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Smarte Mobilität

Bei Smarter Mobilität geht es darum, Mobilitätsarten und -services nutzerfreundlich und digital zur Verfügung zu stellen. Im Fokus steht hier die Beförderung von Bürgerinnen und Bürgern. Nachfolgend werden ausgewählte Smart Mobility-Projekte der Stadt Braunschweig vorgestellt.

Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge

© 2016 Stadt Braunschweig/ Foto: Daniela Nielsen

Die Stadt Braunschweig treibt den Aufbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge stetig voran. Es ist geplant, eine Konzession für die Errichtung und den Betrieb von Ladeinfrastruktur für Elektromobilität im öffentlichen Raum in Braunschweig auszuschreiben. 

Basierend auf Studien und Prognosen von Experten entwickelte die Verwaltung ein Basis-Szenario (konservative Zunahme an E-Pkw) und ein Plus-Szenario (optimistische Zunahme an E-Pkw). Berücksichtigt wurde auch, dass E-Pkw ihren Energiebedarf nur zu einem geringen Teil im öffentlichen Raum decken. Deutschlandweit geht man von etwa zehn Prozent des Gesamtladebedarfs aus – in Braunschweig wird aufgrund lokaler Randbedingungen von Quote von 16 Prozent ausgegangen. Aus Erfahrungswerten mit bestehender öffentlicher Ladeinfrastruktur in Braunschweig und anderen Städten wurde außerdem ermittelt, wie viele Stunden pro Tag ein E-Pkw zum Laden an einem Ladepunkt Energie bezieht.

Um den jährlich steigenden Bedarf an Ladepunkten, deren Bereitstellung nicht Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge ist, in eine vertraglich handhabbare Ausbauverpflichtung zu überführen, hat die Verwaltung Zielmarken von 200 Ladepunkten bis Ende 2024, 400 Ladepunkten bis Ende 2026 und optional 500 Ladepunkten bis Ende 2028 definiert. Neben dem überwiegenden Anteil an Normalladepunkten sind hierin auch Schnellladepunkte mit mindestens 50 Kilowatt Ladeleistung enthalten.

Um eine flächendeckende Versorgung des Stadtgebiets mit öffentlichen Ladepunkten sicherzustellen, wurden auf Grundlage der Analyse der Stadtstruktur 21 Suchräume definiert, innerhalb derer durch den Betreiber im Rahmen der ersten Zielmarke jeweils mindestens zwei Ladepunkte zu errichten sind.  Die Planung der weiteren Ladepunkte der ersten Zielmarke sowie der Standorte der weiteren Zielmarken erfolgt durch den Betreiber, welcher hierbei vorrangig die tatsächliche Nachfrage und somit die Ertragsaussichten berücksichtigen wird.

Echtzeit-Anzeiger

© Regionalverband Großraum Braunschweig

Bis zum Jahr 2022 wird im Großraum Braunschweig ein Echtzeit- Fahrgastinformationssystem eingeführt. An insgesamt 457 Haupteinstiegshaltestellen im Verbandsgebiet können die Fahrgästekünftig die nächsten Abfahrten auf einem dynamischen Fahrgastinformationsanzeiger (DFI-Anzeiger) verfolgen. Auch über kurzfristige Störungen im Betriebsablauf oder Baustellen wird von den Verkehrsunternehmen in der Region über die DFI-Anzeiger informiert. So verbessert sich die Fahrgastinformation erheblich und der ÖPNV gewinnt an Attraktivität.

Auf den Bordrechnern aller Fahrzeuge der BSVG sind die Fahrpläne und damit die Soll-Zeiten jeder Fahrt hinterlegt. Startet das Fahrzeug seine Tour, meldet der Rechner die aktuelle Position beziehungsweise die Abweichung vom Fahrplan an die Leitstelle. Über eine entsprechende Schnittstelle überträgt diese dann die Daten an die sogenannte Datendrehscheibe des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (VBN) in Bremen. Von dort laufen sie an den DFI-Server des VBN und anschließend weiter an die 242 DFI-Anzeiger in Braunschweig. Alle DFI-Anzeiger werden außerdem über ein Modul zur Sprachausgabe (Text-to-Speech-Modul) verfügen, sodass das Angebot auch von sehbehinderten Fahrgästen genutzt werden kann.

Flexibles Beförderungsangebot Flexo

© Regionalverband Großraum Braunschweig

Um die Lücken im ÖPNV vor allem in den eher ländlich und suburbanen geprägten Regionen zu schließen und ein attraktives Bedienungsangebot vorhalten zu können, sollen neben den klassischen Linienangeboten zukünftig verstärkt digitalgestützte, flexible Bedienformen zum Einsatz kommen.

Diese „On-Demand-Verkehre“ erfordern eine vorherige Buchung mittels Telefon, Internet oder App und werden auf der Basis eingegangener Bestellungen disponiert. Der Regionalverband Großraum Braunschweig ist Aufgabenträger für den ÖPNV in der Region und bündelt die neue Angebotsform unter der Projektbezeichnung „flexo“.
In einer Einführungsphase von Herbst 2021 bis 2022 werden insgesamt 32 Kleinbusse im gesamten Verbandsgebiet eingesetzt. In 2022 werden auch die Braunschweiger Ortsteile Waggum, Bevenrode und Hondelage eine Anbindung an einen On-Demand-Verkehr im Raum Lehre erhalten.

Auch innerhalb des Stadtgebiets Braunschweig wird die Einführung von „On-Demand-Verkehren“ unter der Marke „flexo“ geprüft. Dazu wird in 2022 ein Konzept entwickelt, das Ziele und geeignete Einsatzgebiete in Braunschweig aufzeigen wird. Das Konzept soll Anfang 2023 erstmalig vorgestellt werden.

Handyparken

© Stadt Braunschweig/ Foto: Daniela Nielsen

In Braunschweig wurde das Handyparken als zusätzliche Bezahlmethode für das Parken auf öffentlichen, zuvor ausschließlich mit Parkscheinautomaten bewirtschafteten Stellplätzen eingeführt. Neben dem komfortablen Verzicht auf die Bezahlung mit Kleingeld bietet die Technologie des Handyparkens die Möglichkeit, weitere attraktive Servicefunktionen zu nutzen. So kann beispielsweise eine automatische Erinnerung rechtzeitig vor Ablauf der Parkzeit auf das Smartphone der Nutzerin oder des Nutzers zugestellt werden oder die gebuchte Parkzeit aus der Ferne verlängert werden.

Mobilitäts-App

© Philipp Ziebart

Im ÖPNV in der Region Braunschweig ist es mit einem Papierfahrschein bereits möglich, alle Angebote von Bahn, Stadtbahn und Bus in der Region zu nutzen. Diese Option soll um Angebote für Leihfahrräder und Carsharing, Parkhäuser und die Infrastruktur zum Aufladen von Elektrofahrzeugen erweitert werden. Damit einhergehend soll die Digitalisierung die praktische Nutzung der Angebote erleichtern und neue Bezahlsysteme ermöglichen. Mit Karte oder Mobiltelefon wird der Zugang zu den Fahrzeugen gewährt.

Das digitale Ticketing-System im Verkehrsverbund Großraum Braunschweig (VRB) ist mit Launch einer neuen App des VRB im Dezember 2020 in der 1. Ausbaustufe umgesetzt worden. Im Januar 2021 hat die BSVG ihre systemgleiche App MEINE BSVG an den Start gebracht. Apps und VRBTicketsystem werden fortlaufend aktualisiert und erweitert. Das Ticketsystem bietet seit Mai 2021 die 6er-Mehrfahrtenkarte an, seit Oktober auch die neue 8er-Mehrtageskarte. Im Herbst folgt noch ein Update der Zahlarten, so dass neben Lastschrift und Kreditkarte dann auch PayPal und Prepaid angeboten und damit insbesondere jungen Nutzern der eigenständige digitale Ticketkauf ermöglicht.

Es ist geplant, als nächstes neue Funktionen der Fahrplanauskunft wie Push-Meldungen und eine „Schutzengelfunktion“ (= Reisebegleitung für ausgewählte Fahrten) umzusetzen. Parallel wird weiter an der Optimierung für barrierefreie Nutzung gearbeitet. Künftig werden ein Single-Sign-On-System mit zentralem Login für den digitalen Vertrieb und das neue VRB Abo-Online folgen, das in seiner Grundfunktionalität perspektivisch die Integration weiterer Anbieter zulassen soll.