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Schönheit der Stadt

Mit der Aktion "Schönheit der Stadt" im Jahre 1937 sollte das Stadtbild der Stadt Braunschweig verbessert werden.
Fachwerkhäuser erhielten einen neuen Anstrich, Tischler besserten Treppenfriese und Figurenknaggen aus oder legten sie frei, nachdem sie Jahrzehnte hinter Bretterverschalungen verschwunden waren; Steinmetze und Bildhauer erneuerten Fratzen und Gesichter wie z.B. am Gewandhaus.

Ganze Straßenzüge, nicht nur einzelne Häuser, wurden renoviert. Die Stadt Braunschweig ging bei dieser Maßnahme mit gutem Beispiel voran und setzte im Haushalt 1937 einen Betrag von 600.000 Reichsmark für Zwecke der Stadtbildverschönerung ein.

Die mittelalterliche Innenstadt Braunschweig mit ihren ca 800 Fachwerkhäusern stellte sich nun in neuer Schönheit dar.

In den neu erbauten Siedlungen gab es keine alten Fachwerkhäuser, die man wieder neu herrichten konnte. Es gab auch keine alten Haustüren mit kunstvoll geformten Bändern aus Eisen oder schmiedeeiserne Türen, die von den Handwerkern nach oft mühevoller Arbeit in alter Schönheit erstrahlten. Schmiedeeiserne „Aushänger“, die als gewerbliche Zeichen (Zunftzeichen) auf ein bestimmtes Handwerk hinweisen, suchte man in den Siedlungen vergebens. Welche Möglichkeiten gab es, in den Siedlungen das Gesamtbild zu verbessern oder die Eintönigkeit der neuen Siedlungen zu vermeiden? Konnte mit einer farblichen Gestaltung der Siedlungshäuser das schlichte Gesamtbild freundlicher werden?

Beim Bau der Siedlung sollte das schöne Aussehen bereits durch eine Gemeindeplanung erreicht werden, die Rücksicht nahm auf bodenständige Bauweise unter Anpassung an landschaftliche Gegebenheiten. Die wirtschaftliche Planung musste dennoch eingehalten werden, denn nur durch die Wirtschaftlichkeit, bei Anwendung gewisser einheitlicher Grundtypen, war es möglich eine Siedlerstelle zu erträglichen finanziellen Bedingungen zu schaffen.

Bei den parteiamtlichen Richtlinien für die Heimstättensiedlung – bekannt gegeben vom damaligen Leiter des Reichsheimstättenamtes der DAF Dr. Ing. Ludowici – hieß es u.a.: Durch eine lebendige Linienführung bei der Anlage von Wegen, Straßen und Plätzen lässt sich in diesem Sinne fast mit einem einzigen Haustyp schon ein so eindrucksvolles aber auch andererseits geschlossenes Bild erreichen, dass der Besucher gar nicht auf den Gedanken kommt, es hierbei mit einheitlichen Bauten zu tun zu haben.

Die Mischung von Eigenheimen, Siedlerstellen, Volks- und Mietwohnungen verhinderte, dass die „Lehrsiedlung Mascheroder Holz“ – wie sie beim Baubeginn im Jahre 1936 genannt wurde – eine eintönige Siedlung geworden ist.

Auch der Marktplatz hat mit seiner Bauweise ebenfalls dazu beigetragen. Das aus Bruchsteinen erbaute Gemeinschaftshaus überragte als beherrschendes Bauwerk die Siedlung und bildete mit den am Marktplatz errichteten Wohn- und Geschäftshäusern ein harmonisches Gesamtbild. Bei den hier gebauten zweigeschossigen Häusern hat das Erdgeschoß massive verputzte Außenmauern; das Obergeschoß ist in Fachwerk gestaltet. Um das architektonisch harmonische Gesamtbild nicht zu stören, wurden die Dachgauben einheitlich verschiefert, Grate und Firste mit Schieferleisten eingedeckt. Dazu gehörte auch, dass die Dachdeckung des Gemeinschaftshauses und der Häuser am Marktplatz einheitlich mit Braunschweiger Krempziegeln erfolgte.

Beim Bau der Siedlung Mascheroder Holz wurden eine Reihe verschiedener Haustüren (20 Typen), Dachgauben, Fensterdetails, von Haus zu Haus wechselnd, verwandt. Verschiedene Putzarten, von den einzelnen Handwerkern entwickelt, trugen neben der farbigen Behandlung der Häuser zur Belebung des Straßenbildes bei. Hin und wieder wurde eine Haustür mit einem malerischen Schmuck, der Hausnummer und dem Namen des Besitzers versehen; auch mitunter durch ein Ornament am Giebel. Auf die Giebelseite des Grundstücks Robert-Ley-Straße 15 (jetzt Griegstraße 15) hatte man den Plan der Siedlung mit den Straßennamen aufgezeichnet. Bei der farbigen Ausgestaltung der Siedlung zog man den Sieger des Reichsberufswettkampfes 1937, Malermeister Alwin Graßhoff heran. Er hat die Farbgebung sowohl ganzer Straßen als auch einzelner Glieder angegeben.

Drüber hinaus wurden auch viele Einzelheiten durch ihn selbst oder durch Schüler ausgeführt, z.B. Hauszeichen, die auf den Beruf des Besitzers hinweisen, ferner Schrift- und Berufszeichen des betreffenden Handwerks an Geschäften. Der Durchgang vom Marktplatz nach dem Karrenkamp hatte eine gemalte Decke mit Blatt- und Blumenornamenten.

Von den hier aufgeführten Ornamenten an den Giebeln, dem malerischen Schmuck an den Haustüren, von den Hauszeichen oder den Berufszeichen an den Geschäften ist heute nichts mehr zu sehen. Es wurde alles nach dem Kriege übermalt. Die Decke am Durchgang zum Karrenkamp ist braun gestrichen.

Bäume und Büsche schmücken jetzt mit den gepflegten Vorgärten die Siedlung. Um- und Anbauten der Häuser nach dem Kriege haben das schlichte und einfache Bild der Siedlung aufgelockert. Vielfach ist der Bautyp der Häuser kaum noch zu erkennen. Die Häuser haben ihr „eigenes Gesicht“ bekommen.

Text Wilhelm Lehmann
Ortsheimatpfleger