Technologietransferpreis 2019: Dieses Jahr dürfen sich zwei Preisträger über die Auszeichnung freuen

In diesem Jahr erhielten gleich zwei Projekte den mit 10.000 Euro dotierten Technologietransferpreis der IHK Braunschweig. Am 8. November 2019 wurde er zum 35. Mal vergeben. Ausgezeichnet werden jährlich Projekte, die in außergewöhnlichem Maße demonstrieren, wie Wissens- und Technologietransfer als Treiber für wirtschaftliche Innovation wirken kann. „In beiden Projekten lief die Transferleistung in vorbildlicher Weise“, lobte der Jury-Vorsitzende Dr. Edgar Lins.

Das neue Kilogramm: Von Braunschweig in die Welt

Was genau einem Kilogramm entspricht, lagerte bislang in einem Safe in Paris: das „Urkilogramm“. Es wurde festgelegt, um in Zeiten eines immer internationaler werdenden Handels, die globale Einheitlichkeit von Masse-Maßstäben zu gewährleisten. Durch das Voranschreiten der Messtechnik und neuere Erkenntnisse der Physik ließ sich jedoch feststellen, dass es trotz der sorgfältigen Aufbewahrung und seltenen Nutzung über die Jahre einen Teil seiner Masse verloren hatte. Damit war die weltweite Definition einer ständigen Änderung unterworfen. In Zeiten der Nanotechnik ist das natürlich nicht mehr tragbar, die Wirtschaft braucht einen verlässlichen Standard. Aus diesem Grund wird das Kilogramm seit dem 20. Mai 2019 durch eine unveränderliche Naturkonstante definiert, die über hochreine Siliziumkugeln verkörpert wird.

Ein Team von Wissenschaftlern der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, repräsentiert von Prof. Dr.-Ing. Frank Härting, Katharina Lehrmann, Dr.-Ing. Rudolf Meeß und Thomas Wiedenhöfer, machte es sich zur Aufgabe, ein Fertigungsverfahren für eine extrem runde Siliziumkugel für industrielle Anwendungen in die Wirtschaft zu transferieren. Das damit neu entwickelte Schleif- und Polierverfahren übertrug die PTB an die J. Hauser GmbH & Co. KG, die auf die Herstellung von hochpräzisen Oberflächen spezialisiert ist und die Kugel als Sekundärnormal für metrologische Institute, Kalibrierlaboratorien und Waagenhersteller fertigt. Weiterhin wurde das Know-how zu Handhabung, Lagerung und Transport der Kugeln der Häfner Gewichte GmbH übertragen, die neben dem Vertrieb der Sekundärnormale auch Reinigungs- und Handhabungsutensilien, sowie Schulungen zum fachgemäßen Umgang mit Siliziumkugeln anbietet. Durch das Transferprojekt Si-kg konnte somit eine einzigartige schlüsselfertige Infrastruktur geschaffen werden, die den weltweiten Bedarf an hoch stabilen Sekundärnormalen bedient. Die Förderung des Technologietransfers ist eine der gesetzlich verankerten Kernaufgaben der PTB, besonders für KMU stehen hierzu auch die Förderprogramme „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM), „KMU innovativ", das PTB-eigene „Transfer Metrologischer Technologien“ (TransMeT) und weitere Programme des Bundes zur Verfügung.

Flexible Handhabung für eine effiziente Produktion und Logistik

Die Kugeln greifen könnte die von Dr. Christian Löchte und Holger Kunz entwickelte Formhand-Technologie. Die beiden ehemaligen Studenten der Technischen Universität Braunschweig verfolgten bereits während ihres Studiums die Idee, mit einem möglichst geringen Aufwand unterschiedlichste Gegenstände ergreifen, anheben und positionieren zu können und entwickelten Greifer für Industrieroboter, die flexibel, anpassungsfähig und universell einsetzbar sind. Die Greifer nutzen den Effekt, der von vakuumverpacktem gemahlenem Kaffee bekannt ist: Im Normalzustand ist er leicht fließend, einem Unterdruck ausgesetzt aber hart und stabil. Die Formhand-Greifer bestehen aus einem granulatgefüllten, flexiblen Kissen, das sich durch Absaugen der Luft an die zu greifende Form anpasst und so am Gegenstand fixiert ist.

Kirsten Büchler komplettiert das Team mit ihrem kaufmännischen Wissen. Mit der Ausgründung der Formhand Automation GmbH, sind alle drei seit Januar 2017 als geschäftsführende Gesellschafter tätig.

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Kirsten Büchler, Gründerin und Gesellschafterin von FORMHAND Automation, stellt die innovative Technologie von FORMHAND vor.

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© FormandKirsten Büchler, Gründerin und Gesellschafterin von FORMHAND Automation, stellt die innovative Technologie von FORMHAND vor.

Aktuell durchläuft das junge Unternehmen den Accelerator für Wachstum und Innovation (W.IN) der Braunschweig Zukunft GmbH. „Formhand steht als Ausgründung aus der TU Braunschweig sinnbildlich für das enorme Innovationspotenzial, das wir hier am Forschungsstandort Braunschweig haben“, so Gerold Leppa, Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

© FormhandDr. Christian Löchte, Holger Kunz und Kirsten Büchler sind seit der Ausgründung der Formhand Automation GmbH, im Januar 2017, als geschäftsführende Gesellschafter tätig.

Um den Transferprozess aus der universitären Forschung nachhaltig voranzutreiben und zukünftig innovative Projekte wie den Transfer des Formhand Teams noch effizienter zu gestalten, kooperieren die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und die Technische Universität Braunschweig mittlerweile auf allen Gebieten des Transfers. Dazu wird z.B. mit dem „TransferHub38“ eine gemeinsame Anlaufstelle (One Stop Agency) für die Region geschaffen, um Zugangsbarrieren für Unternehmen und Gesellschaft zu den Hochschulen zu reduzieren. „Die TU Braunschweig bietet gründungswilligen Wissenschaftlern und Studierenden mit dem Entrepreneurship Hub und der Technologietransferstelle wichtige Unterstützung dabei, den mutigen Weg vom Forschungsprojekt in Richtung Ausgründung zu meistern. Anschließend finden sie in städtischen und privaten Betreuungsprogrammen wie dem Accelerator W.IN auch nach der Ausgründung kompetente Unterstützung, um ihr Unternehmen nachhaltig weiterzuentwickeln. Braunschweig ist dank des wachsenden Engagements vieler Akteure in Sachen Gründungs- und Innovationsförderung gut aufgestellt“, betont Leppa.