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Stadtmodell um 1218

© Rekonstruktionsversuch Elmar Arnhold, Modellbau Matthias Wöhlke; im Landesmuseum ausgestelltStadtmodell um 1218

Das Modell zeigt einen Rekonstruktionsversuch der heutigen Innenstadt Braunschweigs zur Zeit Ottos IV. von Braunschweig (um 1175/76 – 1218).

Das mittelalterliche Braunschweig besteht aus fünf sukzessive entstandenen Weichbilden. Diese Weichbilde, eigenständige Teilstädte und Rechtsbereiche, sind jeweils mit eigenen Pfarrkirchen und, seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, entsprechend auch mit eigenen Rathäusern ausgestattet.

Im Zentrum der Gesamtstadt befindet sich die Burg mit der Stiftskirche, welche unter Herzog Heinrich dem Löwen (um 1129/30 – 1195) im letzten Viertel des 12. Jahrhundert auf einer bereits vorhandenen Burgstelle entstanden ist. Die mit einer Ringmauer versehene Burg Dankwarderode ist durch einen vom innerstädtischen Okerlauf abgezweigten Graben gesichert. Unmittelbar neben dem Palas erhebt sich die ehemalige Burgkapelle St. Georg und St. Gertrud. Die Rekonstruktion der östlich der Stiftskirche gelegenen Bebauung ist an den Grabungsbefunden Ludwig Winters (1843 - 1930) orientiert, jedoch im Einzelnen ebenso hypothetisch wie die Nebengebäude innerhalb der Burg.

Deutlich erkennbar ist die differenzierte Anlage der hochmittelalterlichen Stadt mit ihren unterschiedlichen Weichbilden. Dies wird anhand der Struktur des seiner Zeit bestehenden Befestigungssystems besonders klar. Die beiden führenden Weichbilde, die Altstadt (im Südwesten der Gesamtstadt) und der Hagen (im Nordosten) zeigen noch ihre eigenen Befestigungsanlagen aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Die Altstadt beinhaltet mit dem Bereich um Kohlmarkt und Eiermarkt eine der frühen, auf die Zeit vor 1000 zurückgehenden Siedlungszellen der Stadt. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts entwickelt sich die Altstadt dynamisch, mit den Ersterwähnungen von St. Michaelis 1158 und St. Petri 1196 ist der zeitliche Rahmen der Aufsiedlung abgesteckt. Der Grundriss lässt eine planmäßige Anlage großer Teile der Altstadt erkennen, dies gilt besonders für die rechteckige Platzform des Altstadtmarktes.

Das auf Initiative Heinrichs des Löwen um 1160 gegründete Weichbild Hagen stellt sich als planmäßig angelegte Neusiedlung auf bisher unbebautem Terrain dar. Zur Erschließung des teilweise im Feuchtgebiet der Okerniederung gelegenen Geländes waren Siedler aus den Niederlanden und Flandern angeworben worden. Der Stadtgrundriss des Hagen zeigt Ähnlichkeit zur Situation in der Altstadt, wirkt jedoch klarer.

Mit der unter Otto IV. geschaffenen Gesamtbefestigung werden auch die Altewiek mit dem 1115 gegründeten Ägidienkloster sowie die gerade im Aufbau befindliche Neustadt ummauert.

In der im Südosten der Gesamtstadt gelegenen Altewiek befindet sich eine weitere Keimzelle Braunschweigs. Die 1031 datierte Weiheurkunde der Magnikirche dokumentiert die erste schriftliche Erwähnung Braunschweigs („Brunesguik“).
Mit der ab ca. 1200 erfolgten Anlage der Neustadt ist auch im Nordwesten ein verteidigungstechnisch günstiger Umriss der Gesamtstadt erreicht. Im Grundriss ist die Neustadt von drei fächerförmig aufgespannten Straßen und einen langgestreckten Platzraum (Wollmarkt/Alte Waage) gekennzeichnet.

Die in der Gesamtbefestigung Ottos IV. enthaltenen 12 äußeren Stadttore können als ideelle Gleichsetzung der Stadt mit dem Himmlischen Jerusalem interpretiert werden.
In die Rekonstruktion der Wohnbebauung sind zwar Erkenntnisse der archäologischen Forschung eingeflossen, die Masse der Gebäude ist jedoch frei rekonstruiert. Dabei wird anhand der Besiedlungsdichte der Entwicklungsstand der Weichbilde verdeutlicht. So sind der Bereich westlich der Burg (das spätere Weichbild Sack), der südliche Hagen und die Neustadt in einem frühen Bebauungsstadium dargestellt.
Für die Kirchenbauten ist eine Rekonstruktion des jeweiligen Bauzustandes (z.B. unvollendete Westbauten bei der Stiftskirche, St. Martini und Katharinen) oder der Vorgängerbauten (z.B. St. Andreas) erfolgt.