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Gleichstellungsreferat

Das Gleichstellungsreferat der Stadt Braunschweig gibt es seit 1987. Seit dieser Zeit setzen sich die Gleichstellungsbeauftragte und die dort beschäftigten Mitarbeiterinnen für die Belange von Frauen ein, damit das verfassungsrechtliche Gleichheitsgebot eingehalten wird. Was machen wir im Einzelnen? Sind Sie neugierig geworden? Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche Informationen zu unseren Aktivitäten.

Braucht Braunschweig einen Männerbeauftragten?

Im Sozialausschuss der Stadt Braunschweig stellte die FDP-Fraktion den Antrag, einen Männerbeauftragten für Braunschweig im Gleichstellungsreferat einzurichten. 

Dies habe ich abgelehnt. In Niedersachsen bezieht sich der Arbeitsauftrag der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten auf beide Geschlechter, sofern eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts vorliegt. Der konkrete Arbeitsauftrag steht in der niedersächsischen Kommunalverfassung: „Die Gleichstellungsbeauftragte soll dazu beitragen, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu verwirklichen. Sie wirkt (…) an allen Vorhaben, Entscheidungen, Programmen und Maßnahmen mit, die Auswirkungen auf die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Anerkennung der gleichwertigen Stellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft haben.“

Grundlage dafür ist Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Zum Abbau der bestehenden Nachteile zielen die Maßnahmen, die die Gleichstellungsbeauftragte anregt deshalb auf strukturelle Benachteiligungen ab. 

Strukturelle Diskriminierung - Was ist damit gemeint? 

Es geht dabei nicht um eine rein zahlenmäßige Gleichstellung von Männern und Frauen, beispielsweise in den technischen oder pflegerischen Berufen, sondern um die Beseitigung struktureller Diskriminierung. Dies äußert sich z. B. darin, dass in der Pflege max. 20 Prozent Männer arbeiten, ihr Anteil in den Leitungspositionen in der Regel aber mindestens 50 Prozent oder mehr beträgt. In technischen Berufen dagegen arbeiten rund 20 Prozent Frauen; ihr Anteil in den Leitungspositionen beträgt in der Regel aber höchstens 10-15 Prozent oder weniger. Dies zeigt: Frauen werden beim beruflichen Aufstieg aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt. Deshalb zielen verschiedene Maßnahmen in der Gleichstellungsarbeit auf die strukturelle Benachteiligung von Frauen in Führungspositionen ab.

Ein größeres Engagement von Männern für Hausarbeit, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen würde der Gleichstellung insgesamt nützen. Dann könnten Frauen mehr arbeiten und Männer weniger, beide wären über eine eigene Rente abgesichert. Um Männer hier zu unterstützen, hat die Gleichstellungsbeauftragte 2018 einen Ansprechpartner zum Thema Erziehungszeiten analog dem „Väterbeauftragten“ des Klinikums für das Personalentwicklungskonzept der Stadtverwaltung angeregt. Bisher nehmen Frauen für ihren Einsatz innerhalb der Familie deutliche Karriere- und Verdienstnachteile in Kauf, was zu langfristiger Frauenarmut im Alter führt. 

Die Gleichstellungsbeauftragte kann anregen und hinweisen, Gleichstellung ist jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für deren Umsetzung alle die Verantwortung tragen.

Männer sollen mehr in die Gleichstellungspolitik einbezogen werden; das hat die ehemalige Familienministerin Franziska Giffey als Ziel ausgegeben. Es ging Giffey um eine partnerschaftliche Gleichstellungspolitik, bei der Männer ihren Anteil übernehmen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen.

Dies sei am Beispiel Gewalt verdeutlicht: Wie Untersuchungen zeigen, verhindern Zuschreibungen und Geschlechterklischees, dass Männer sich als Opfer von Gewalt äußern bzw. dann auch von anderen ernst genommen und als Betroffene anerkannt werden. Männer machen insgesamt den größten Teil der Opfer im Gewaltkontext aus (70,3%). Dabei werden Männer, insbesondere jüngere Männer, tatsächlich häufiger Opfer von körperlicher Gewalt im öffentlichen Raum. Hier ist ein männlicher Ansprechpartner in der Beratung sinnvoll. Ganz anders ist die Aufteilung im Fall von Partnerschaftsgewalt: 26.889 männlich Betroffene und 114.903 weiblich Betroffene im Jahr 2019. Allerdings: Sowohl Frauen als auch Männer werden weit überwiegend Opfer von Gewalt durch männliche Täter.

Es genügt nicht, wenn nur Frauen ihr Rollenbild verändern, auch Männer müssen bereit sein, an Rollenbildern und den vorhandenen Machtstrukturen zu arbeiten. Dazu regt die Gleichstellungsbeauftragte regelmäßig Präventionsprojekte an (z. B. Rosenstraße 76).

Sinnvoll sind Ansprechpartner für Männer in einzelnen Projekten oder Beratungsstellen. Die Notwendigkeit für einen Männerbeauftragten für Braunschweig besteht nicht, da Männer nicht strukturell aufgrund Ihres Geschlechts benachteiligt werden.

Internationaler Frauentag 2021: Keinen Schritt zurück!

© Walter AltstädtKundgebung am 8. März 2021 auf dem Schlossplatz

Wer übernimmt die Sorgearbeit im Team? - Equal-Care-Day am 1. März

© klische*esc e. V.

Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen – Frauen in Deutschland arbeiten pro Tag im Schnitt viereinhalb Stunden, ohne dass sie dafür bezahlt werden. Denn Care- oder Fürsorgearbeit ist immer noch überwiegend Frauensache, überall auf der Welt. Einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge verrichten Frauen weltweit etwa viermal mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Der Zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung berechnet einen Gender Care Gap von 52,4 Prozent. Laut diesem Gutachten leisten Frauen vier Stunden und 13 Minuten pro Tag, Männer zwei Stunden und 46 Minuten. Dieser Bericht bezieht alle Tätigkeiten in Haus und Garten ein. Sogar ehrenamtliches Engagement wird erfasst, ebenso wie Fahrtzeiten. Es gibt unterschiedliche Zahlen – aber immer die gleiche Aussage: Die Verteilung ist ungleich.

Viele Frauen (und Männer) finden das ungerecht und wollen eine gleichere Verteilung zwischen den Geschlechtern. Denn dass Frauen die Hauptlast der unbezahlten Arbeiten leisten, hat viele negative Folgen. Für den Arbeitsmarkt, wo Frauen als Arbeitskräfte fehlen, weil sie sich um Haushalt und Familie kümmern müssen. Für die Absicherung im Alter, denn wenn Frauen nicht oder reduziert erwerbstätig sind, haben sie auch geringere Rentenansprüche. Und sogar für die Zufriedenheit innerhalb der Partnerschaft, schließlich macht die ungleiche Verteilung Männer wie Frauen unzufrieden.

Rollenverhalten am Arbeitsplatz?

Wenn wir über Care-Arbeit  oder Sorgearbeit sprechen meinen wir meist Kindererziehung, Pflege oder Hausarbeit im Privaten. Aber legen wir dieses Rollenverhalten in der Arbeit ab? Wie ist es am Arbeitsplatz? Gibt es auch hier Personen, die Verantwortung übernehmen für die unsichtbaren oder wenig wertgeschätzten Arbeiten, die sonst liegenbleiben, weil sie in niemandes Arbeitsplatzbeschreibung auftauchen? Wer wirft altes Zeug aus dem Kühlschrank in den Mülleimer? Wer bietet Kaffee oder Tee an? Wer denkt und erinnert an Geburtstage?....

Wenig überraschend: Oft sind es die immer gleichen Personen, die diese Aufgaben dann übernehmen, und so auf unsichtbare Weise dazu beitragen, dass sich andere wohlfühlen, dass das Team arbeitsfähig ist und der Laden läuft. 

Fortschrittlich eingestellte Unternehmen stellen dafür extra Menschen ein; die Position nennt sich ›Feel-Good-Manager*in‹. Diese sorgen dafür, dass das Arbeiten in allen Bereichen nachhaltig verbessert wird. Sie sind dazu da, die Bedürfnisse aller Mitarbeitenden aufzufangen und eine konstruktive Zusammenarbeit zu fördern. Und wie lösen wir das bei uns im öffentlichen Dienst? Wer sind unsere ›Feel-Good-Manager*innen‹?

Der Equal-Care-Day ist der 1. März – für uns ein Anlass, einen Fragebogen zu diesem Thema vorzustellen. 

Wir laden Sie ein, sich den Fragebogen herunterzuladen und evtl. von allen im Team ausfüllen zu lassen. Vielleicht eine Möglichkeit, um eher unsichtbare und oft auch ungeliebte Tätigkeiten neu zu besprechen und zu verteilen, oder sich gegenseitig dafür wertzuschätzen. 

Wir freuen uns auch über Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, was Ihnen zu diesem Thema an ihrem Arbeitsplatz auffällt.

25. November 2020 - Weltweiter Tag gegen Gewalt an Frauen - Gemeinsam mehr erreichen - „Orange the World“ in Braunschweig

© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen

Am 25. November, dem „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“, ruft UN-Women weltweit zu Aktionen gegen Gewalt an Frauen auf. Die Farbe Orange begegnet den Braunschweigerinnen und Braunschweigern an diesem Tag auf den LED-Tafeln am BraWo Park und auf der Newswall des Pressehauses. Die Braunschweigische Landessparkasse wird den Alten Bahnhof auf der Okerinsel mit Einbruch der Dunkelheit in orange strahlen lassen. 

Gewalt gegen Frauen wird oft bagatellisiert, von vielen sogar ignoriert. Die Folge: Betroffene sprechen aus Scham und Angst nicht über das Erlebte. Das wollen wir gemeinsam ändern. "Wir brechen das Schweigen" ist auch in diesem Jahr unser Motto zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November des Arbeitskreises gegen Gewalt an Frauen, dem verschiedene Braunschweiger Beratungsstellen, das Frauenhaus und die Gleichstellungsbeauftragte angehören. 

Mehr Frauen ins Rathaus!

Das neue Mentoring-Programm FRAUEN.MACHT.DEMOKRATIE für politikinteressierte Frauen ist gestartet. Zahlreiche Frauen aus Braunschweig und der Region haben die Chance ergriffen und sich angemeldet. Auf den Seiten des Gleichstellungsreferates der Stadt Braunschweig finden Sie alle regional wichtigen und aktuellen Informationen zum Programm.

Ideen für mehr Geschlechtergerechtigkeit

Am Tag des offenen Rathauses sammelte das Gleichstellungsreferat Ideen für mehr Geschlechtergerechtigkeit in Braunschweig. Die Wünsche, die unsere Besucherinnen und Besucher an den Wunschbaum hefteten, wurden jetzt ausgewertet.
Die Ergebnisse sind in der beigefügten PDF-Datei zu lesen.

Braunschweigerinnen um 1900 - Gesellschaft gestalten ohne Wahlrecht

© privatMargarethe Breymann war eine der ersten approbierten Ärztinnen Deutschlands und hatte von 1915 bis 1953 ein Praxis in Braunschweig.

Zum Jubiläumsjahr "100 Jahre Frauenwahlrecht" konzipierte das Gleichstellungsreferat gemeinsam mit dem AK Andere Geschichte eine Ausstellung, die das Engagement und das Wirken von Frauen am Anfang des letzten Jahrhunderts würdigt. Neun Frauen werden mit ihren Leistungen und ihren außergewöhnlichen Lebenswegen porträtiert, stellvertretend für viele andere Braunschweigerinnen, die unsere Stadtgesellschaft mitgestaltet haben, noch bevor ihnen das Wahlrecht zugestanden wurde. Ein kleiner Weg zu einer geschlechtergerechten Erinnerungskultur. Die Ausstellung kann von interessierten Institutionen ausgeliehen werden.

Dokumentation "Vom Verstehen zum Tun" - Jetzt online

Die Dokumentation zum Fortbildungsprogramm "Vom Verstehen zum Tun - Mit geschlechtersensiblem Blick die Qualität der städtischen Arbeit stärken" beschreibt die Hintergründe und die Fortbildungen und Maßnahmen, die innerhalb des Programms für die Beschäftigten der Stadtverwaltung 2013 und 2014 angeboten wurden. Das Fortbildungsprogramm wurde durch das Gleichstellungsreferat konzipiert und verfolgte das Ziel, Gender-Wissen in möglichst vielen Bereichen der Stadtverwaltung zu implementieren und zu vertiefen.

Kontaktadresse

Gleichstellungsreferat

Adresse

Platz der Deutschen Einheit 1
Rathaus-Altbau
38100 Braunschweig

Postanschrift

Stadt Braunschweig
Die Gleichstellungsbeauftragte
Postfach 33 09
38023 Braunschweig

Kontakt

Tel.: 0531 4702100
Fax: 0531 4702288

Öffnungszeiten

(Montag bis Freitag): In der Regel ist das Büro von 8.30 bis 15.00 Uhr besetzt. Am besten erreichen Sie uns aber täglich im Zeitraum zwischen 9:00 und 13:00 Uhr.
Sollte auch in diesem Zeitraum aufgrund terminlicher Engpässe kein Telefondienst möglich sein, können Sie auf unserem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen.
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