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Persönlichkeitstafeln

Persönlichkeitstafeln für Ernst Böhme und Max Jüdel enthüllt

© Daniela Nielsen

Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Karin Heidemann-Thien, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Braunschweig e.V., haben am 28. Januar 2015 auf dem Grundstück Adolfstraße 52 Persönlichkeitstafeln für den ehemaligen Braunschweiger Oberbürgermeister Ernst Böhme sowie den Mäzen und Industriellen Max Jüdel enthüllt.

Es sind die Persönlichkeitstafeln Nummer 40 und 41. Seit 2006 werden von der Stadt Braunschweig und ihrem Projekt-partner, der Bürgerstiftung Braunschweig, Tafeln in einer einheitlichen Gestaltung an oder vor früheren Wohnhäusern bedeutender Braunschweiger angebracht bzw. aufgestellt. Die Tafeln werden von der Bürgerstiftung finanziert, wenn es keine anderen privaten Stifter gibt. In diesem Fall trägt die Bürgerstiftung die Kosten.

„Ernst Böhme und Max Jüdel haben unsere Stadt in einer Weise geprägt, die es zu ehren gilt“, sagte Oberbürgermeister Markurth. „Die Persönlichkeitstafeln sollen dazu beitragen, dass wir uns weiterhin an diese beiden bedeutenden Braunschweiger erinnern und dass sich Braunschweiger, aber auch Gäste unserer Stadt, näher mit ihrem Leben und Werk beschäftigen.“ Beide hätten in vielfacher Hinsicht Vorbildcharakter: Bei Böhme sei vor allem die aufrechte Haltung im Nationalsozialismus zu nennen, beim Unternehmer Jüdel das vielfältige soziale Engagement, u. a. für in Not geratene Arbeiter.

 

Karin Heidemann-Thien erläuterte das Engagement der Bürgerstiftung für die Persönlichkeitstafeln: „Als Verantwortliche in der Wirtschaft, der Politik und im sozialen Miteinander haben sich beide in einer Vorbild gebender Weise für ihre, für unsere Stadt eingesetzt, und dies insbesondere im Fall Böhmes unter schwersten persönlichen Bedingungen.“

Ernst Böhme

Ernst Böhme entstammte einer Magdeburger Arbeiterfamilie. Er studierte Jura in Göttingen, München, Berlin und Halle. Im Februar 1923 wurde er von der Stadtverwaltung Magdeburg eingestellt. Zwischen 1923 und 1929 arbeitete er für den Magdeburger Magistrat, wo er bis zum Stadtrat aufstieg.

Am 23. November 1929 wurde Böhme von der Braunschweiger Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt. Er war damals der jüngste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt. Als SPD-Mitglied war er 1930 Mitglied des Braunschweigischen Landtages.

Während der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Böhme am 13. März 1933 durch die SA seines Amtes enthoben. Bereits am 23. März wurde er von der SS verhaftet und im Volksfreundehaus misshandelt. Nach seiner Freilassung verließ Böhme Braunschweig und ging, weil aus politischen Gründen seine Zulassung als Rechtsanwalt verweigert wurde, nach Berlin, um Betriebs- und Volkswirtschaftslehre zu studieren. Erst nach der Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppen am 12. April 1945 kehrte Böhme wieder in die Stadt zurück und wurde am 1. Juni 1945 von der US-Militärregierung erneut zu deren Oberbürgermeister bestimmt. Dieses Amt hatte er bis zum 17. Dezember 1948 inne.

Am Tage seines Ausscheidens aus dem Amte wurde ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt Braunschweig verliehen. Am 21. Juli 1968 starb Böhme in Braunschweig und wurde in einem Ehrengrab auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof beigesetzt.

Max Jüdel

Max Jüdel war der Sohn des jüdischen Kaufmanns Salomon Jüdel, der eine Manufaktur- und Modewarenhandlung in Braunschweig führte. Nach dem Schulabschluss trat er in das Textilgeschäft des Vaters ein und leitete es ab 1870.

Im Jahre 1873 gründete er zusammen mit dem Ingenieur Heinrich Büssing als technischem Leiter die auch international tätige Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co. Mit 1.300 Mitarbeitern im Jahre 1908 gehörte das Unternehmen zu den größten Arbeitgebern in Braunschweig.

Jüdel war Braunschweiger Landtagsabgeordneter und gehörte der Stadtverordnetenversammlung an. Er war von 1893 bis zu seinem Tode 1910 Präsident der Handelskammer. Die Technische Hochschule Braunschweig verlieh ihm am 26. November 1909 für seine Leistung als Unternehmer die Ehrendoktorwürde.

Er rief mehrere Stiftungen zur Unterstützung unverschuldet in Not geratener Arbeiter ins Leben und vermachte sein Erbe der Stadt Braunschweig als Grundstock für die „Max-Jüdel-Stiftung“, deren Zinsertrag für soziale Zwecke eingesetzt wurde. Sein soziales Engagement als Unternehmer war im höchsten Maße beispielhaft in seiner Zeit.

Die ehemalige Villa hier in der Adolfstraße 52, die Constantin Uhde entworfen und Jüdel erst 1904 erworben hatte, vererbte er der Stadt als Wohnsitz für den jeweiligen Oberbürgermeister. In der Jüdel-Villa wohnten die Oberbürgermeister Retemeyer, Trautmann und Ernst Böhme. Jüdel hat mit dieser Geste seine tiefe Verbundenheit zu Braunschweig dokumentiert. Es war eine besondere Verletzung dieser Verbundenheit, dass die Jüdelsche Villa in der Zeit des Nationalsozialismus von NS-Organisationen genutzt worden ist. Das Architekturdenkmal ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Hintergrund

Die Erinnerungstafeln sind prominenten Persönlichkeiten gewidmet, die einen engen Bezug zu Braunschweig aufweisen. Sie sind entweder in Braunschweig geboren oder haben einen wesentlichen Teil ihres Lebens hier verbracht. Mit ihrem Wirken haben sie die Stadt nachhaltig geprägt. Sie repräsentieren die unterschiedlichsten gesellschaftlichen und beruflichen Sparten wie Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Politik, Sport u. v. m.

Im gesamten Stadtgebiet werden so bedeutende Persönlichkeiten wieder in das Bewusstsein der Braunschweiger und der von auswärts Anreisenden gerückt. In der internationalen Kulturinformationsfarbe ‚braun’ signalisieren die Tafeln Bürgern und Besuchern der Stadt Braunschweig, dass es darauf Wissenswertes zu Baudenkmalen und zu Persönlichkeiten zu entdecken gibt. Die Tafeln sollen Interesse wecken, sich näher mit Leben und Werk dieser früheren Nachbarn zu beschäftigen und auf diesem Weg mehr über die Geschichte Braunschweigs und der Menschen, die Teil dieser Geschichte sind, zu erfahren.

Mehr Informationen unter: http://www.braunschweig.de/blik