Pocketpark Bäckerklint

Dieses Projekt ist Teil des E+E-Verbundvorhabens „Regionale Blau-Grüne Infrastruktur in Stadtregionen“. Ziel des Vorhabens ist die Erprobung und Entwicklung Blau-Grüner Infrastruktur im Großraum Braunschweig als Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels mit einem Fokus auf den Umgang mit Wasser vor Ort im Sinne des Schwammstadt-Prinzips. Blau-Grüne Infrastruktur soll sichtbar und erlebbar gemacht und für eine aktive Freiraumentwicklung genutzt werden.

Koordiniert durch den Regionalverband Großraum Braunschweig werden in den Jahren 2025 bis 2030 Modellprojekte an zehn Standorten in der Region gemeinsam mit lokalen Projektpartnern entwickelt und umgesetzt. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Hochschule Osnabrück.

Das Vorhaben wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) sowie durch den Regionalverband Großraum Braunschweig.

Im Rahmen des Verbundvorhabens bearbeitet die Stadt Braunschweig das Teilprojekt „Pocketpark Bäckerklint – Verbesserung innerstädtischer Lebensraumfunktionen durch Entsiegelung, Begrünung und angepasstes Regenwassermanagement“, das einen Beitrag zur klimaresilienten und naturnahen Stadtentwicklung leisten soll.

Stadtplankarte mit Markierung Projektgebiet© Stadt Braunschweig, Referat Grün- und Freiraumplanung

Projektgebiet

Der Bäckerklint liegt zwischen der Haupteinkaufszone mit dem Fußgängerbereich und den stadtgeschichtlich wie touristisch bedeutenden Grün- und Parkanlagen am Okerumflutgraben (Wallring). Er wird südlich über die Breite Straße und die Scharrnstraße sowie nordöstlich über die Einbahnstraße An der Petrikirche erschlossen. Im weiteren Umfeld verlaufen die Güldenstraße und die Gördelingerstraße als wichtige Nord–Süd-Achsen westlich bzw. östlich des Platzes. Nur wenige Hundert Meter südlich schließt sich, in Verlängerung der Breiten Straße, der Altstadtmarkt an.

Der Bäckerklint ist von der stark befahrenen vierspurigen Güldenstraße erreichbar. Mehrere alte Linden prägen den Raum, darunter drei markante Bäume am Till-Eulenspiegel-Brunnen, die den ansonsten völlig versiegelten Platz alleinig akzentuieren.

Der Straßenraum ist nahezu vollständig versiegelt und wird überwiegend durch den fließenden und ruhenden Kfz-Verkehr genutzt. Die vorhandenen Verkehrsflächen sind im Verhältnis zum tatsächlichen Verkehrsaufkommen deutlich überdimensioniert. Kleine Entsiegelungsmaßnahmen im Bereich der drei Linden wurden bereits 2023 zur Stärkung ihrer Vitalität umgesetzt. Insgesamt befinden sich im Umfeld mehrere PKW-Stellplätze, darunter zwei Behindertenstellplätze. Zusätzlich stehen zehn Fahrradbügel sowie eine Abstellfläche für E-Roller zur Verfügung.

Ideenskizze© Stadt Braunschweig, Referat Grün- und Freiraumplanung / Marén Gröschel

Ziele und Maßnahmen

Das Teilprojekt in Braunschweig will in einem stark versiegelten und  überdimensioniert verkehrstechnisch bestimmten Bereich der Innenstadt grüne Freiräume schaffen, die u. a. die Lebensqualität der Bevölkerung durch neue Aufenthaltsräume steigert. Gleichzeitig wird auch das Lokalklima verbessert und den innerstädtischen Hitzeinseln entgegengewirkt. Zentrale Fragen der Projektidee sind ein zeitgemäßer Umgang mit anfallendem Regenwasser im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten sowie die Einführung neuer Baumstandards und die Verwendung klimaverträglicher Arten sowie zusätzliche Begrünungsmaßnahmen und Beschattung, wo diese umsetzbar sind. 

In verdichteten Innenstädten ist bereits heute der Klimawandel durch vermehrt auftretende Hitzetage und Tropennächte besonders stark spürbar. 

Regenwasser kann auf den überwiegend versiegelten Flächen derzeit nicht versickern und in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Grundwasserstände können nicht erneuert werden. Das Risiko steigt, dass es bei starken Regenereignissen zu örtlichen Überschwemmungen kommt, da die Kanalisation die oberflächlich abfließenden Wassermassen zunehmend nicht fassen kann. Die Stadtbäume leiden gleichzeitig unter der zunehmenden Trockenheit, zumal auch der Grundwasserspiegel sinkt. Es wird daher auch mehr natürlicher Speicherraum für Wasser benötigt. Wertvolles Regenwasser in die Kanalisation abzuleiten, ist nicht mehr zeitgemäß. 

Die Kombination aus stärkerer Begrünung, mehr Verschattung, mehr Verdunstung sowie höherer Entsiegelung und damit einhergehend auch mehr Versickerung bietet das Potential, in Braunschweig langfristig auch ein gesünderes Stadtklima zu schaffen.

Die Stärkung der Biodiversität ist ein weiterer wichtiger Beweggrund. Sie wird durch vielfältige und artenreiche Begrünungsmaßnahmen unterstützt. Hierzu kann die Realisierung von Pocketparks auf derzeit versiegelten Flächen ebenfalls beitragen. Durchgrünte Städte sind resilienter hinsichtlich der Folgen des Klimawandels mit zunehmender Überhitzung.

Das Projekt ist Teil einer Zusammenarbeit der drei Oberzentren Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg im Großraum Braunschweig. Gemeinsam möchten sie ihre Stadtentwicklung stärker an die zeitgemäßen Notwendigkeiten im Umgang mit Regenwasser ausrichten, Versiegelungen reduzieren und die Lebensqualität erhöhen. Eine modernere, grünere Gestaltung wirkt sich zudem positiv auf das Stadtimage aus und kann auch wirtschaftlich positive Effekte nach sich ziehen, indem die Lebens- und Aufenthaltsqualität für Bewohner*innen und Besucher*innen gesteigert wird.

Damit die Ziele erreicht werden, arbeiten die beteiligten Kommunen eng zusammen. Verwaltungsteams tauschen sich regelmäßig aus, harmonisieren Abläufe und entwickeln langfristige Strukturen. Diese Zusammenarbeit kann künftig auch weitere Städte in der Region einbinden und stärkt den gesamten oberzentralen Verbund.


Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen
  • Stadt Braunschweig, Referat Grün- und Freiraumplanung
  • Stadt Braunschweig, Referat Grün- und Freiraumplanung / Marén Gröschel