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Braunschweiger Mumme

Die Braunschweiger Mumme war bereits im Mittelalter bekannt. Das malzhaltige Getränk wurde als Proviant für die Seefahrer verschifft und machte so Braunschweig in aller Welt bekannt. Die Mumme hatte einen entscheidenden Vorteil: Aufgrund ihres hohen Alkohol- und Zuckergehalts war sie über Wochen haltbar, sogar bei tropischen Temperaturen. Mit ihrem Nährwertgehalt schützte sie außerdem die Seefahrer vor Skorbut. Ursprünglich wurde die Mumme als schwach bis stark alkoholhaltiges Bier gebraut, erst im 18. Jahrhundert wurde auf den Alkohol verzichtet.

Heute wird der dickflüssige Malzextrakt vor allem zum Verfeinern von Speisen und Getränken verwendet. Bei der mummegenussmeile, dem alljährlichen Veranstaltungswochenende mit verkaufsoffenem Sonntag in der Braunschweiger Innenstadt, steht die Mumme im Mittelpunkt.

„Ein starker Sachse wird, wie alle Völker sagen
Nie schmal in Schulter seyn und schlappe Lenden tragen.
Fragt einer, welches denn die Ursach dessen sey?
Er isset Speck und Wurst und trinket Mumm’ dabey.“*

Einst Pflichtausstattung für jede Handelsflotte

Fotostrecke (3 Bilder)

Im Mittelalter wurde die Braunschweiger Mumme weltweit hochgelobt und vielfach kopiert. Sie war wichtigster Exportartikel und trug wesentlich zum Aufstieg und Reichtum der Stadt Heinrichs des Löwen bei. Damals war die Mumme je nach Brauart ein schwach bis stark alkoholhaltiges Bier. Seine Entstehungsgeschichte reicht weit zurück: Die erste nachgewiesene Erwähnung, eine Rechnung der Stadt, ist auf das Jahr 1390 datiert. Schon im Mittelalter gehörte die Braunschweiger Mumme zur Pflichtausstattung eines jeden Schiffs der Hanseflotte. Das dickflüssige, stärkende Bier wurde damals aufgrund seiner langen Haltbarkeit weltweit verschifft und bewahrte wegen des hohen Nährstoffgehalts die Matrosen vor Skorbut. Um die Haltbarkeit der Mumme für Schiffsreisen weiter zu verlängern und damit den Export zu steigern, wurde 1675 der Alkoholgehalt verdoppelt und die so genannte Segelschiff-Mumme entstand. Im Gegensatz zur einfachen Mumme war sie sehr zäh und dickflüssig.

Verschiedene Mummesorten für jeden Geschmack

Zur Hoch-Zeit der Braunschweiger Mumme unterschied man fünf verschiedene Sorten des Getränks:

1. die einfache oder schlichte Mumme
2. die doppelte Segelschiff-Mumme (Diese Variante war viel dicker - fast sirupartig, süß und kräftig. Sie löschte keinen Durst, weshalb sie eher als Ersatz für Kaffee und Tee getrunken wurde. Dazu wurde üblicherweise geräucherter Schinken und Braunschweiger Schlackwurst gegessen.)
3. die Kirsch-Mumme, der man zerstoßene Kirschen zusetzte
4. die Ernte-Mumme, die nur im März gebraut und im Mai ausgeschenkt wurde
5. das Mumme-Bier oder Mumme-Dünnbier

Fügten einige Brauer der Mumme anfangs noch verschiedenste Gewürze hinzu, nahm dies im Laufe der Zeit mehr und mehr ab. Heute besteht die Mumme ausschließlich aus Malz und Wasser. Im Mittelalter war die Mumme ein sehr beliebtes Getränk, da sie ausschließlich aus natürlichen Zutaten bestand, einen hohen Energie- und Vitamingehalt aufwies und deshalb eine positive Wirkung auf die Gesundheit hatte.

Reger Handel bis in die Karibik

alte Steger Mummedose (Braunschweig Stadtmarketing GmbH)

Anfang des 18. Jahrhunderts verlor die Mumme ihre marktführende Position. Weil auch andere Biere durch neue Konservierungstechniken länger haltbar waren, brach der Absatz rapide ein. Mitte des 19. Jahrhunderts fand man in den Adressbüchern Braunschweigs unter zehn Brauereien nur noch zwei, die Mumme brauten. Dies waren die Brauerei Franz Steger, die ihre Produktion 1954 ganz einstellte, sowie die Brauerei Nettelbeck, die als einzige noch heute Mumme herstellt.

Nettelbeck Werbung (Nettelbeck / Braunschweig Stadtmarketing GmbH)

Als "Braunschweiger Segelschiff Mumme H. Nettelbeck KG" produziert und vertreibt die Familie Basilius mittlerweile in der 3. Generation die Mumme, nachdem der Braunschweiger Leo Basilius das Rezept im Jahre 1949 von den Geschwistern Nettelbeck übernahm.

Auch heute noch in aller Munde

Kochzutaten  (Braunschweig Stadtmarketing)

Heute ist die Braunschweiger Mumme ein alkoholfreier Extrakt, gebraut aus Malz und Wasser. Sie ist süß und zähflüssig und wird deshalb vorwiegend als Zusatz für Speisen und Getränke sowie zum Kochen verwendet. Sie wird zum Beispiel mit Bier, Milch, Tee und Selterswasser gemischt. Auch Soßen, Wurst, Käse, Kuchen und sonstiges Gebäck werden damit verfeinert. Mittlerweile gibt es Kochbücher, die die Verwendungsvielfalt der Mumme zeigen.

Mumme-Bier wird gezapft (Braunschweig Stadtmarketing GmbH)

Neben der alkoholfreien Mumme bietet die Brauerei Nettelbeck heute wieder ein Mumme-Bier in Braunschweig an. Angelehnt an ein Originalrezept aus dem Mittelalter: gebraut nach alter Brautradition als obergäriges Bier kombiniert mit der „Original doppelten Segelschiff-Mumme“. Es hat eine Stammwürze von 15 % und einen Alkoholgehalt von 5,2 % Vol.

Wie es zu dem Namen Mumme kam, ist noch heute ungeklärt. Einer Legende nach hat ein Mann namens Christian Mumme das malzhaltige Bier erfunden. Dieser Mythos wurde jedoch widerlegt. Als Exportschlager erhielt die Mumme Übersetzungen in viele Sprachen. So heißt sie im Lateinischen Mumma oder Mumia Brunsvicensium, im Englischen Brunswick Mum und auf Französisch Mom de Bronsvic.

Traditionsveranstaltung mummegenussmeile in Braunschweigs Innenstadt

Löwenstandbild mit Dose im Maul

Jedes Jahr im November findet in der Braunschweiger Innenstadt das verkaufsoffene Wochenende mummegenussmeile statt und nimmt Besucher mit in die Welt der Braunschweiger Mumme: Braunschweiger Gastronomen bieten köstliche Kreationen rund um die Mumme an und auf einem Spezialitätenmarkt können die Besucher Mumme-Produkte kennen lernen.

Die beliebte Veranstaltung rund um Braunschweigs Traditionsgetränk wird von einem musikalischen Programm sowie Spiel und Spaß für Groß und Klein begleitet.

Quellen:

Gerd Biegel; Braunschweig Stadtmarketing, H. Nettelbeck (Hrsg.): Das Braunschweiger Mumme-Buch. Geschichte und Rezepte. Braunschweig, 2009.

www.wikipedia.de, Braunschweiger Mumme, aufgerufen am 18. Januar 2012.

*Gedicht aus: Julius Stinde: Zwei Veteranen des Bierstaates, Über die Mumme und die Goslarer Gose, 1880.

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