Programm
Hier werden Sie über das aktuelle Programm und die anstehenden Projekte vom Raabe-Haus:Literaturzentrum Braunschweig informiert.
Unsere Veranstaltungen finden im Raabe-Haus statt. Sie finden uns aber auch gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern an anderen Orten der Stadt und der Region.
Bei allen Veranstaltungen sind telefonische Reservierungen unter
0531 70 189 317 jeweils von Di. - Do. von 10 - 15 Uhr möglich.
Alternativ per E-Mail an raabe-hausbraunschweigde
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass das Raabe-Haus:Literaturzentrum Braunschweig – eingerichtet in der letzten Wohnung des Schriftstellers Wilhelm Raabe (1831-1910) – aufgrund dieser historischen Gebäudesituation nicht über einen barrierefreien Zugang verfügt.
Eintritt frei.
Sofern nicht anders angegeben, ist der Eintritt zu den Veranstaltungen frei.
Februar
So. 22.02. | 17:00 Uhr | Raabe-Haus
Federleicht-Lesung
Kirsten Döbler, Helga Thiele-Messow und Yael Vorderwisch lesen eigene Texte unter dem Motto: Verdichtet bis episch - ein literarisches Mosaik
März
Mo. 09.03. | 15:00 Uhr | Treffpunkt: Magnikirchplatz
Auf den Spuren Wilhelm Raabes - Vom Magniviertel ins Krähenfeld
Spaziergang mit Johannes Heinen
„So schönes Wetter, und - ich noch dabei.“ - Dieser kurzweilige Spaziergang folgt den Spuren des Schriftstellers vom Magniviertel ins Krähenfeld. Dabei sollen Raabes Alltag und literarisches Schaffen beispielhaft verdeutlicht werden. Es gibt viel zu erzählen über das Leben dieses virtuosen Realisten mit hintergründigem Humor, dessen Werk bis heute aktuell ist. Wilhelm Raabe (1831-1910) verbringt die letzten vier Jahrzehnte seines Lebens in Braunschweig. Hier entsteht fast die Hälfte seines umfangreichen Werkes.
Der Spaziergang endet mit einem Besuch im Museum des Raabe-Hauses, das im Gebiet des sogenannten Krähenfeldes liegt.
Di. 10.03. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Margarete Steffin: Von der Liebe. Und dem Krieg
Philosophische Spurensuche in literarischen Texten - Vorgestellt von Johannes Heinen
Margarete Steffin (1908-1941), wuchs im Berliner Arbeitermilieu auf, arbeitete zunächst als Laufmädchen und Kontoristin, bildete sich aber durch Abendkurse fort und wurde aufgrund ihres organisatorischen, literarischen und sprachlichen Talents zur engen Mitarbeiterin Brechts, überdies auch zu eine seiner Geliebten.
In den dreißiger Jahren entwickelte sie ihre eigenen schriftstellerischen Aktivitäten stetig weiter. So entstanden während ihrer vielen Krankenhaus- und Sanatoriumsaufenthalte zahlreiche bemerkenswerte Gedichte und kurze Erzählungen, in ganz eigenem Stil verfasst und vielfach mit autobiographischem Hintergrund. Bestimmte Aspekte ihres Schaffens sollen in dieser Veranstaltung erschlossen und gewürdigt werden.
Do. 12.03. | 19:00 Uhr | Roter Saal im Schloss
Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig
Gilbert Holzgang: Otto Ralfs, Käte Ralfs, Junge Kunst
Buchpremiere mit Gilbert Holzgang, unterstützt durch Dr. Regine Nahrwold und Hans Stallmach
Otto Ralfs förderte Maler wie Wassily Kandinsky und Paul Klee, als sie noch kaum bekannt waren. Mit seiner Frau Käte Ralfs undanderen Kunstliebhabern gründete er 1924 die Gesellschaft der Freunde junger Kunst. Im Braunschweiger Schloss veranstalteten sie viele großartige Ausstellungen. Dann verhinderten die Nationalsozialisten diese Kulturarbeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten Otto und Käte Ralfs wieder eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Ihre Biografie erscheint nun im Handel: ein prächtiger Bildband über das ganze 20. Jahrhundert mit 250 Seiten Text und 200 Abbildungen. Gilbert Holzgang, der Autor des Buches, wurde bekannt durch zahlreiche „Theater Zeitraum“-Produktionen und durch die Biografie „Galka Scheyer. Ein Leben für Kunst und Kreativität“.
Veranstalter: Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.
Tel. 0531 70 74 54 21
Eintritt: Abendkasse: 5,00 € / erm. 4,00 €
Vorverkauf bei Konzertkasse Bartels: 4,00 € / erm. 3,00 € (zzgl. VVK-Gebühr)
Di. 17.03. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
In dieser Gesprächsrunde werden folgende Gedichte vorgestellt:
Hans-Wilhelm Smolik: In einem Dorf in Russland (1942),
Gertrud Kantorowicz: So welkst Du und der Schritt der Stunden (1943),
Dietrich Bonhoeffer: Jona (1944).
Hans-Wilhelm Smolik (1906-1962) war vor allem als Schriftsteller von Natur- und Tiergeschichten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bekannt. Sowohl seine botanische Kenntnisse als auch sein Schreibhandwerk erwarb er autodidaktisch, im Nationalsozialismus gab er auf Anraten seines Verlegers kritische Positionen in seinen Texten auf.
Gertrud Kantorowicz (1876-1945) wirkte als studierte Kunsthistorikerin und Lyrikerin, stand in Kontakt mit Stefan George und Georg Simmel, half politisch Verfolgten während des NS-Regimes bei der Ausreise, erkannte aber für sich selbst als Jüdin zu spät die Gefahr und wurde kurz vor Einterffen der Roten Armee in Theresienstadt ermordet. Das vorliegende Gedicht schrieb sie bereits im Konzentrationslager.
Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) war, lutherischer Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche und leistet im Kirchenkampf Widerstand gegen das NS-Regime, das mit berufs- und Schreibverbot reagierte. Wegen unterstellter Verstrickung in das Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er 1945 hingerichtet.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Di. 17.03. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
Paula. Ein Leben für die Kunst.
Lesung aus Briefen der Künstlerin Paula Modersohn-Becker mit der Kulturvermittlerin Pia Kranz
"In der Kunst geht es wie in der Liebe: je mehr man sich gibt, desto mehr man empfängt. Man muss sich ganz öffnen."
P M-B, 1903
1898 treffen die Fabulous Four im kleinen Moordorf Worpswede zusammen: Paula Becker, Otto Modersohn, Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke. Ihre lebhafte Korrespondenz offenbart eine Achterbahn der Gefühle: Innige Liebe trifft auf enttäuschte Erwartungen gespickt mit messerscharfen psychologischen Analysen. Sehnsucht nach der Geborgenheit von Worpswede trifft auf die elektrisierende Wirkung der Kunstmetropole Paris.
Die Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen geht einher mit der Suche nach neuen Lebensformen zwischen Mann und Frau, Pflichtgefühl und Selbstverwirklichung sowie Kunst und Alltagsleben. Der Briefwechsel zeigt viele Facetten dieser Suchbewegung in der Moderne und zeigt auch, wie aktuell vieles bis heute geblieben ist.
Paula Modersohn-Becker (1876-1907) war eine frühe expressionistische Malerin, die insbesondere durch ihre Selbstporträts, die ihre Entwicklung über ihre gesamte Schaffensperiode dokumentieren, bekannt ist.
Mi. 18.03. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Johann Gottfried Seume: Mein Leben (1813)
Aufbrüche – Umbrüche in der Literatur mit Bernd Passier
In seiner posthum veröffentlichten Autobiografie schildert der Schriftsteller J.G. Seume seine ersten zwanzig Lebensjahre. Mit Schwerpunkt auf die Umstände seiner unfreiwilligen Soldatenzeit im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg werden Passagen seines abenteuerlichen Lebensberichts gelesen und (sozial-)geschichtlich eingeordnet.
„Es ginge alles viel besser, wenn man ginge“. Wenn heutige Leser und Leserinnen etwas mit Johann Gottfried Seume verbinden, dann ist es oftmals der Umstand, dass er ein fulminanter Wanderer war. Bekannt ist sein „Spaziergang nach Syracus im Jahr 1802“, dem Seume noch einen Bericht über eine Reise im Norden Europas folgen ließ („Mein Sommer 1805“). Mindestens ebenso interessant sind seine Lebenserinnerungen, die posthum 1813 erschienen. 1763 als Sohn eines Bauern und Böttchers geboren, konnte er durch Unterstützung eines adligen Gönners die Lateinschule besuchen und als Siebzehnjähriger ein Studium der Theologie in Leipzig aufnehmen. Nach seinem ominösen „Weglaufen“ aus Leipzig geriet er in die Hände hessischer Werber. Vom Landgrafen von Hessen-Kassel an die Britische Krone verkauft, fand er sich 1782 als Soldat im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wieder. Nach seiner Rückkehr konnte Seume sein Studium fortsetzen; er verdingte sich als Hofmeister, hielt sporadisch Vorlesungen als Privatdozent, war Sekretär eines russischen Generals während des polnischen Aufstandes und schließlich Korrektor in der Druckerei des mit ihm befreundeten G.J. Göschen in Grimma. Von einer langwierigen Krankheit gezeichnet, starb Seume 1810 während eines Kuraufenthaltes im böhmischen Teplitz. „Er kam“, wie ein moderner Herausgeber seiner Werke feststellte, „von unten und strebte nicht nach oben, er lebte zwischen beiden Sphären (…) als selbstdenkender Einzelner“.
In der Veranstaltung werden charakteristische Ausschnitte aus seinem abenteuerlichen Lebensbericht gelesen und in den biografischen und zeitgeschichtlichen Kontext eingeordnet.
Mo. 23.03. | 20:00 Uhr | martens+puller
Wilhelmstraße 20, 38100 Braunschweig
Henrik Szántó: Treppen aus Papier
Autorenlesung – Moderation: Stephan Tengler
Die Geschichte eines Hauses und der Menschen, die es bewohnen: von der NS-Zeit bis heute, von Leben, Verantwortung und Erinnerung.
Das alte Haus erzählt. Denn seine Mauern, Dielen und Ritzen bewahren die Erinnerungen an alle Menschen, die es jemals bewohnt haben. Schon als Kind hat Irma Thon mit ihren nazitreuen Eltern im ersten Stock gelebt. Während die 90-Jährige zurückblickt und immer wieder an die kleine Ruth Sternheim von damals denken muss, erfreuen sie die Gespräche mit Nele Bittner aus dem Vierten. Die Schülerin lernt für eine Geschichtsklausur und beginnt zu verstehen, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern nur wenige Stufen entfernt.
Henrik Szántó, geboren 1988, ist halb Ungar, halb Finne und lebt als Autor und Moderator in Hannover. Als Spoken Word-Künstler bespielt Szántó Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Seine bisherige Arbeit wurde mit Stipendien gewürdigt. Als Referent hält Szántó Seminare zu poetischem und kreativem Schreiben, Auftritt- und Vortragssicherheit und bereitet Bühnen für neue und arrivierte Stimmen. Die Kernthemen seiner Arbeit sind Mehrsprachigkeit, Erinnerungsarbeit und kulturelle Vielfalt.
Eintritt: VVK 12 €, AK 15 € - Tickets im Vorverkauf erhältlich über: www.leseflair.de
Leseflair Frühjahrslese in Kooperation mit dem Raabe-Haus:Literaturzentrum
Di. 31.03. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Wolfgang Borchert: Auf dem Nachhausewege (1945),
Günter Eich: Latrine (1946),
Marie Luise Kaschnitz: Geduld (1947).
Wolfgang Borchert (1921-1947) gilt als einer der bekanntesten Autoren der Trümmerliteratur. Während des zweiten Weltkiregs wurde er schwer verwundet und wurde wegen Kritik am NS-Regime wegen „Wehrkraftzersetzung“ verurteilt. Berühmtheit erlangte er mit seinem Heimkehrerdrama „Draußen vor der Tür“, kurz bevor er an einer Lebererkrankung verstarb.
Günter Eich (1907-1972) war ein deutscher Hörspielautor und Lyriker. Er kollaborierte mit dem NS-Regime, schrieb über seine Kriegsgefangenschaft, so auch in oben genanntem Gedicht. Später schloss er sich der Gruppe 47 und heiratete deren Mitglied Ilse Aichinger.
Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) verfasste 1933 ihren ersten Roman („Liebe beginnt“) und verhandelte insbesondere in der Nachkriegszeit Eindrücke des Krieges.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Di. 31.03. | 19:00 Uhr | BLAU-WAL
Hagenring 90, 38102 Braunschweig
David Hugendick: Jetzt sag doch endlich was
Autorenlesung – Moderation: Frank Schäfer
Wer stottert, hat keine Superkraft. Wer stottert, dem fällt nur vielleicht manches auf.
Irgendwann muss die Menschheit beschlossen haben, dass sie es pausenlos eilig hat. Wer stottert, guckt oft in ungeduldige Gesichter, weil die Zeit des anderen ein wenig anhält. Stottern ist eine Art des rasenden Stillstands, eine unvorhergesehene Störung im Betriebsablauf.
In seinem autobiografischen Essay denkt David Hugendick über das Stottern und das Sprechen nach, über Ungeduld und Scham, über heimtückische Buchstaben und über unsere von künstlicher Dringlichkeit geprägte Gesellschaft.
David Hugendick, geboren 1980 in Bremerhaven, ist Redakteur im Feuilleton der ZEIT. Er lebt in Berlin und ist dem Raabe-Haus über die Braunschweiger Literaturzeit verbunden.
Eintritt: VVK 11,00 €/ erm. 7,00 € (inkl. Gebühren)
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung bücherwurm oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €)
April
Mi. 01.04. | 15:00 Uhr | Raabe-Haus
April, April!
Lesung mit der österreichischen Schauspielerin Verena Noll, die extra aus Hollywood anreist, um ihre preisgekrönten Texte exklusiv im Raabe-Haus Braunschweig zu präsentieren. Vielleicht gestattet die Noll auch ein wenig Einblick in ihr Privatleben, um das sich seit Jahren Gerüchte und Skandale ranken.
Deutschlandpremiere! Sichern Sie sich heute schon Ihre Plätze im Raabe-Haus!
Di. 07.04. | 19:00 Uhr | Saal des Kinderschutzbundes
Markus Orths: Die Enthusiasten
Autorenlesung – Moderation: Ronald Schober
Ein erzählerisches Feuerwerk über eine ziemlich besondere Familie, bei der Bücherplateaus von der Decke hängen und in dem Geschichten zum Leben erweckt werden. Und über drei Geschwister, die eine innige Liebe verbindet und ein großer Verlust.
Was haben ein besessener Laurence-Sterne-Fan auf der abenteuerlichen Jagd nach dem angeblichen zehnten Band von Tristram Shandy, eine Teilchenforscherin, die abgeschirmt von kilometerdicken Felswänden über Jahre versucht, Dunkle-Materie-Teilchen zu erlauschen, ein Kino-Enthusiast, der abgefahrene Experimentalfilme ausheckt, eine nordenglische Kleinstadt und ein sensationeller Fund gemeinsam?
Sie kommen in „Die Enthusiasten“ vor, dem wahrscheinlich turbulentesten und gewagtesten Roman seit Langem, der auf halsbrecherische Weise die Grenzen dessen auslotet, was Erzählen kann und was menschengemachte Kunst ist. Auch dabei: eine rätselhafte Thailänderin, eine unendlich liebenswerte, lesebesessene und eigensinnige Mutter, die spurlos verschwindet, und ein Vater, der ausschließlich auf nie dagewesene Fragen antwortet.
Markus Orths, Jahrgang 1969, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik und lebt in Karlsruhe. Es erschienen unter anderem die Romane Lehrerzimmer, Das Zimmermädchen, Alpha & Omega sowie zuletzt Max (2017), Picknick im Dunkeln (2020) und Mary & Claire (2023). Seine Bücher wurden in insgesamt achtzehn Sprachen übersetzt, manche verfilmt und zahlreiche ausgezeichnet.
Eintritt: VVK 11,00 €/ erm. 7,00 € (inkl. Gebühren)
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung bücherwurm oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €)
Di. 14.04. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Nelly Sachs: Völker der Erde (1948),
Hans Egon Holthusen: Tabula rasa (1949),
Walter Höllerer: Jetzt gehts nach Süden zu (1950).
Nelly Sachs (1891-1970) war eine deutsch-schwedische jüdische Schriftstellerin, Lyrikerin und Nobelpreisträgerin. 1940 floh sie gerade noch rechtzeitig nach Schweden, arbeitet unter anderem als Übersetzerin und schrieb auch nach dem Krieg eindringlich über den Holocaust.
Hans Egon Holthusen (1913-1997) trat früh in SS und NSDAP ein und pries den Krieg, distanzierte sich in den letzten Kriegsjahren jedoch zunehmend vom Regime. In den 1960ern wurde seine NS Vergangenheit kontrovers diskutiert, Kaléko beispielsweise lehnte ihn als Jurymitglied des Fontane-Preises ab.
Walter Höllerer (1922-2003) war Schriftsteller, Literaturkritiker und -wissenschaftler sowie Mitglied der Gruppe 47. Er trat 18-jährig in die NSDAP ein und geriet im Krieg in Gefangenschaft.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Di. 21.04. | 19:00 Uhr | Schill-Gedenkstätte
Schillstraße 25, 38102 Braunschweig
Svenja Leiber: Nelka
Autorinnenlesung – Moderation: Verena Noll
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte, debütierte 2005 mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land, 2018 Staub und 2021 Kazimira. Svenja Leiber lebt und arbeitet in Berlin und Schleswig-Holstein.
Eintritt: VVK 11,00 €/ erm. 7,00 € (inkl. Gebühren)
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung bücherwurm oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €)
Mi. 22.04. | 19:00 Uhr | Ort folgt
Ozan Zakariya Keskinkılıç: Hundesohn
Autorenlesung – Moderation: Katerina Brausmann
Dies ist eine Liebesgeschichte. Sie spielt im Juni, im Juli, im August in Adana, dreitausend Kilometer weit weg von Berlin. In Berlin lebt Zeko. Hier trifft er Männer in Parks und Cafés, auf Dating-Apps und vor der Moschee. Doch jedes Mal, wenn sich ihre Lippen berühren, reißen ihn die Gedanken zurück zu Hassan, dem Nachbarsjungen in Adana, den Dede, sein Großvater, immer nur „Hundesohn“ nennt.
„In neun Tagen werde ich Hassan wiedersehen“, wiederholt er wie ein Mantra: beim Freitagsgebet, in der Therapiesitzung, im Prinzenbad, beim Mittagessen mit seiner besten Freundin Pari. Aber etwas ist geschehen, als Zeko und Hassan sich das letzte Mal sahen. Etwas, das immer heftiger heraufdrängt, je näher der Tag seiner Abreise kommt.
Ozan Zakariya Keskinkılıç, geboren 1989, studierte Politikwissenschaften in Wien, Berlin und Cambridge. 2022 erschien sein Lyrikdebüt Prinzenbad im Elif Verlag, 2023 das Sachbuch Muslimaniac. Die Karriere eines Feindbildes im Verbrecher Verlag. Seine Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien (u. a. anders bleiben, Rowohlt 2023) veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt. Er war für den Clemens-Brentano-Preis und den Dresdner Lyrikpreis nominiert und wurde mit dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2025 ausgezeichnet. Hundesohn ist sein erster Roman.
Eintritt: VVK 11,00 €/ erm. 7,00 € (inkl. Gebühren)
Tickets im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung bücherwurm oder an der Abendkasse (12,00 €/ erm. 8,00 €)
Di. 28.04. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Eugen Gomringer: Avenidas (1951),
Ingeborg Bachmann: Alle Tage (1952),
Helmut Heißenbüttel: Einfache Sätze (1953).
Eugen Gomringer (1925-2025), bolivianisch-schweizerischer Schriftsteller und Lyriker, begründete die Konkrete Poesie und war langjähriges Mitglied des documenta-Rates. Die Anbringung seines Gedichtes „avenidas“ an der Alice-Solomon-Hochschule 2017 sorgte für eine Kontroverse.
Ingeborg Bachmann (1926-1973) war eine österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin, die als einer der ersten Stimmen der Nachkriegsliteratur feministische Perspektiven einbrachte. Eng verbunden mit der Gruppe 47 starb sie früh an den Folgen von Alkohol- und Tablettenabhängigkeit.
Helmut Heißenbüttel (1921-1996) arbeitete nach Kriegsteilnahme und Verwundung als Lektor, Redakteur, Kritiker und Schriftsteller. Er war Mitglied der Gruppe 47 und kämpfte um den Erhalt der avantgardistischen Lyrik in der Nachkriegszeit.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Mai
Mo. 04.05. | 15:00 Uhr | Treffpunkt: Magnikirchplatz
Auf den Spuren Wilhelm Raabes – Vom Magniviertel ins Krähenfeld
Spaziergang mit Johannes Heinen
„So schönes Wetter, und - ich noch dabei.“ - Dieser kurzweilige Spaziergang folgt den Spuren des Schriftstellers vom Magniviertel ins Krähenfeld. Dabei sollen Raabes Alltag und literarisches Schaffen beispielhaft verdeutlicht werden. Es gibt viel zu erzählen über das Leben dieses virtuosen Realisten mit hintergründigem Humor, dessen Werk bis heute aktuell ist. Wilhelm Raabe (1831-1910) verbringt die letzten vier Jahrzehnte seines Lebens in Braunschweig. Hier entsteht fast die Hälfte seines umfangreichen Werkes.
Der Spaziergang endet mit einem Besuch im Museum des Raabe-Hauses, das im Gebiet des sogenannten Krähenfeldes liegt.
Di. 05.05. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Wilhelm Raabe: Zum wilden Mann
Philosophische Spurensuche in literarischen Texten - Vorgestellt von Johannes Heinen
Wilhelm Raabe veröffentlichte im Jahre 1874 die Erzählung „Zum wilden Mann“, die er rückblickend als eine seiner besten Arbeiten ansah. Im Zentrum dieser Erzählung steht Philipp Kristeller, der seine Apotheke seit dreißig Jahre betreibt und zu diesem Jubiläum Freunde zum abendlichen Umtrunk geladen hat und im Gespräch seinen Lebensweg darlegen möchte. Verspätet erscheint einer seiner Freunde in Begleitung eines geheimnisvollen Fremden, der sich aktiv in die Unterhaltung einbringt, indem er seinen abenteuerlichen, welterfahrenen Werdegang schildert. Völlig gegensätzliche Lebenswege, überraschende Verhaltensweisen und Einstellungen werden in dieser spannungsreichen Erzählung dargelegt, die erschlossen und aus heutiger Sicht beurteilt werden sollen.
Di. 12.05. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Werner Riegel: Grünlicher Himmel (1954),
Karl Krolow: Die Erscheinung (1955),
Rainer Brambach: Poesie (1956).
Werner Riegel (1925-1956) war ein deutscher Lyriker und Essayist. Er arbeitete auch unter den Pseudonymen Scharbock - als Lyriker -, John Frieder, Conrad Kefer und Lothar Leu.
Karl Krolow (1915-1999) war ein deutscher Schriftsteller. Er studierte Germanistik, Romanistik, Kunstgeschichte und Philosophie und gilt als einer der bedeutendsten Lyriker der deutschen Nachkriegsliteratur.
Rainer Brambach (1917-1983) war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller. Nachdem er von der deutschen Wehrmacht desertierte und zurück in die Schweiz ging, entstand ab 1947 sein Werk aus Gedichten und Erzählungen.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten
Mi. 20.05. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Karl Philipp Moritz: Anton Reiser (1785-1790)
Aufbrüche – Umbrüche in der Literatur mit Bernd Passier
In dem ab 1785 erscheinenden „psychologischen Roman“ erzählt Karl Philipp Moritz unter fremdem Namen die Geschichte seiner eigenen Kindheit und Jugend als exemplarische Leidensgeschichte. Dass der Roman auch eine erschütternde Episode rund um Reisers Lehrzeit in Braunschweig enthält, macht ihn aus lokaler Perspektive besonders interessant. Gelesen und besprochen werden Passagen aus dem ersten Teil des Werks.
Goethe sagte von ihm: „er ist wie ein jüngerer Bruder von mir, von derselben Art, nur da vom Schicksal verwahrlost und beschädigt, wo ich begünstigt und vorgezogen bin.“ Das Leben des am 15. September 1756 in Hameln in armseligsten Verhältnissen geborenen Karl Philipp verläuft als kaum unterbrochene Kette von Entbehrungen und Zurücksetzungen: erzwungene Hutmacherlehre als dreizehnjähriger Knabe in Braunschweig, demütigende Erfahrungen als mittelloser Schüler am Hannoverschen Gymnasium, ein abgebrochenes Theologiestudium, schließlich der erfolglose Versuch, sich einer Schauspieltruppe anzuschließen. Seine „Lehr- und Wanderjahre“ machen in erschütternder Weise die Begrenzungen eines empfindsamen und begabten jungen Mannes in der Ständegesellschaft des 18. Jahrhunderts deutlich. Hätte es nicht gelegentlich hilfreiche Förderer gegeben, Moritz wäre der Sprung in eine bürgerliche Existenz wohl kaum gelungen. Nach einer Anstellung als Lehrer am Berliner Gymnasium zum Grauen Kloster (1778), hält Moritz es acht Jahre in vergleichsweise gesicherten Verhältnissen aus. Dann ein erneuter Ausbruch, diesmal nach Italien, wo der abgerissene Fußreisende die Freundschaft und Unterstützung Goethes gewinnt. Erst nach seiner Rückkehr und der Ernennung zum Professor der Theorie der schönen Künste an der königlich-preußischen Akademie der Künste in Berlin (1789) wird Moritz frei von materiellen Sorgen sein: Noch vier Lebensjahre sind dem Lungenkranken beschieden, eine Zeit angestrengten Schreibens, in der er vielfältige Studien zur Mythologie, zur Grammatik und Pädagogik veröffentlicht. Karl Philipp Moritz stirbt am 26. Juni 1793 in Berlin, noch keine 37 Jahre alt.
Wie man angesichts solcher Lebensumstände überhaupt so etwas wie personale Identität ausbilden kann? Man kann den ab 1785 in vier Teilen erscheinenden psychologischen Roman „Anton Reiser“ als Moritz` Versuch lesen, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Am Faden einer minutiösen Erinnerung, die Einheit und Zusammenhang herzustellen versucht, wo sonst „oft nichts als Zwecklosigkeit, abgerißne Fäden, Verwirrung, Nacht und Dunkelheit“ zu sehen sind, schreibt er gewissermaßen seine eigene Pathografie. Dass die schonungslose Selbstanalyse rückblickend keine harmonische Vollendung eines Lebens konstruiert, macht den Fragment gebliebenen Roman auch für heutige Leser und Leserinnen Leser interessant.
Juni
Di. 02.06. | 11:00 Uhr | Raabe-Haus
Ein Jahrhundert Gedichte
mit Helmut Berthold
Die literarische Reise anhand von ausgewählten Gedichten geht weiter mit:
Hans Magnus Enzensberger: april (1957),
Klaus Demus: Über die Mauern zu schauen (1958),
Hilde Domin: Rückzug (1959).
Hans Magnus Enzensberger (1929-2022) verhandelte mit seiner Lyrik tagesaktuelle Themen war widerwillige Orientierungsfigur der Studentenbewegung und der außerparlamentarischen Opposition.
Klaus Demus (1927-2023), war ein österreichischer Kunsthistoriker und Lyriker, der pantheistische Naturlyrik verfasste und mit Paul Celan und Ingeborg Bachmann verkehrte.
Hilde Domin (1909-2006) war eine jüdische Lyrikerin. In den 30ern floh sie erst nach Italien, dann nach Frankreich, Großbritannien und schließlich in die Dominikanische Republik, aus der sie 1954 nach Deutschland zurückkehrte. Diese Odysse prägt das Werk der Lyrikerin, die viel mit freien Versen arbeitete.
Änderungen der Textauswahl vorbehalten