Gesundheitspflege im Quartier (GepfleQt) – Prävention, Koordination, Case Management
Ein Projekt der Gesundheitsregion Braunschweig
Das von der Gesundheitsregion Niedersachsen (Öffnet in einem neuen Tab) geförderte Projekt implementiert ein quartiersorientiertes, zugehend, leistungserschließend und vernetzend ausgerichtetes, an der Idee der Gemeindeschwester orientiertes Angebot der Gesundheitspflege. Zwei erfahrene Pflegefachpersonen mit Zusatzqualifikation (B.A. Pflege/Pflegemanagement, Case Management, Nurse Practitioner, Advanced Practice Nursing, Public Health, Soziale Arbeit oder vergleichbarer Weiterbildung oder vergleichbar) erbringen präventive, beratende und pflegerische Leistungen. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem dezidierten pflegerischen Case Management in Fällen, in denen bislang keine oder unzureichende Hilfe oder Pflege eingebunden ist. Die primäre Zielgruppe sind Menschen ohne tragfähige familiäre oder soziale Unterstützung und Mitglieder benachteiligter, in ihrer Teilhabe eingeschränkter Gruppen.
Mit dem Projekt wird ein selbstständiger Karriereweg mit erweiterten Zuständigkeiten, Angeboten und Handlungsfeldern für erfahrene Pflegefachpersonen verankert. Die nachhaltige Refinanzierung erfolgt weitestgehend über die Abrechnungspfade der Kranken- und Pflegeversicherung und wird in den zwei Modellquartieren (1) Lehndorf-Watenbüttel (Stadtbezirk 321) und (2) Nördliche Schunter-/anteilig Okeraue und Nordstadt-Schunteraue (Stadtbezirke 322/ant.330) erprobt.
Hintergrund
Die Alterung der Gesellschaft führt zu einer wachsenden Zahl von Menschen mit hohem Risiko für Pflegebedürftigkeit, Unterversorgung und Einsamkeit. Zudem sind bei vielen Nutzer:innen des Versorgungssystems die notwendigen Gesundheits- und Gesundheitssystemkompetenzen nicht ausreichend ausgeprägt. Internetgestützte Kommunikation, Telemedizin und Antragsverfahren können zusätzliche Barrieren sein. Unterstützende familiäre oder soziale Netze sind häufig ausgedünnt, nicht vorhanden oder ebenfalls von den bürokratischen Hürden des Versorgungssystems überfordert. In der Folge gelangen Betroffene zu spät oder nur im Kontext akuter Krisen ins Hilfesystem. Prävention und die frühe Inanspruchnahme von Beratung und Hilfe können die Entwicklung bremsen.
Vorgehen
Vom Projekt begleitet werden die GepfleQt-Pflegefachpersonen als Freiberufler:innen tätig und sind von Verwaltungsaufgaben befreit (Dokumentation, Abrechnung, Verträge). Ihre präventiven Angebote werden im öffentlichen Raum als Präventionskurse gemäß § 20 SGB V, individuelle pflegerische und Leistungen des Case Management hingegen über Einzel- und Dienstleistungsverträge im Rückgriff auf die §§ 7a, 37, 39, 45b, 77 SGB XI oder als Privatleistung in der Häuslichkeit der Patient:innen erbracht. Die Pflegekräfte gehen auf andere Versorger und etablierte Akteure zu, beteiligen sich an Netzwerken, reagieren auf Hinweise und sind an Begegnungsorten des Quartiers präsent. Auf diese Weise wird das Angebot bekannt und wächst der Klient:innenstamm.
Das Projekt startet am 01.06.2026 und endet am 31.12.2027 und ist von Beginn an auf die Verstetigung und den anschließenden Ausbau der Kapazitäten ausgelegt. Eine Verdienstausfallkompensation in den ersten sechs Monaten, die Sachkosten für einmalige Investitionen und Entgelte für die Netzwerkarbeit werden über Projektmittel finanziert. Kosten für Beiträge für die Berufshaftpflichtversicherung und Berufsgenossenschaft werden im ersten Jahr vom Projekt getragen, im Anschluss an die Initialphase von den GepfleQt-Pflegefachpersonen selbst erwirtschaftet und bestritten.

