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Bauer mit viel Geschick

Bäuerliche Arbeit mit viel Geschick

Timmerlaher Hof Voges ist seit 351 Jahren im Familienbesitz – Die 10. Generation wirtschaftet

Der 30-jährige Krieg (1618 – 1648) war gerade fünf Jahre vorbei, als Herzog August der Jüngere dem Bauern Hennig Voges das Recht verlieh, in Timmerlah einen landwirtschaftlichen Hof zu gründen. 351 Jahre sind seitdem vergangen. Landwirtin Sabine Voges bewirtschaftet den 50 Hektar großen Hof bereits in der 10. Generation.

© Foto David Taylor (Braunschweiger Zeitung)Hans Heinrich Voges

Die Voges erwiesen sich als bodenständige bäuerliche Familie mit viel landwirtschaftlichem Geschick. Die zu beackernde Fläche wurde im Laufe der Jahrhunderte erweitert. Flächen kamen durch Heirat dazu, andere wurden gekauft. Die letzte Erweiterung fand vor 44 Jahren statt: Hans-Heinrich Voges (9. Generation) heiratete die Landwirtstochter Else aus Broitzem. Sie brachte immerhin 14 Hektar Ackerland mit in die Ehe.

Vor rund 100 Jahren kaufte Hermann Voges (7. Generation) ein verwirtschaftetes Rittergut mit 300 Hektar Acker- und Weideland in Groß Sisbeck bei Velpke (Kreis Helmstedt). "Der Hof in Timmerlah wurde auf sechs Jahre verpachtet", berichtet Hans-Heinrich Voges.

Die Timmerlaher packten an. Als das Rittergut wieder florierte, ging Hermann Voges mit seiner Familie zurück ins Braunschweigische. Das Rittergut ist noch heute im Besitz der Familie.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Zuckerrübe zum großen Renner im landwirtschaftlichen Bereich. Die Bauern verdienten gut. 1893 ließ Hermann Voges das Jahrhunderte alte Wohnhaus abreißen und ersetzte es durch einen Neubau: Rote Backsteinfassade, weiß abgesetzte Fenster, Zierrat am Gemäuer. Jedermann konnte sehen, dass es den Voges’ gut ging.

Großvater Hermann, Vater Reinhard (8. Generation) und Ehefrau Else sind längst gestorben. Die Stallungen und Scheunen sind verwaist. Traktoren und Anhänger stehen hier witterungsgeschützt. Geblieben sind sechs Reitpferde sowie 1000 Hühner in Legebatterien. In der Mehrzweckhalle wurde ein Teil als Reitfläche abgezweigt. Voges’ drei Töchter sind Hobby-Reiterinnen. "Leider haben sie nicht viel Zeit." Eine Tochter ist Chirurgin, ihre Schwester arbeitet als Steuerberaterin. Nur Sabine (38) ist Landwirtin geworden. Die 11. Landwirtsgeneration auf Hof Voges scheint bereits gesichert: der 13-jährige Hendrik. Der Junge interessiert sich für die Landwirtschaft. Häufig stapft er gemeinsam mit seiner Mutter über den Rübenacker. "Ich bin gewiss, dass mein Ältester den Hof übernehmen wird", sagt Sabine.

Bewirtschaftet werden Ackerflächen. "Mit drei anderen Landwirten teilen wir uns die großen Landmaschinen und die Kosten dafür", berichtet Hans-Heinrich Voges. Ein Bauer allein könnte sich Drillmaschine, Mähdrescher und Pflüge kaum leisten.

"Ich kann mir keinen anderen Beruf als den Landwirt vorstellen", versichert Tochter Sabine. Sie hat den Hof inzwischen vom 68-jährigen Vater gepachtet. Jeden Tag steht sie um 4 Uhr auf. Auf zwölf Märkten in Braunschweig und Umgebung verkauft sie Hühnereier, betreibt einen Partyservice.

Turbulent auf Hof Voges wird es zur Weihnachtszeit: Die Freiwillige Feuerwehr Timmerlah veranstaltet ihren Weihnachtsmarkt. Auf dem Bauernhof liegt dann immer ein Geruch von Bratwürsten, Zuckerwatte und kandierten Äpfeln.

Quelle des Artikels: http://www.braunschweiger-zeitung.de/lokales/Braunschweig/baeuerliche-arbeit-mit-viel-geschick-id227465.html, 22.7.12, Artikel von Dieter Schäfer 14.7.2004