Ampel“, erzählt Dean. „Anschließend wird sie von uns regelmäßig kalibriert, und wenn etwas nicht funktioniert, gibt es eine Austauschgarantie.“ Verglichen mit mehreren tausend Euro für eine einzige Luftfilteranlage pro Klassenzimmer – rund eintausend allein in Braunschweig – würden diese Kosten kaum ins Gewicht fallen.

Die sichersten Taxen Niedersachsens

Und so hat fabmaker bereits Schulen, Kitas, Bibliotheken, Agenturen und Kanzleien in Braunschweig, Wolfenbüttel und Cremlingen mit airooom ausgestattet. „Inzwischen sind wir auch im Gespräch mit dem Kultusministerium sowie zahlreichen weiteren Dezernaten und Schulträgern“, freut sich Dean. „Es ist einfach eine preiswerte und überall einsetzbare Lösung. Und durch das Abo-System mit kurzer Laufzeit sind die Kunden flexibel.“ 

Mit airooom wird das Zusammenkommen in geschlossenen Räumen – und sogar in Fahrzeugen – bald wieder ein großes Stück sicherer sein.© fabmaker GmbH

Flexibel ist auch die Technologie selbst: Eine kleinere Version wurde über mehrere Monate in drei Braunschweiger Taxis erprobt. Jürgen Hartmann, Geschäftsführer der Braunschweiger Taxizentrale GmbH, zeigt sich begeistert: "Wir können unsere Fahrgäste jetzt viel sicherer befördern. Unsere selbst fahrenden Unternehmer/innen und unser Fahrpersonal können mit airooom besser agieren um sich und die Fahrgäste optimal zu schützen.“ Und so werden die ersten 20 Taxen noch in diesem Monat mit der Ampel ausgestattet: „Dann fahren in Braunschweig die sichersten Taxen Niedersachsens.“ Und auch das soll nur der Anfang sein: Reiseunternehmen und der ÖPNV haben bereits Interesse an der Innovation signalisiert.

Text: Stephen Dietl, 10.08.2021