Statistisches in der Presse 2005
Es ist bereits 16 Jahre nach der Grenzöffnung zur DDR und 15 Jahre nach der Wiedervereinigung. Am 1. Januar 2002 werden in 12 von 15 Staaten der EU („Eurozone“) die Einzelwährungen durch den EURO ersetzt. Reisen quer durch Europa gewinnt eine völlig neue Qualität. Großbritannien, Dänemark und Schweden treten der Eurozone allerdings nicht bei. Vor knapp einem Jahr wird die große Erweiterung der Europäischen Union von 15 auf 25 Mitgliedstaaten vollzogen, zu der erstmals auch osteuropäische Staaten gehören.
Das, was der Stadt Braunschweig der Fall des „eisernen Vorhangs“ bereits im Vorfeld und unmittelbar danach zunächst an Einwohnerzuwachs beschert hat (rund + 5.000), hat die Stadt in nahezu vierfachem Umfang in den 90er Jahren in Form von Stadt-Umland-Wanderung wieder an Einwohnern verloren (- 18.600). Der starke Einwohnerverlust konnte erst zur Jahrtausendwende auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Ende 2004 kann erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder ein Bevölkerungsanstieg verzeichnet werden. Aufgrund der Eingemeindungen im Jahre 1974 umfasst das Stadtgebiet nun 192,1 qkm und es leben rund 240.000 Einwohner (= 1.249 E./qkm) in der Stadt.
Nach den für die Stadt schwierigen 60er und 70er Jahren ist es Braunschweig mit der Landesausstellung „Stadt im Wandel“ 1985 gelungen, sein bis dahin noch durch großflächige Baulücken und Kriegswunden gebeuteltes Aussehen der Innenstadt abzustreifen und sich ein modernes Erscheinungsbild zu geben. Die Entscheidung, die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover durchzuführen, gibt den Entscheidungsträgern in der Stadt Mut und Schub zur Errichtung neuer Bauten (ÖPNV-Terminal am Hauptbahnhof, Volkswagenhalle) und zur weiteren Aufwertung des Stadtbildes (Stadteinfahrten, Fußgängerzone).
Das jüngste und größte Entwicklungsprojekt, das unzweifelhaft nachhaltigen Einfluss auf die Attraktivität und das Erscheinungsbild der Innenstadt haben wird, ist die im Zusammenhang mit der Errichtung eines 35.000 qm großen Shopping Centers vorgesehene Rekonstruktion der Fassade des ehemaligen Residenzschlosses im Schlosspark einschließlich grundlegender Umgestaltung des Bohlwegs und der Georg-Eckert-Straße.
Die Anfang 2003 neu gewählte Landesregierung schafft im Sommer 2004 die vor rund 30 Jahren neu eingeführte „Orientierungsstufe“ (5. und 6. Schuljahr) wieder ab. 2005 ist das Jahr, in dem die Verwaltungsreform des Landes Niedersachsen in Kraft tritt. Damit werden die vier Bezirksregierungen und die Regierungsbezirke des Landes, mithin auch die Bezirks-regierung Braunschweig, als einheitlich organisierte staatliche Mittelinstanz formal aufgelöst. Die Verwaltungseinheiten, die nicht völlig aufgelöst oder auf die kreisfreien Städte und die Landkreise verlagert werden, agieren nun als „Regierungsvertretung“. In Braunschweig selbst steht eine Reduzierung der Zahl der Stadtbezirke von derzeit 20 – von 1981 bis 1996 waren es 22 – auf voraussichtlich 13 oder noch weniger Stadtbezirke an. Die Details werden im Laufe dieses Jahres zu der in 2006 stattfindenden Kommunalwahl geklärt.
Das Denken und Handeln über die engeren Stadtgrenzen hinaus fällt im politischen Alltag zunehmend ins Gewicht. Soeben haben die sieben Gebietskörperschaften der Region Braunschweig gemeinsam mit den maßgeblichen Wirtschaftsunternehmen aus der Region die Projekt Region Braunschweig GmbH gegründet, mit dem Ziel, in den kommenden zehn Jahren zwischen 10.000 und 12.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Im Zuge der europäischen Integration gewinnen auch überregionale Zusammenschlüsse, wie der zur Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen, zunehmend an strategischer Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Region im Geflecht der europäischen Wirtschaftsregionen nachhaltig zu sichern.
Das 1985 bundesweit erreichte Stimmungstief in der Wirtschaft und in den Städten wurde aufgrund der 1990 erfolgten Wiedervereinigung durch eine Phase mit neuer Entwicklungsdynamik abgelöst. Im Jahr 2005 treten jedoch die grundlegenden Schwierigkeiten von Staat, Gesellschaft und sozialer Marktwirtschaft mehr denn je offen zutage, die sich über einen langen Zeitraum mehr Ausgaben leisteten als an Einnahmen tatsächlich hereinkamen. Wirtschaftsstruktureller Wandel, Globalisierung der Wirtschaft mit der Folge anhaltend hoher Arbeitslosigkeit und der parallel stattfindende demografische Wandel - die Überalterung der Gesellschaft, der Nachwuchsmangel und die Prognosen über die Schrumpfung der Bevölkerung Deutschlands – beherrschen zunehmend die Schlagzeilen.