Symposium am 18.11.2025
„Über die Schönheit unserer Stadt – Gestalt- und Lebensqualität in Braunschweig
Ort: St. Martini

Publikum des Symposiums© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen

Die 5. Sitzung des Gestaltungsbeirat hatte ein besonderes Format. Politik, Verwaltung, Fachleute und die Stadtöffentlichkeit waren eingeladen zum Kennenlernen des Gestaltungsbeirats und zum öffentlichen Dialog über Potentiale und Stärken der Stadt. Mehr als 200 Personen folgten der Einladung in die Räume von St. Martini, wo Stadtbaurat a. D. Heinz-Georg Leuer die Frage stellte: „Warum ist es wichtig, in einen positiven Dialog über die Stadt Braunschweig einzusteigen?“ Um an den Schwachpunkten konstruktiv zu arbeiten, muss man sich der Qualitäten bewusst sein und wissen, was Braunschweig auszeichnet, so seine These. Und für eine Stadt, in der die Menschen gerne leben, gehe es auch um Gestaltungsfragen 

 

Prof. Christa Reicher aus Aachen, Vorsitzende des Beirats und Vertreterin des Fachgebiets Stadtplanung gibt zunächst den Hinweis, dass ein Gestaltungbeirat kein Garant für Qualität ist, Gestaltungsbeiräte aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Attraktivität einer Stadt kurz- und langfristig gesteigert wird. Unter dem Titel „Wissen schafft Stadt“ stellt ihr Vortrag den großen Vorzug der Hochschulen für die Stadt heraus. „Hochschulen als Teil der städtischen Öffentlichkeit verfügen über Gestaltungsmacht“, erklärt sie. Die positiven Beispiele des Studierendenhauses der TU Braunschweig, das deutschlandweit für Furore sorgt, und des Projekts Co_Living_Campus zeigen dies eindrücklich. 

 

Für das Fachgebiet Landschaftsarchitektur nimmt Prof. Ariane Röntz aus Berlin das Publikum mit auf ihren „field trip“ durch Braunschweig an einem heißen Tag im September mit dem Ziel, Potenziale zu entdecken. Das unmittelbare Nebeneinander von urbaner, dichter, historischer Stadt und den unmittelbar anschließenden herausragenden Freiräumen der Okerumflut und der Wallpromenadenring zeichnet nach ihrer Auffassung Braunschweig aus. Sie spricht über die 5-Minuten Fahrradstadt und die 15-Minuten-Fußgängerstadt als große Qualitäten und die Freiraumstrukturen, die Braunschweigs Innenstadt prägen – räumlich, klimatisch, ökologisch. Konkret benennt sie hier ungenutzte Potentiale – Wege ans Wasser und Aufenthaltsorte mit Blick auf die Oker – und schlägt vor mit Infrastrukturprojekten zum Schutz vor Hochwasser und Starkregen gleichzeitig in Gestalt- und Nutzungsqualität zu investieren.

 

Prof. Dan Schürch aus Zürich, der auch Hochschullehrer an der TU Braunschweig ist, vertritt das Fachgebiet Architektur. In einem „Plädoyer für eine Renaissance des Schönen“ beschäftigt er sich mit dem Wert, den die Ästhetik für das Leben der Menschen hat. „Wichtig für eine gute Gestaltung ist eine emotionale Komponente. Nur was uns berührt, wird auch als schön empfunden“, sagt er. Gut gestaltete Gebäude sind nachhaltiger, weil sie lange erhalten bleiben und nicht nach wenigen Jahren wieder abgebrochen werden. 

 

Der Beitrag von Prof. Dr. Tanja Remke aus Barsinghausen für den neuen Schwerpunkt Ressourcenschonendes Bauen hinterfragt das Streben nach Perfektion, das bisher vielfach mit herausragender Architektur verbunden war. „Ist Perfektion richtig und Imperfektion falsch?“, fragt sie vor dem Hintergrund einer Notwendigkeit des klimaverträglichen, ressourcen- und kosteneffizienten Bauens und öffnet die Augen für die Chancen des nicht fertig, improvisierten, prozesshaften „Wir können uns Perfektion nicht mehr leisten, sagt sie und erläutert am Beispiel des ehemaligen Kaufhauses am Bohlweg das Wertschätzen eines Bestands, der sich verändert und weitergebaut wird.

© Stadt Braunschweig, Stadtbild und Denkmalpflege

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