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Kinderarmut in Braunschweig

Was heißt Kinderarmut in Deutschland?

Kinderarmut ist immer auch Familienarmut! Der Armutsbegriff umfasst mehrere Facetten:

  • Materielle Versorgung – Grundversorgung mit Nahrung, Kleidung, Wohnen
  • Kulturelle Versorgung – Bildung, Sprache, Beteiligung
  • Soziale Situation – familiäre und soziale Kontakte und Teilhabe
  • Psychische sowie physische Versorgung – Gesundheitszustand, körperliche und geistige Entwicklung

Kinderarmut beschränkt häufig ein Aufwachsen in Wohlergehen und erschwert, dass Kinder ihre Potenziale und Ressourcen angemessen entwickeln können.

Nach Definition der Europäischen Union gilt als arm, wer über weniger als 60 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens im jeweiligen Land verfügt. Man spricht deshalb auch von relativer Einkommensarmut.

Das Präventionsnetzwerk in Braunschweig versteht diejenigen Familien als arm, die staatliche Leistungen zu ihrer Existenzsicherung beziehen (Leistungen des SGB II/XII, des Asylbewerberleistungsgesetzes, Wohngeld und Kinderzuschlag) oder ein niedriges Einkommen in entsprechender Höhe beziehen, ohne staatliche Leistungen zu beantragen.

Nicht nur Arbeitslosigkeit der Eltern, auch Niedrigeinkommen und Dauer-Teilzeitbeschäftigungen führen häufig dazu, dass neben dem Arbeitsentgelt ergänzende staatliche Führsorgeleistungen bezogen werden müssen.

Der Großteil der in Armut lebenden Kinder lebt bei alleinerziehenden Müttern/Elternteilen. Kinderarmut betrifft häufig Mehr-Kind-Familien und Familien mit Migrationshintergrund.

Weiterführende Links: Stoppt Kinderarmut - Internetseite von der Bertelsmann-Stiftung (Öffnet in einem neuen Tab)

Kinderarmut hat viele Gesichter

Wie erleben zum Beispiel pädagogische Fachkräfte in ihrem beruflichen Alltag Kinderarmut? Sie nehmen bei den Kindern aus sozio-ökonomisch belasteten Familien häufig Folgendes wahr:

Fehlendes Frühstück, keine Pausenbrote, klimatisch unangemessene Bekleidung, fehlende materielle Ausstattung, geringe Elternbeteiligung, keine Kindergeburtstagsfeiern, kein Familienurlaub, wenig Erlebnisse im Freizeitbereich, höhere Selbstzweifel, erhöhter Medienkonsum, Rückzug aus der Bezugsgruppe…

  • Arme Kinder erleben häufiger Mangel und Verzicht.
  • Arme Kinder erleben häufiger multiple Belastungen, auch in der Familie.
  • Arme Kinder durchlaufen häufiger problematische Bildungsbiographien.
  • Arme Kinder verfügen über einen schlechteren Gesundheitszustand.
  • Arme Kinder wachsen sozial isolierter auf.
  • Arme Kinder nehmen seltener an formalen und non-formalen Bildungsangeboten teil.
  • Arme Kinder haben weniger aktivierende Vorbilder.
  • Arme Kinder nehmen seltener an Freizeitaktivitäten teil.

Weiterführende Links: Filmische Darstellung von Gründen von Kinder- und Familienarmut - Beethoven Gymnasium Berlin (Öffnet in einem neuen Tab)

Kinder brauchen Schutzfaktoren

Damit die möglichen Folgen der gelebten Armut bei Kindern gelindert bzw. verhindert werden, können Schutzfaktoren aufgerufen werden.

Schutzfaktoren können im Kind selbst vorhanden sein, in der Familie, im sozialen Umfeld sowie in den Bildungseinrichtungen. Die Arbeit des Präventionsnetzwerkes und des Beirats gegen Kinderarmut in Braunschweig konzentriert sich auf die Stärkung und Unterstützung dieser Schutzfaktoren. Sie initiieren und begleiten vorwiegend strukturelle Maßnahmen und Projekte im kommunalen Kontext.

Stadt Braunschweig

Koordination Kinderarmut

Annette Rueß

Anschrift

Schuhstraße 24
38100 Braunschweig