05.04.2013 - Feuer in einem Unterkunftsgebäude der Landesaufnahmebehörde in der Bastholzsiedlung
Feuerwehr- und Rettungsdienst mit ca. 100 Einsatzkräften vor Ort
Um 4:30 Uhr wurde lief in der Integrierten Regionalleitstelle Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel (IRLS) der erste Notruf des Pförtners der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen – Standort Braunschweig – (LAB) ein. Mit dem Stichwort „Menschenleben in Gefahr“ wurden von der Hauptfeuerwache der Löschzug, Rettungswagen und der übergeordnete B-Dienst (Führung), von der Flughafenwache ein Löschfahrzeug und ein Rettungswagen und ein Notarzt alarmiert.
Bereits während Anfahrt der alarmierten Einheiten liefen weitere dramatisch klingende Notrufe in der IRLS ein. Das Gebäude solle in Vollbrand stehen und es warten viele Personen an den Fenstern auf Rettung oder würden sich bereits mittels Bettlaken abseilen. Der Einsatzleiter veranlasste deshalb die Nachalarmierung des Löschzuges der Südwache und die Auslösung der MANV 15-Alarmstufe (MANV = Massenanfall von Verletzten) aus.
Die ersteintreffenden Einheiten haben dann tatsächlich (nur) ein brennendes Zimmer vorgefunden. Allerdings war aufgrund des Durchbrandes der Zimmertür auch der erdgeschossige Flur mit Rauchgasen und Wärmeströmung beaufschlagt. Damit war für einige Bewohner der erste Rettungsweg nicht mehr nutzbar.
Sofort wurden die an den Fenstern stehenden Menschen mit Unterstützung des zwischenzeitlich an der Einsatzstelle verfügbaren großen Polizeiaufgebotes und des Sicherheitsdienstes aufgefordert in den Zimmern zu bleiben und Fenster und Eingangstüren geschlossen zu halten. Das war aufgrund der Sprachproblematik nur bedingt wirksam. Vom ersteintreffenden Löschzug gingen 2 Trupps unter Atemschutz zur Brandbekämpfung und zur Räumung des Gebäudes zu. Gleichzeitig wurde auf der anderen Gebäudeseite die Brandbekämpfung von einem dritten Trupp durch das Fenster eingeleitet. Über die Drehleiter wurden insgesamt 10 Betroffene, darunter mehrere Kinder, aus den beiden Obergeschossen gerettet. Dazu wurde drei Mal der Standort gewechselt.
Alle betroffenen und geretteten Personen wurden zunächst in einer Verletztenablage vor einem Nachbargebäude rettungsdienstlich behandelt oder betreut. Der ersteintreffende Notarzt hat für diese Maßnahme zunächst die Führung übernommen.
Aufgrund der hohen Zahl der Betroffenen wurde die MANV-Stufe auf 25 erhöht (25 Betroffene). Da schwere Verletzungen nicht vorlagen, reichte das damit alarmierte Rettungsdienstpotential aus. An der Einsatzstelle standen letztendlich Rettungsmittel aus Braunschweig und den Städten Wolfsburg und Salzgitter und aus den Landkreisen Peine und Wolfenbüttel zur Verfügung. Die Leitenden Notärztin (LNA) konnte 5 weitere Ärzte einsetzen.
Sehr schnell wurde eine Ersatzunterkunft gefunden. In einer gut beheizten Wohncontaineranlage konnten 71 Patienten von der LNA gesichtet werden. Außerdem stand sehr schnell ein Bus der Verkehrs-AG als „Wärmehalle“ zur Verfügung. Gesichtete und nicht direkt betroffene Bewohner der Anlage wurden in einer in der Kantine der LAB eingerichteten Betreuungsstelle unter Leitung des Notfallseelsorgers betreut und verpflegt.
Bereits um 5:12 Uhr konnte der Einsatzleiter die Rückmeldung „Brand unter Kontrolle – verfügbare Kräfte reichen aus“ absetzen.
Folgende Zahlen und Fakten beschreiben den Einsatz:
- Gesamteinsatzleitung: B-Dienst
- 2 Abschnitte gebildet (Brandbekämpfung/Menschenrettung und Rettungsdienst)
- 2 Löschzüge (Haupt- und Südwache im Einsatz)
- Flughafenwache (Löschfahrzeug und Rettungswagen)
- LNA (Rettungsdienst-Abschnittsleitung)
- Organisatorischer Leiter Rettungsdienst
- 5 Notärzte (BS, WF, SZ, WOB)
- 15 RTW (BS, SZ, WOB, PE, WF)
- mehrere Führungsfahrzeuge der Taktischen Einheiten Örtliche Einsatzleitung Rettungsdienst, Transport (ASB und DRK), Betreuung (DRK)
- 30 Betroffene Personen im Gebäude
- 71 Patienten gesichtet
- 5 Patienten transportiert (Rauchgasvergiftungen, Verletzung nach Fenstersprung,
Auf Basis einer überörtlichen MANV-Vereinbarung (Ü-MANV) aus Hannover angeforderte Rettungsdiensteinheiten konnten noch auf der Anfahrt wieder abbestellt werden.
Obwohl das vom Brand betroffene Gebäude aus Sicht den Anforderungen des Vorbeugenden Brandschutzes und damit der Niedersächsischen Bauordnung genügte, erweist sich bei derartigen Einsätzen immer wieder die Reaktion der Betroffenen als problematisch. Türen und Fenster werden unkontrolliert geöffnet. Dadurch dringt Rauch in die Wohnbereiche ein. Das hat tatsächlich zu einer Abseilaktion mittels Bettlaken geführt. Derartige Selbstrettungsaktionen sind aus Feuerwehrsicht überflüssig und gefährlich und führten in diesem Fall auch zu einer Sprungverletztung.
Positiv ist hervorzuheben, dass die Zusammenarbeit und das Zusammenwirken zwischen den Einsatz- und Führungskräften der Feuerwehr und des Rettungsdienstes, der Polizei, des Sicherheitsdienstes und der Anstaltsleitung sehr gut waren. Hier hat sich bemerkbar gemacht, dass man sich gemeinsam bereits vor längerer Zeit Gedanken über Einsatzabläufe in dieser Einrichtung gemacht hat. So wurde insbesondere eine Evakuierung der LAB vorgeplant. Diese Maßnahmen der Einsatzvorbereitung konnten nun abgerufen und angewendet werden.
Die Feuerwehrleitung kann allen Beteiligten Einsatzkräften nur ein großes Lob aussprechen. Der Einsatz wurde besonnen und kompetent abgewickelt. Dank des rücksichtsvollen Einsatzes der Polizei und des Sicherheitsdienstes konnten in der angsterfüllten Atmosphäre des Einsatzgeschehens panikartige und aggressive Reaktionen verhindert werden.