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Germaniabad

Das Germaniabad - Ein vergessener Ort am Rande des Stadtteils Querum

© Thorsten WendtBlick von der Schunterbrücke Wöhrdenweg in Richtung ehem. Bad

Die Natur holt sich zurück, was ihr gehört.

Wer heute den Wöhrdenweg aus Querum in Richtung Schunteraue entlang geht, erahnt nicht einmal mehr, wo sich das Querumer Schwimmbad bzw. die Badeanstalt am Wöhrdenweg befand. Der Wöhrdenweg ist ungefähr 150 Meter hinter der Zufahrt zum ehemaligen „Parkhaus Querum" komplett gesperrt. Seinerzeit war das "Parkhaus Querum" eine der ersten Adressen in Querums Gastronomie, heute ist dort eine Einrichtung der Stiftung Neuerkerode untergebracht. Hier beginnt heute ein Landschaftsschutzbereich.

Ein großer, quer liegender Baum und dahinter dicht gewachsene Sträucher verhindern das Durchkommen zum alten Schwimmbad. Die Natur hat sich diesen Bereich zurückerobert.

Nichts erinnert mehr daran, dass hier einmal in den guten Sommermonaten „das Leben tobte". Zahlreiche Schwimmbadbesucher tummelten sich in diesem Bereich und Kinder badeten im kühlen Nass, spielten und lachten.

Vom gesperrten Bereich sind es nur noch 50 Meter bis zum ehemaligen Germania-Schwimmbad. Für Spaziergänger oder Interessierte sind das unüberwindbare 50 Meter, leider ist der Bereich vor einigen Jahren den Spaziergängern und Radfahrern entzogen worden. Der Weg wurde beidseitig, also auch aus Richtung des benachbarten Stadtteils Schunteraue, aus Gründen des Naturschutzes komplett gesperrt. Früher konnte man vom Wöhrdenweg direkt am alten Schwimmbad vorbei bis in den benachbarten Stadtteil Querum gelangen. Dies war auch in den Jahren, als das Schwimmbad schon lange nicht mehr in Betrieb war, noch möglich.

Das damalige Germaniabad galt in den Jahren seines Betriebes als wichtigstes und auch schönstes Schwimmbad in Norden der Stadt Braunschweig. Noch heute erzählen viele ältere Querumer und ehemalige Querumer Bürger davon, wie sie in den warmen Monaten ins Schwimmbad am Wöhrdenweg baden gegangen sind.

Im Jahre 1908 wurde das Bad als Militär-Schwimmanstalt gegründet und erbaut. Bereits vor dem ersten Weltkrieg erwarb die damals noch eigenständige Gemeinde Querum das Schwimmbad mit dem Ziel, die Nutzung für Personen außerhalb des Militärs zu ermöglichen. Im Jahre 1922 wurde die Anlage an den „Schwimm-Sport-Club Germania 08" verpachtet. Eine große Liegewiese, ein wettkampfgeeignetes 50-Meter-Becken, ein Dreimeter-Sprungturm, ein Einmeter-Sprungbrett sowie zahlreiche Aktionen lockten die Besucher an: Länderkämpfe, Schwimmfeste in den Abendstunden u. a. auch italienische Nächte waren die Attraktion für viele tausend Besucher.

Schwimmunterricht für Militärangehörige fand weiterhin statt. Sogar in den Wintermonaten lernten die Soldaten hier das Schwimmen. Zeitzeugen erzählten, dass das Eis im Becken aufgehackt wurde. Weiterhin berichteten sie vom anschließenden "Rum trinken" in den Umkleidekabinen - von Soldaten liebevoll als "Eisheilige" bezeichnet. Das Schulschwimmen fand ebenfalls im Germaniabad statt, da dort die Möglichkeit bestand, richtig Schwimmen zu lernen.

Im Zuge der nationalsozialistischen Machtergreifung lehnte der Schwimmsportclub Germania e. V. als erstes Schwimmbad in Braunschweig den Besuch von Juden öffentlich ab.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Schwimmanlage nicht nennenswert beschädigt, der Badebetrieb war ohne große Einschränkungen weiterhin möglich. Von der notleidenden Bevölkerung wurden die Holzverkleidungen im Bad nahezu komplett demontiert und verheizt. Der Schwimmverein richtete das Bad wieder notdürftig zum Schwimmen her. Dringend notwendige Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßnahmen waren aufgrund der Beschaffungsprobleme der Nachkriegszeit nicht möglich, sodass die bauliche Erhaltung der Schwimmbadanlage seitens des Vereins scheiterte.

Der Grund für die Schließung im Jahre 1952 war der hohe Verschmutzungsgrad der Schunter, die das Schwimmbad mit Wasser speiste.

Thorsten Wendt

Quellen:
1.) „Querum - Die Geschichte eines braunschweigischen Dorfes", Rolf Siebert, ISBN 3-00-002274-0, Gieselmann, Bielefeld
2.) „Das Querumer Bilderbuch", Rolf Siebert, zusammengestellt im Sommer 1999, Haus der Lebenshilfe Braunschweig