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Gedenkstättenkonzept

Braunschweiger Wege zu einem Vernetzten Gedächtnis
"Das Gedächtnis ist gleichsam als eine Vorrathskammer zu betrachten, in welcher die Vorstellungen zwar nicht in voller Klarheit anwesend,
aber doch auch nicht völlig abwesend, sondern in einem mehr oder weniger verdunkelten Zwischenzustand sind, aber wieder erhellt werden können.
Mangelt ihnen letztere Eigenschaft, so heißen sie vergessene."
(Meyers Konversations-Lexikon, 1876)

Das "Gedenkstättenkonzept": Ein Konzept gegen das Vergessen

In dem Bemühen, sich der nationalsozialistischen Vergangenheit bewusst zu stellen, hat die Stadt Braunschweig ein "Konzept zur Planung, Errichtung und Gestaltung städtischer Erinnerungsstätten zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" entwickelt. Dieses Konzept formuliert Leitgedanken, anhand derer die Arbeit an der Erinnerung in der Stadt Braunschweig in den kommenden Jahren gestaltet werden soll, und skizziert verschiedene mittelfristig angelegte Projekte.

Wichtige Impulse für die Erarbeitung des "Gedenkstättenkonzeptes" waren das Projekt "Braunschweig - Eine Stadt in Deutschland erinnert sich", das von der Künstlerin Sigrid Sigurdsson von 1996 bis 1998 gemeinsam mit dem Kulturinstitut der Stadt Braunschweig durchgeführt wurde, sowie die Entscheidung des damaligen Oberstadtdirektors Dr. Jürgen Bräcklein im Jahr 1998, sich dieser Thematik zukünftig verstärkt zu widmen. Unter Federführung der Verwaltung wurden in einer Arbeitsgruppe, an der engagierte Einzelpersonen, Denkmal- und Heimatpfleger, Wissenschaftler und fachkundige Dritte beteiligt waren, Überlegungen zum kommunalen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit angestellt. Basis der konzeptionellen Arbeit war ein Rückblick auf den bisherigen Umgang mit diesem Thema, der deutlich machte, dass Erinnerungen in ihrer Bedeutung nicht starr und eindeutig sind, sondern immer wieder im Licht der jeweils gegenwärtigen Situation neu interpretiert werden. Eine für das "Gedenkstättenkonzept" erstellte Chronologie der Erinnerungen zeigt, welche Formen der Trauer- und Gedächtnisarbeit in Braunschweig seit 1945 entstanden sind.

Da sich die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus immer weniger an den konkreten Erfahrungen von Zeitzeugen orientieren kann, stellt die Suche nach neuen Formen des Erinnerns die einzige Möglichkeit dar, das Geschehen langfristig dem Vergessen zu entreißen. Kommenden Generationen sollen Anstöße gegeben werden, in der aktiven Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ein eigenständiges, differenziertes Geschichtsbild und eine bewusste Haltung zur Demokratie zu entwickeln.

Für Braunschweig bedeutet dies vor allem, an möglichst vielen, scheinbar alltäglichen Orten der Stadt darauf hinzuweisen, welche Gefahren einer Gesellschaft aus der Verletzung von Demokratie und Menschenrechten erwachsen können. Wichtiger Bestandteil des "Gedenkstättenkonzeptes" ist daher eine umfangreiche topografische Bestandsaufnahme der Orte des Erinnerns, die die Ausgangspunkte der Auseinandersetzung mit dem Gewesenen darstellen. Durch die Kennzeichnung dieser Orte, die Dokumentation ihrer Geschichte(n) sowie die Einrichtung von Erinnerungsstätten soll Gedenken und Trauern, Nachdenken und Erinnern, Forschen und Lernen ermöglicht werden.

Forschung und Erinnerung

Voraussetzung einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Orten des Geschehens ist das präzise Wissen um deren Geschichte. In vielen Fällen aber sind die historischen Fakten bisher kaum bekannt. Forschungen zu initiieren und aufzugreifen ist daher ein weiterer Schwerpunkt der kommunalen Erinnerungsarbeit in Braunschweig

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