Hamburger Straße 297 - Mühlenpfordtstraße 11

© Linke Karte: "Historischer Atlas der Stadt Braunschweig", Braunschweig, Bauverwaltung 1958-71, Ausschnitt aus Blatt 1.143 Trümmerplan 1945. Rechte Karte: Stadt Braunschweig - Open GeoData, 2025: Ausschnitt aus dem Stadtplan 1 : 20.000 der Stadt Braunschweig

Am 14.05.1903 wurde die Genehmigung zum Bau eines Drillingshauses an der Ecke Hamburger Straße 51 (heute Mühlenpfordtstraße), Rebenstraße 29 und 30 (heute Rebenring) erteilt. Dafür wurden die auf diesem Grundstück bereits vorhandenen Gebäude des Stellmachers Christian Brandes abgerissen.

Bauherr war das Baugeschäft Aug. Dorl & Fr. Friedrich, Mauermeister, Oststraße 6. Als ausführender Architekt unterschrieb August Böller (von Staats und Böller).

Relief über dem Eingang des Eckgeschäfts, Hamburger Straße 297, im Vergleich mit Laffertstraße 10 und Altewiekring 19 b© oben: Ausschnitt aus einem Foto von 1912, Fotograf unbekannt, Sammlung Privat / Mitte und unten: Fotos Manuela Wenderoth

Gebaut in der Zeit des Jugendstils hatte dieses Haus über dem Eingang zum Eckgeschäft zweimal das gleiche Relief mit zwei Eulen, einem Hahn und einem Fuchs.
Dies bezog sich vermutlich auf die Fabel von La Fontaine, in welcher der Fuchs versucht den Hahn (erhöht sitzend) zum Runterkommen zu bewegen um ihn fressen zu können. Der Hahn ihn aber austrickst in dem er meint, er würde warten bis die Hunde da wären (die Eulen stehen in dieser Darstellung offensichtlich als Symbol für seine Klugheit).

Am Haus Laffertstraße 10 (Ecke zur Juliusstraße) wie auch Altewiekring 19 b (vermutlich ursprünglich auch an 19 a) befinden sich noch heute ähnliche Reliefs. Für Altewiekring 19 a und b waren ebenfalls die Architekten Böller & Staats verantwortlich.

Für Laffertstraße 10 war dies der Bauherr, der Bauunternehmer Ernst Diederich. Ob und wo es hier eine Verbindung zu Böller & Staats gab, lies sich nicht ermitteln. Aber vielleicht (gab)/gibt es in Braunschweig noch weitere Häuser mit diesem Relief?

Als Eigentümer von Hamburger Straße 297 werden genannt: 1905 der Kaufmann Otto Schaare, 1906 - 1920 der Materialwarenhändler Heinrich Heine, 1921 und 1922 der Ingenieur Bruno Tiesler, 1923 die Ehefrau des Malers Lange und von 1936 bis 1960 der Keller (ab 1938 "Kellner in USA") Rudolf Hampel. Bis zum Abriß 1966 gehörte es danach der Stadt Braunschweig.

Im Erdgeschoß hatte von 1912 bis 1942 (1945?) Friedrich Lübbecke seinen Barbier- und Friseurladen. Und im Eckgeschäft befand sich: 1906 - 1910 die Materialwarenhandlung von Heinrich Heine, 1911 und 1912 die Zigarren- u. Tabakhandlungen von Gustav Giesecke, welche 1912 von Ernst Kale als Kolonialarenhandlung übernommen wurde. Ab 1914 war es wieder eine Materialwarenhandlung, diesmal von Christian Spittler, 1917 Christian Giese, 1918 Wittwe Anna Lecke und 1923 Frida Anstein.

Am 26.06.1926 zieht Fräulein Selma Senff mit ihrer 1913 in der Gliesmaroder Straße 126 eröffneten Haus- und Küchengerätehandlung in das Eckgeschäft ein. (1927 änderte sich die Hausnummer von 51 zu 297.)
Um 1930 der Enteignung zu entgehen, überschreibt sie es Proforma an ihren Neffen, den Kaufmann Otto Lippert. Und mit Beginn vom 20.04.1931 an meldet ihre Schwester Marie Fuß (verheiratet mit dem Gärtner Franz Fuß) in Zossen bei Berlin formal das Gewerbe für "Haus- und Küchengeräte pp." in der Hamburger Straße 297 an.
Trotzdem muß Selma Senff am 31.03.1933 ihre Schlüssel aushändigen und darf auch ihre Wohnung nicht mehr betreten.

Die Familie Fuß verkaufte das Geschäft an Eduard Junga, der bis dahin eine Schreibwarenhandlung in der Rebenstraße 3 a (heute Rebenring 15) hatte. Am 09.05.1933 übernahm er den Handel mit Haushalts- und Küchengeräten in der Hamburger Straße 297. 1955 eröffnet er eine Filiale am Nibelungenplatz 8 und 1959 zog er nach schräg gegenüber, Rebenring 8 (ehemals Hamburger Straße 295).

1946 wurde dieser Abschnitt der Hamburger Straße in Mühlenpfordtstraße umbenannt und das Haus erhielt die Nummer 11.

Und im Friseurladen war nach dem Krieg Otto Bönig mit einer Süßwarenhandlung, bis das Haus im August 1966 abgerissen wurde. Heute verläuft die stadtauswärts führende Straßenspur und der Rebenring mitten durch das ehemalige Wohnhaus.

© Stadtarchiv Braunschweig H XVI A VIII Mühlenpfordtstraße, Format 1 (Aufnahme: Karl Traupe, April 1966) und Foto Manuela Wenderoth 2026

Im April 1966 sind die beiden Häuser am Rebenring, die zum Drillingshaus gehörten, bereits abgerissen. Die Mühlenpfordtstraße 11 und 12 (bis 1945 Hamburger Straße 297 und 298) mit Blick nach links in den Rebenring sollten im August 1966 folgen.

Zum Vergleich: Rebenring Ecke Mühlenpfordtstraße 2026.


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© Manuela Wenderoth

Verwendete Quellen:
Adreßbücher der Stadt Braunschweig
Stadtarchiv Braunschweig D II 5 : 66, E 63 II M 156a + 156b und H XVI A VIII Mühlenpfordtstraße F1
Bauaktenarchiv der Stadt Braunschweig die Bauakte Laffertstraße 10 und Altewiekring 19 a und b
Foto mit Relief Hamburger Straße 297: unbekannter Fotograf, Sammlung: Privat
www.stolpersteine-fuer-braunschweig.de/senff-selma-3

Stand: 16.07.2026


Bildnachweise

  • Linke Karte: "Historischer Atlas der Stadt Braunschweig", Braunschweig, Bauverwaltung 1958-71, Ausschnitt aus Blatt 1.143 Trümmerplan 1945. Rechte Karte: Stadt Braunschweig - Open GeoData, 2025: Ausschnitt aus dem Stadtplan 1 : 20.000 der Stadt Braunschweig
  • oben: Ausschnitt aus einem Foto von 1912, Fotograf unbekannt, Sammlung Privat / Mitte und unten: Fotos Manuela Wenderoth
  • Stadtarchiv Braunschweig H XVI A VIII Mühlenpfordtstraße, Format 1 (Aufnahme: Karl Traupe, April 1966) und Foto Manuela Wenderoth 2026

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