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Harzziegen-Zuchtverein Mascherode 1913-1964

Neben der örtlichen Selbsthilfegruppierung „Schweinekasse“ gründeten am 1. Juli 1913 einige Mascheröder Bürger einen „Harzziegen-Zuchtverein“. Viele Familien waren Selbstversorger, besaßen Hühner, Schweine und Ziegen. Die Ziege galt lange Jahre als „Kuh des kleinen Mannes“. Sie lieferte Milch zum unmittelbaren Verzehr sowie zur Käseherstellung. Harzziegen passten als robuste Rasse gut zur Haltung im kleinen Stall hinter dem Haus. So war es verständlich, dass sich viele Dorfbewohner als Ziegenhalter betätigten und sich mit anderen in einer Selbsthilfegruppe zusammentaten.

Die Harzziege gehört zu der nicht weißen  Deutschen-Edelziege. Sie ist rehfarben, kurzhaarig, mit hellem Bauch, der durch einen deutlich sichtbaren schwarzen Haarstreifen abgegrenzt ist. Die Beine sind schwarz geschient. Ein Aalstrich (Rückgratstrich) teilt das Fell längs der Wirbelsäule. Die Geißen wiegen etwa 45-60 kg, die Böcke jedoch etwa 65-80 kg bei einer Widerristhöhe von 70 bis 80 cm bzw. 80 bis 90 cm. Die erste Ablammung sollte im Alter bis zu 15 Monaten erfolgen. Pro Ziege wurden im Durchschnitt 1,8 bis 2 Lämmer pro Jahr geboren.

Ende des 19. Jahrhunderts besaßen viele Harzer Bergleute Ziegen, die sie in örtlichen Zucht-Vereinen entsprechend selektierten und in Zuchtschauen verglichen. Zuchtziel war eine gute Milchleistung („Bergmannskuh“) sowie ihre Widerstandsfähigkeit und Genügsamkeit im Hinblick auf das Harzer Höhenklima. Zusätzlich machte sie ihre Fähigkeit, an steilen Hängen grasen zu können, beliebt. Die Milchleistung betrug 850 – 1000 kg pro Jahr, mit 3,2 % Fett und 2,8 – 3,0 % Eiweiß. Es wurde der Milch damals eine gesundheitsfördernde Eigenschaft nachgesagt. Bergleute glaubten daran, dass sie den in den Gruben aufgenommenen Giften entgegenwirkte. Heute weiß man, dass Ziegenmilch andere Eiweißstrukturen aufweist als Kuhmilch und Kindern mit Kuhmilchallergie ein guter Ersatz ist. Ziegenmilch soll das Immunsystem stärken und den Stoffwechsel fördern.

Mitgliederliste von 1913

Diese Eigenschaften gefielen offenbar auch im Harzvorland zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. 1902 fand eine große Ausstellung in Goslar statt. Von dort kam die Kunde in Dörfer um Braunschweig und nach Mascherode. Die beschriebenen Qualitäten ließen die Harzziege für die Graben- und Ackerrandpflege geeignet erscheinen. Bald wurde der Wunsch laut, eine eigene Zucht im Ort zu beginnen und dazu einen „Dorfbock“ anzuschaffen. 1913 war es dann soweit: Der Harzziegen-Zuchtverein wurde ins Leben gerufen.

In einem damals angelegten Protokollbuch sind die Aktivtäten des Mascheröder Vereins in leserlicher Handschrift festgehalten. Die Eintragungen, vom jeweiligen Zeitgeist beeinflusst, spiegeln Teile des dörflichen Zusammenlebens und dokumentieren die gemeinsame Vereinsarbeit über ca. 50 Jahre. Sie beginnen mit einer Mitgliederliste, die die Namen der damals Beteiligten enthält.

Im Protokoll der Gründungsversammlung in der „Gaststätte Gebrüder Peters“ wurde folgendes niederschrieben: Die Statuten der Landwirtschaftskammer Braunschweig sollen anerkannt werden. Die anschließende Vorstandswahl verläuft ohne große Diskussion. Zum 1. Vorsitzenden wählen sie Wilhelm Lipper, zum 2. Vorsitzenden Carl Schultze, zum Kassierer Hermann Schulze und zum Schriftführer Carl Seger.

Bild eines Artikels aus der Braunschweiger Zeitung

Carl Seger notiert im ersten Protokoll die Höhe des Eintrittsgeldes von 1,75 Mark und den monatlichen Beitrag von 10 Pfennig. Der Vorsitzende Wilhelm Lipper erklärt sich bereit, den Vereinsbock zu halten. Dafür genehmigt ihm die Versammlung 80,00 Mark Futtergeld im Jahr. Jeder im Dorf kann den Vereinsbock zur Begattung anfordern. Das Deckgeld unterscheidet sich, indem es für Vereinsmitglieder 75 Pfennig und für Nichtmitglieder 4 Mark beträgt. Als Kassenbote, der die jeweiligen Beträge einschließlich der Monatsbeiträge einzieht sowie auch die Einladungen zu Versammlungen verteilen soll, stellt sich Christoph Wörndel zur Verfügung. Er bekommt dafür 1 Mark bewilligt. Dem anwesenden Gemeindevorsteher August Bötel überreicht der Vorstand einen Antrag hinsichtlich eines Zuschusses für den Verein aus der Gemeindekasse.

In den Folgejahren tagen die Vereinsmitglieder weiterhin in der „Gaststätte Gebrüder Peters“ (heute Bürgersaal) und halten dort ihre „Generalversammlungen“ ab. 1914 gibt es den Beschluss, zwei „Obmänner“ zu wählen, die die Kasse prüfen sollen. Außerdem benennen sie als neuen Bockhalter Heinrich Block, der den vor Jahren festgelegten Betrag von 80 Mark Futtergeld erhält. Dieser soll vierteljährig anteilig bezahlt werden. Als Nachtrag steht am 20. Oktober im Protokollbuch, dass Block zusätzlich den „Lahmbock“ vom ehemaligen Bockhalter Wilhelm Lipper übernehmen soll. Lipper verkauft den Bock für 30 Mark, Block bekommt für den Rest des Jahres 10 Mark Futtergeld und 25 Pfund Hafer. Das Fernbleiben bei einer Generalversammlung wollen sie zukünftig mit 50 Pfennig Strafe ahnden. „Wer mit einer Ziege nach einem anderen Bock zieht, soll das Deckgeld von 75 Pfennig an den Verein zahlen“, steht im Protokollbuch. Außerdem versichern sie den Vereinsbock für die Summe von 100 Mark.

1915 soll der „Lahmbock“ (wahrscheinlich der alte Vereinsbock) kastriert werden, um ihn danach zum Schlachten zu verkaufen. 1916 setzen sie das Deckgeld auf 60 Pfennig, 1917 sogar auf 50 Pfennig herab, was auch 1918 gelten soll. Ab 1919 ist Gustav Müller bereit, den Deckbock für 120 Mark Futtergeld zu halten. 1920 erhält er dafür schon 200 Mark. Doch im Sommer 1921 ist er nicht mehr bereit, den Bock bei sich einzustellen. So beschließt man, den Bock zu verkaufen. Jedoch überlegen sie es sich im Laufe des Jahres anders: Im Juli desselben Jahres ist festgehalten, dass Gustav Müller einen großen Bock für 300 Mark und einen kleinen mit Unterstützung von 200 Mark Futtergeld aus der Vereinskasse betreut.

Die Zucht gelang nur mit entsprechenden Alttieren, die bei der Körung (Auswahl von Tieren mit geeigneten Wesensmerkmalen) entsprechend für „gut“ befunden wurden. Ein „Lahmbock“ wurde aussortiert. Ein aktueller Zeitungsausschnitt macht deutlich, welche Aufgaben der Bock hätte besitzen müssen.

Die meist jährlich abgehaltenden Generalversammlungen am Anfang des jeweiligen Jahres liefern einen Einblick in das Vereinsleben. 1922 wirkt sich schon die steigende Inflation aus. Als Futtergeld zahlen sie 500 Mark für jeden der zwei Böcke. Das  Deckgeld beträgt jetzt 6 Mark. Die Gemeinde Mascherode wird um 30 Mark Futtergeldzuschuss gebeten. Sie gewährt anstelle dessen das Gras am Wegrand im Flurstück „In den alten Höfen“. So hält es Fritz Schultze, der damalige Schriftführer, im Protokoll vom Januar 1922 fest. Die Vorstandswahl erbringt folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Carl Schultze, 2. Vorsitzender Carl Seger, Rechnungsführer Hermann Kirath, Schriftführer Fritz Schultze. Im Juni desselben Jahres beraten sie das neue Bockhaltungsgesetz. Sie beschließen darauf, dass alle Böcke der Gemeinde an den Verein übergeben und von ihm unterhalten werden sollen. Zur in Rautheim stattfindenden Landesziegenzuchtschau werden 100 Mark für Prämien bewilligt.

Für 1923 und 1924 gibt es nur wenige Aufzeichnungen. Jedoch erfahren wir aus dem Protokollbuch, dass das Vereinslokal gewechselt wurde. Die Gaststätte „Zum Eichenwald“ war verpachtet worden und wurde von der Familie Riek bewirtschaftet. Somit fand die Generalversammlung am 30. Dezember 1924 in der „Riekschen Gastwirtschaft“ statt.

Carl Schultze, der nur zwei Jahre Vorsitzender war, gibt sein Amt an Erich Meyer ab, 2. Vorsitzender Albert Jäger, Fritz Schultze bekleidet in Personalunion den Posten des Rechnungs- und Schriftführers. Erich Meyer steht auch als Bockhalter bereit. Erst 1926 gibt es Aussagen zum Deckgeld: für Mitglieder 1 Mark, für Nichtmitglieder 3 Mark. Der Betrag ist gleich nach dem Deckakt zu bezahlen. 1927 wählen sie aus pragmatischen Gründen den Vorstand für drei Jahre im Block. Das Deckgeld bleibt bei 1 Mark für Mitglieder, allerdings 5 Mark für Nichtmitglieder. Als Nachtrag vermerkt Fritz Schultze, dass Erich Meyer die Bockhaltung aufgeben will. 14 Tage soll ein Nachfolger gesucht werden. Da kein Vereinsmitglied zu finden ist, meldet sich der Gemeindediener Heinrich Lies, der nach Einwilligung der Zahlung von 100 Mark Futtergeld bereit ist, den Bock zu halten. Somit schließt der Vorstand einen Kontrakt mit halbjähriger Kündigungsfrist mit ihm ab.

1928 treffen sie wieder im „Riekschen Gasthaus“. Am Anfang soll das Strafgeld für das Nichtbesuchen der vergangenen „Generalversammlung“ eingezogen werden. Allerdings verweigert der Angesprochene, das Geld zu bezahlen. Wir erfahren nicht, wer es ist und wie die Sache ausgeht. August Reinhardt erklärt sich in dieser Sitzung bereit, den Jungbock bis 1. September 1928 für etwas Hafer in Pflege zu nehmen, wofür der Vorstand einen halben Zentner Hafer kaufen will. Leider ist der Gemeindediener Heinrich Lies nicht bereit, nach nur einem Jahr den Kontrakt für den alten Bock zu erneuern. Auch ergibt sich eine schwierige Lage, denn er hatte den notwendigen Hafer nicht bestellt. Somit muss der Vorstand für diesen Bock in der laufenden Deckperiode noch zwei Zentner Hafer nachkaufen. Hermann Winterberg erklärt sich bereit, den Bock in Pflege zu nehmen und die Gemeinde stellt einen Stall zur Verfügung. In dieser Sitzung beschließen sie, die Verbandsabgabe von 20 Pfennig auf 40 Pfennig zu erhöhen. Pro gedeckte Ziege wird der Betrag von 30 auf 50 Pfennig heraufgesetzt.

1929 vermerkt der Schriftführer, dass der Landesverband für die besten 10 Bockpfleger je 10 Mark Prämie ausgelobt hatte. So stellte die Bockkör-Kommission nach 3-maliger Besichtigung Hermann Winterberg als einen der 10 besten von 63 Teilnehmern heraus. Außerdem erhält der Verein ein Lob durch Dr. Bieke vom Reichsverband bei einer Kontrolle im Sommer 1929.

Inzwischen hatte Friedrich Mesecke den „Riekschen Gasthof“ gepachtet und benutzte wieder den bekannten Namen „Zum Eichenwald“. Dort fand die Hauptversammlung am 8. Juli 1929 statt.

Der Protokollant notiert eine Aussprache über die Körung der Ziegen und die Absicht einiger Mitglieder, in diesem Jahr die geplante Ausstellung in Hannover zu beschicken.

1931 wird beklagt, dass zur Generalversammlung 10 Mitglieder unentschuldigt fehlen, jedoch soll von der Erhebung von Strafgeldern Abstand genommen werden. Der Vorsitzende weist darauf hin, dass Mitglieder, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, statutengemäß ein halbes Jahr vom Verein ausgeschlossen werden können. 1932 ernennen sie den ehemaligen Gemeindevorsteher August Bötel zum Ehrenmitglied. Am 10. Oktober 1932 muss eine außerordentliche Versammlung stattfinden, denn der Bockhalter Hermann Winterberg hatte zum 01.11.1932 gekündigt. Zwei neue Bewerber, Gustav Müller und Hermann Wörndel, stehen bereit. Der Vorstand lässt das Los entscheiden. Gustav Müller erhält den Zuschlag. Er bekommt für die Pflege der Jungböcke von der Gemeinde 1 Morgen Ackerland auf dem „Hassacker“, ferner 1 Morgen Wiese auf dem „Schafkamp“ gestellt. Außerdem zahlt der Verein 75 Reichsmark pro Jahr.

1933 findet die Generalversammlung erst im August statt. Der Protokollant verwendet bei der Neuwahl den politisch beeinflussten Begriff „Führer“:  „Gustav Reinhardt wird von der Versammlung als ‚Führer‘ bestimmt. Er soll alles Weitere mit dem Gemeindevorsteher besprechen“. 1934 berichtet der Schriftführer vom ‚Vorsitzenden Führer‘ Erich Meyer. Es erscheint nicht klar, ob eine weitere Wahl oder eine einfache Übertragung des Amtes erfolgt. Im Oktober des gleichen Jahres wird im Rahmen der Gleichschaltung im Nationalsozialismus die „Zucht-Genossenschaft“ in eine „Ortsgruppe der Kleintierzüchter“ umgewandelt. Das Deckgeld soll von da an nicht mehr an den Bockhalter gezahlt werden, sondern an den Rechnungsführer, der vorher einen Deckschein ausstellen muss. Es wird nachdrücklich eine Anwesenheitspflicht bei Sitzungen gefordert, allerdings unterfüttert durch eine Aufwandsentschädigung von 1,50 Reichsmark für jeden Teilnehmer.

1935 veranstaltet die ‚Ortsgruppe‘ ihre Generalversammlung im Anschluss an die der Schweinekasse, weil vielfach Schweine- und Ziegenhaltung dieselben Einwohner betrifft. Das Geschäftsjahr umfasst seitdem den Zeitraum vom 01.01. bis 31.12. des Jahres. Die Sitzung beendet Erich Meyer mit den mahnenden Worten, treu bei der Sache des Ziegen-Zuchtvereins zu bleiben. 1936 legt Schriftführer Fritz Schultze (von 1921 im Amt!) altersbedingt sein Amt nieder. ‚Vereinsführer‘ Erich Meyer bestimmt den Zuchtgenossen Emil Mette zum Nachfolger.

1937 stellt man ein Defizit in der Vereinskasse fest. Die Gemeindeverwaltung soll um einen Zuschuss gebeten werden, andernfalls müssten Deckgeld und Beiträge erhöht werden. In einer Sondersitzung am 2. Juli 1937 wird Fritz Schultze für seinen langen Dienst im Verein zum Ehrenmitglied ernannt.

Im darauffolgenden Jahr gibt es während der Versammlung einen Film über die Harz-Ziegenzucht. 1939 hören sie einen Vortrag von Lehrer Wölk über eine Neubelebung der Ziegenzucht. 1940 findet die letzte Versammlung im Verlauf des 2. Weltkriegs, jetzt wieder im „Gasthaus Gebrüder Peters“, statt. 1. Vorsitzender ist in diesem Jahr Paul Mokros, 2. Vorsitzender Erich Meyer, Kassenführer Emil Mette. Das Protokoll führt Otto Plünnecke.

Nach Ende des Krieges erfolgte erst im Februar 1946 wieder eine Generalversammlung. Im Protokoll wird ein Bericht über die Kriegsjahre angesprochen, jedoch nicht inhaltlich erläutert. Den Vorstand entlastet man für die vergangene Zeit und dem Kassenführer sprechen sie herzlichen Dank für seine kontinuierliche, gewissenhafte Kassenführung aus. Die „Mustersiedlung Mascheroder Holz“ (heute Südstadt) soll im folgenden Jahr abgekoppelt werden. Die Ziegenzucht könnte man neu beleben, indem zwei Jungböcke zu ziehen seien. Der Vorstand bleibt weiter im Amt.

1947 findet die Jahreshauptversammlung in der bekannten Gaststätte statt. Sie heißt jetzt „Zum Würfel“ (Pächter: Familie Sukopp): Eine beschlossene Teilnahme an einer Ausstellung kann man wegen des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche nicht realisieren. Zwei Jungböcke sollen aufgezogen werden. Eine rege Aussprache über Zuchtlämmer aus dem Harz wird ebenso protokolliert wie die Beschaffung von geeigneten Futtermitteln. Zukünftig sollen die nicht anwesenden Mitglieder dadurch bestraft werden, dass sie von der Futtermittelbeschaffung ausgeschlossen sind.

Bild eines Bockhaltungsvertrages von 1949

1948 berichtet der Protokollant von einem erneuten Wechsel des Vereinslokals hin „Zum Eichenwald“ vom Pächter Friedrich Mesecke. In den Aufzeichnungen wird der Wunsch nach gutem Zuchtmaterial durch den Verband genannt. Der Verein kann diesem Wunsch nicht entsprechen. Man will erst den neuen Wurf der Ziegen abwarten. 1949 wird der Vorstand bestätigt. Zwei Ehrendiplome hält man für die beiden bewährten Züchter Gustav Müller (30 Jahre Bockhalter) und Erich Meyer (25 Jahre 1. Vorsitzender) bereit. Sie werden gleichzeitig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Man bemängelt wie so oft, dass in diesem Jahr nur 27 von 55 Mitgliedern anwesend sind. Die Bockhaltung wird von diesem Zeitpunkt an in einem handschriftlichen Vertrag vom 29.01.1949 festgelegt.

1950 wird die Sitzung ordnungsgemäß ohne erwähnenswerte neue Ergebnisse im traditionellen Vereinslokal „Zum Würfel“ (vormals „Gebrüder Peters“) abgehalten. 1951 findet die Jahreshauptversammlung im „Gasthaus Mesecke“ statt. Inzwischen hatte Friedrich Mesecke die Gaststätte der Gebrüder Peters gekauft und die Bezeichnung „Zum Würfel“ in „Gasthaus Mesecke“ umbenannt. Gleichzeitig war er aus dem Eichenwald in dieses Gebäude umgezogen. Nur 11 Mitglieder sind gekommen und man beschließt, zukünftig 1,00 DM Strafe für das Nichterscheinen kassieren zu wollen. 1952 sind erfreulicherweise von 42 Mitgliedern 21 erschienen, 14 haben sich entschuldigt, 7 sind unentschuldigt ferngeblieben. Man stellt fest, dass der Verein mit seinem Geld nicht mehr auskommt und beschließt, den Jahresbeitrag auf 3,00 DM anzuheben und im Juli zu kassieren. Gleichzeitig wird monatlich ein Betrag von 0,30 DM für die anstehende 40-Jahr-Feier eingesammelt. Das Deckgeld soll 2,50 DM betragen. 1953 sind nur 7 Mitglieder erschienen, so dass die Versammlung wegen Beschlussunfähigkeit ausfällt, desgleichen offenbar auch die 40-Jahr-Feier, denn dazu gibt es keine Aussagen. 1954 ist wieder ein Loch in der Kasse zu verzeichnen. Man beschließt daher, pro Mitglied im Mai eine Umlage von 2,00 DM zu erheben und den Jahresbeitrag im August einzusammeln. 1955 fällt wie schon 1953 die Jahreshauptversammlung aus.

1956 wird der Vorstand wieder für zwei Jahre entlastet, bei einem Kassenbestand von 50,15 DM und einem Kontostand von 20,40 DM. In dieser Versammlung gliedern sie den 1946 abgetrennten Zuchtverein Braunschweig-Südstadt wieder mit den Mascherodes ein. Der neue Vorstand besteht danach aus Mascherödern und einem Südstädter: 1. Vorsitzender Paul Mokros, 2. Vorsitzender Fritz Heinemann (Südstadt), Kassenführer Emil Mette, Schriftführer Otto Plünnecke. Festgelegt wird, dass bei einer erneuten Trennung das Geld beim Harzziegen-Zuchtverein Mascherode verbleiben soll. Der Jahresbeitrag soll bei 3,00 DM bleiben, das Deckgeld wird auf 3,00 DM festgesetzt.

In den 1950er-Jahren (so erinnert sich Schmiedemeister Helmut Klinzmann) gab es noch viele Ziegenhalter im Ort. Erich Meyers Herde stand damals auf dem Sack‘schen Hof (heute: Hinter den Hainen 15). An den Außenseiten des Dorfkarrees hielten andere meist einzelne Ziegen in ihren Ställen. „Hinter den Hainen“ taten das Otto Müller (Bock-Müller), Hermann Jäger und Hans Langemann, „Am Steintore“ Emil Mette, Fritz Surburg und Helmut Klinzmann, „Am Kalkwerk“ Paul Mokros, August Schölecke, Albert Schulz, Otto Schultze und Rudi Storchmann. Im Westen („Salzdahlumer Straße“) waren Kurt Mesecke, Friedel Burgdorf und August Wörndel als Ziegenhalter aktiv sowie Paul Steffens in der Straße „Im Dorfe“. Dort betätigten sich als Ziegenbetreuer auch Bauer Rudolf Gerecke für seinen Sohn Heinz, Bauer Otto Pape für seinen Sohn Heinrich und Bauer Gerhard Bötel für seinen Sohn Heinrich, außerdem Gerd Kempe (Sohn des Gutsverwalters). In den Familien bekamen zu der Zeit die Kinder vielfach die Aufgabe, die Tiere zu füttern und den Stall auszumisten. Im Ziegenstall - so erzählt es Otto Schultzes Sohn Horst - war das Ausmisten keine Freude, denn der Geruch biss stark in Augen und Nase. Dazu muss man wissen, dass die Streu im Ziegenstall nur alle 4 Wochen ersetzt wurde und sich somit die Exkremente lange im Stall befanden. Ausgleich fanden die jungen Leute, indem die Ziege oder gar der kastrierte Bock als Zugtier benutzt wurden. Eingespannt in ein Geschirr zogen sie Handwagen, die die Jugendlichen zu Festlichkeiten mit Eichenzweigen dekorierten.

Ein Mann mit einer Ziege

Im Protokollbuch finden wir weitere Vereinsinformationen: Trotz der geringen Anzahl von 6 erschienenen Mitgliedern findet 1957 die Jahreshauptversammlung in der „Gaststätte Mesecke“ (früher „Gasthaus Gebrüder Peters“, heute Bürgersaal) statt. Für den verhinderten Schriftführer Otto Plünnecke übernimmt Hermann Jäger das Protokoll. Er notiert den Beschluss, für den ersten Vertreter beim Kreisverband 2,50 DM und für den zweiten 2,00 DM Versammlungsgeld zu bezahlen. 1958 erfahren wir nichts mehr über die Anzahl der Teilnehmer bei der Jahreshauptversammlung. Der Ablauf entspricht dem bekannten Ritual. Der Beschluss, wenn jemand zweimal mit derselben Ziege zum Bock komme, muss er 0,50 DM zusätzlich zum Deckgeld von 3,00 DM an den Bockhalter bezahlen, wird protokolliert.

1959 findet im Februar die letzte aufgeführte Jahreshauptversammlung statt. Eigentlich wird die Sitzung nur noch vom Vorstand abgehalten. Die Kasse weist den Betrag von 68,75 DM auf. Insofern sieht man sich genötigt, das Beitragsgeld auf 5,00 DM und das Deckgeld auf 4,00 DM zu erhöhen. Der Bockhalter Hermann Müller verzichtet in Anbetracht der desolaten Kassenlage auf 30,00 DM und bekommt nur noch 90,00 DM Futtergeld aus der Vereinskasse. Im Kassenbuch befindet sich ein Schreiben vom 27.01.1964 an den Kreisziegenzuchtverband, in dem der Vorstand darum bittet, die Mitgliedschaft des Ziegenzuchtvereins Mascherode bis auf Weiteres ruhen zu lassen.

Das bedeutete das Ende dieser über Jahrzehnte intakten Selbsthilfeeinrichtung im ehemaligen Dorf Mascherode, während in vielen Harzorten die Harzziege weiter gehalten wird. Ziegenmilch und –käse sind begehrte Produkte, die in kleinen Hofläden angeboten werden. Seit 1992 kümmert sich der Verein zur Erhaltung der Harzkuh und der Harzziege e.V. Bundesländer übergreifend um die Erhaltung dieser Rasse.

Henning Habekost, Heimatpfleger Mascherode