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Wirken des Landwehrvereins

Wirken des Timmerlah Landwehr Vereins im Dorf

Bereits drei Jahre nach der Gründung (1883) wird der Verein möglicherweise an der bisher größten Feier der evangelischen Kirche angemessen teilgenommen haben, dem 400-jährigen Geburtstag von Martin Luther.

© http://stores.ebay.de/ostharzantik-militaria?_dmd=2&_nkw=1883+BraunschweigOrden des Braunschweiger Landwehr Verbandes 1883

Hierzu entstand auch der Gedenkorden "Krieger u. Landwehrverein Braunschweig" von 1883.

Unser Chronist Friedrich Wilhelm Cramm wurde ab 1912 der langjährige 1.Vorsitzende des Timmerlah Landwehr Vereins und war 1915-1917 als Landsturmmann im 1.Weltkrieg.

Das Datum 16.-19.10.1913 war für die Menschen und insbesondere die Veteranen ein bedeutendes Datum. Der Landwehrverein Timmerlah, alle Landwehren Braunschweig, das ganze Volk feierte die 100 jährige Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig, die Entscheidungsschlacht der Befreíungskriege. Das Bild zeigt die Abnahme der Parade am Brink durch die Honoratioren.

Von rechts nach links im Bild zunächst die Abordnung des Landwehrvereins Timmerlah, dann in der Bildmitte die Feuerleute und weiter rechts vermutlich Landfrauen usw.

© Heimatpfleger Bernd AumannOKt.1913 zur 100jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht Leipzig

Von dort ging die Festgemeinschaft in Richtung Kirche.

© Heimatpfleger Bernd AumannOKt.1913 zur 100jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht Leipzig

Die Menschen drängten sich in der Kirche und auf dem "(...) Platz vor der Kirche, wo die Gemeinde in dankbarer Erinnerung an die Grosstaten unserer Väter zusammenstand und gelobte, es den Ahnen gleich zu tun, wenn Not an den Mann käme.

In schwarzen Uniformen stand ehemalige soldatische Jugend am Altar und unter dem Kruzifix sah man das Bild : Gold gab ich für Eisen. Tannengrün und Eichenlaub zierten Emporen und Säulen, die Fahnen aller Vereine schmückten den Chor, Lichterglanz funkelte durch den Raum, der voll war von einer so grossen und andächtigen Menge, wie sie Timmerlah wohl noch nicht gesehen hatte.

Draussen schufen Masten, Guirlanden und Fahnen ein festliches Kleid. Dort fand nach dem Fest- und Dankgottesdienst noch eine Feier statt, bei der Herr Lehrer Vollmer die Festrede hielt und am Schlusse die in die Kirchenwand eingelassene Tafel enthüllte, auf der zu lesen steht :1"

1ebenda S.36f

© Foto Heimatpfleger Bernd AumannGedenktafel an der Kirche 100 Jahre Leipziger Völkerschlacht

Die Idee zu den Zeilen und zur Pflanzung der 13 Linden stammte von F.W.Cramm.1

1vgl. ebenda

© Foto Dieter HeitefussKirche von oben mit 13 Linden

Seiner Chronik haben wir es zu verdanken, weitere Einblicke in das "Landwehr-Leben" der damaligen Zeit zu bekommen:

Der Vater von Frau Geismar aus Ass.55 "hatte bei den 92-ern gedient und den 70-er Krieg mitgemacht. Gern erinnerte er sich seines Friedens- und Kriegsdienstes und gehörte zu denen, welchem Gehorsam und Unterordnung als erstes Gebot - auch für Familie und Staat, galt. Lange Jahre hörte er dem Vorstande des Landwehr-Vereins an."

Deren Sohn Fritz "diente bei dem 5.Garde Regiment, Königın Elisabeth, in Spandau - Charlottenburg und war im Weltkriege zuletzt auch noch an der Front, u.a. auf dem italienischen Kriegsschauplatze. Wie sein Vater hat auch er ein reges Interesse für das alte Heer und das Kriegervereins-Wesen - heute um so notwendiger, da die alte Truppe allmählich ausstirbt und der Geist der Wehrhaftigkeit im Volke erhalten bleiben muss, um das deutsche Volk wieder zu alter Grösse zu bringen und die Schmach des Versailler-Diktate vergessen zu machen und auszulöschen."1

In Ass.58 wohnte H.Behrens. "Er betreibt darin, zusammen mit seinem bis heute unverheirateten Sohn Fritz ein Käsereigeschäft, das er seinerzeit von Johann Gröper übernommen hatte." (...)

"Beide Mannsleute sind Soldat gewesen, der Senior bei den 92-ern, der Sohn bei den 17.Husaren.

Den Krieg hat der letzte von Anfang bis zu Ende mitgemacht. Eine besondere Freude gab es am 9.November 1928 in der kleinen Familie - da konnte das alte Ehepaar die goldene Hochzeit feiern, wo unter den Gratulanten auch der Landwehr Verein nicht fehlte, dem Vater und Sohn stets treue Mitglieder waren."2

"Haus No.66. Fritz Klages, geb. l849, ein Bruder von Zimmermeister Klages (No.2)

„Spektakel" genannt, kaufte diesen Platz, auf dem ein baufälliges Häuschen gestanden, das zum Meier`schen Höfe gehörte. Er riss das Haus ab und baute neu - ein Mehrfamilienhaus. Vor Jahren zogen sie - seine Frau ist die Schwester von Ludwig Pape (No.77) - nach Braunschweig zu ihrem Sohne, der auf dem Madamenwege eine gutgehende Bäckerei hat. Dort starb Klages, und wir vom Landwehr-Verein haben ihm auf dem Hauptfriedhofe die letzte Ehre erwiesen."3

Haus No.5l. (Ohlenhofstr. rechts neben Liem?! Oder oben am Heideweg fast neben Husung?)

"Wie schon vorher erwähnt hatte Ludwig Langemann, geb.l8l3, das Haus gebaut. Er hatte keine Kinder und nahm seinen Bruder Johann Heinrich Andreas als Mietsmann zu sich. Dessen ältester Sohn Heinrich wurde später Besitzer (geb. 1849). " (...) "Von seinen 3 Söhnen war der mittlere, Richard, auf Cramms Hofe ein Jahr vor dem Kriege Grossknecht geworden. Er musste gleich am ersten Mobi1machungstage fort, kam zum Reserve Infanterie Regiment No.4l in Königsberg und ist schon im ersten Kriegsjahre in Russland gefallen.

Die Erinnerung an ihn wird wachgehalten durch einen Sohn, der seinen Namen hat." (...) "Der alte Langemann, Veteran von 1870/7l, heute über die Achtzig, krumm von der Last der Jahre, ist noch immer in Umgang und Arbeit. Wer in das freundlich Auge des Alten sieht, sieht ihm das Alter nicht an. Er ist im Herzen jung geblieben, weil ihm sein ganzes Leben eine gute Dosis Phlegma beschert war. Er gehört zu den Treuesten im Landwehr-Verein und geht keine Veranstaltung vorüber, an der er nicht teilgenommen. Bei Tanzereien versucht er ab und an sogar manchmal einen Walzer."4

Haus No.37. Friedrich Willkens Ohlenhofstr. Tischlerei rechts!

"Tischlerei wird hier schon in der 3.Generation betrieben. Der Grossvater des jetzigen Besitzers war der Erbauer, war Brinksitzerssohn aus Bodenstedt und ehelichte 1828 die Witwe des Tischlermeísters Friedrich Schipper. Übergab seinem jüngsten Sohne Ferdinand, geb.1837, das Ge-

schäft, der mit Ilse Jacobine Meier aus Broitzem verheiratet war. Der Storch war hier oft zu Gaste, ll Mal. 4 Söhne wurden Tischler. " (...)

"Einer der 4 Tischler „kapitulierte" und war zuletzt als Vizewachtmeister beim Artillerie Regiment 65 in Ludwigsburg in Württemberg."(...) "Der alte Ferdinand Willkens war auch Soldat gewesen. Als die alten Leute mal Goldene Hochzeit feierten, l9l4, überreichten wir vom Landwehr-Verein ein Paar Ruhesessel."5

1F.W.Cramm Ass.55

2ebenda

3ebenda

4ebenda, S.44f

5ebenda, S.46