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Aktuelles & Pressebereich

© Städtisches Museum Braunschweig, H. Pahlmann, Beim Frühschoppen, um/vor 18894, Öl auf Leinwand


Königlicher Besuch aus Kamerun am Städtischen Museum Braunschweig

 

Vom 11.-15.07.2022 war Seine Majestät, König Fontem Asabaton Njifua, mit einer Delegation von acht Personen am Städtischen Museum Braunschweig zu Besuch. Anlass des Besuchs sind 46 Gegenstände aus dem Bangwa Königreich «Lebang», die zur deutschen Kolonialzeit nach Braunschweig gelangten. Der in Schöningen geborene und später in der deutschen Kolonie Kamerun als Offizier der Kolonialarmee stationierte Kurt Strümpell (1876-1947) übergab die Objekte dem Städtischen Museum im Jahr 1902.

 

Seit 2019 wird die ethnographische Sammlung aus Kamerun am Städtischen Museum im Rahmen des von der VW-Stiftung geförderten Verbundprojekts PAESE (Provenienzforschung in Aussereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie Niedersachsen) erforscht. Die Projektmitarbeiterin Isabella Bozsa fand heraus, dass sich der Kolonialoffizier Strümpell die Bangwa-Sammlung im Rahmen von gewaltsamen Militäraktionen zur Festigung der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun aneignete. Mit Hilfe von Archivmaterial konnte sie drei Objekte – zwei Zeremonialstäbe und ein Prestigeschwert – auf den damaligen Bangwa-Herrscher Fontem Asunganyi (ca. 1870-1951) als Vorbesitzer zurückführen. 

 

Mit einem kooperativen Forschungsansatz baute Isabella Bozsa Kontakt zu Nachfahren von Fontem Asunganyi bzw. Repräsentanten des heutigen Bangwa-Königreichs auf. Im Sommer 2021 besuchte Chief Charles Taku als erster das Museum. In diesem Jahr folgte Seine Majestät persönlich mit weiteren acht Delegationsmitglieder, die neben Kamerun auch aus der internationalen Diaspora anreisten. Die Sichtung der Objekte war hoch emotional und ein historischer Moment der Wiedervereinigung der Bangwa mit einem Teil ihres als verloren geglaubten kulturellen Erbes. Der König und die Delegation identifizierten ihr Königreich als Herkunft der Objekte und fordern sie nun zurück.

 

Gekrönt wurde der historische Moment des Besuchs des Königs der Bangwa, Asabaton Fontem Njifua, mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Braunschweig. Dem Besuch des Königs und der Delegation ging eine Korrespondenz zwischen dem König und dem Oberbürgermeister von Braunschweig, Thorsten Kornblum, voraus.


Foto bei der Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse der Ovambanderu-Delegation aus Namibia, im Mittelpunkt ist der Patronengurt zu sehen© Städtisches Museum Braunschweig, Dirk Scherer

Aufsehenerregende Neuigkeiten aus unserer Ethnologischen Sammlung

Anfang November 2021 hatten wir eine Delegation der Gemeinschaft der Ovambanderu aus Namibia zu Gast. Die Delegation untersuchte einen Patronengurt aus unseren Beständen. Die Vermutungen bestätigten sich im Laufe der Untersuchung: Der Gurt gehörte dem Ovambanderu-Oberhaupt Kahimemua Nguvauva, einem namibischen Nationalhelden. 

Der Patronengurt wurde Kahimemua vor dessen Exekution durch die deutschen Kolonialtruppen 1896 nach der Niederschlagung eines Aufstands im damaligen Deutsch-Südwestafrika von einem aus Braunschweig stammenden deutschen „Kolonialherrn“ abgenommen. Das Objekt steht so für einen kolonialen Gewaltkontext.

 

Foto des Patronengurts© Städtisches Museum Braunschweig, Dirk Scherer

Für die Ovambanderu hat der Gurt eine enorm große historische und spirituelle Bedeutung. Dies betonte auch der Sprecher der Delegation, Freddy Nguvauva, ein Nachfahre Kahimemuas. Wenn der Rat der Stadt Braunschweig zustimmt, kann das Objekt nun restituiert werden.  

Der Gurt ist nicht nur ein Zeugnis kolonialen Unrechts. Er ist auch Symbol eines Neuanfangs. Aus unseren Kontakten hat sich inzwischen ein partnerschaftlicher Dialog zwischen den Ovambanderu und dem Museum entwickelt. In unserer ethnologischen Dauerausstellung, die zurzeit neu konzipiert wird, ist ein Bereich vorgesehen, der von den Ovambanderu zu Themen ihrer Geschichte bestückt werden wird. Wir freuen uns auf den Austausch! 

[Veranstaltung fand nach der 2G-Regel statt.]


Der „Arbeiter“ des belgischen Bildhauers George Minne (1911)© Städtisches Museum Braunschweig, Foto: Dirk Scherer

Neuzugänge im Städtischen Museum - Kostbare Skulpturen und Plastiken ergänzen die Sammlung

Im Oktober 2021 hat das Städtische Museum sechs Skulpturen bzw. Plastiken als Dauerleihgabe von "LETTER Stiftung" erhalten.
Dr. Bernd Ernsting, Vorstandsmitglied der in Köln ansässigen Stiftung, übergab Museumsdirektor Dr. Peter Joch die kostbaren, zwischen 1901 und 1929 entstandenen Bildwerke. Die Kunstwerke aus Bronze und Gips ergänzen die Bestände des Museums und sind im zweiten Obergeschoss des Hauses am Löwenwall zu besichtigen.

"LETTER Stiftung" wurde 1993 gegründet und widmet sich der Erforschung der deutschen Bildhauerkunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Graphik um 1900. Ihre reiche Kunstsammlung stellt die Stiftung Museen als Dauerleihgaben und für Ausstellungen zur Verfügung.

Neben dem im Foto abgebildeten "Arbeiter" des Bildhauers George Minne handelt es sich um folgende Werke:

Bildniskopf der Hildegard von Veltheim (1917) von Adolf von Hildebrand
"Mädchenkopf" von Bernhard Hoetger (um 1913)
"Fischotter“ von Max Esser (um 1929)
„Fechter“ von Hugo Lederer  (1901)
„Eva“ von Gottlieb Elsters  (1909)


Vorher – Nachher: Einblick in die Restaurierung einer Zunftlade

Im Besitz des Städtischen Museums Braunschweig befindet sich eine Zunftlade der Böttcher aus dem Jahr 1727. Diese wurde von zwei Studentinnen der Fachhochschule Potsdam im Rahmen der Abschlussarbeit umfangreich restauriert. Das Ergebnis der Restaurierung und ihre ausführliche Dokumentation wurden auf einem Online-Symposion in Potsdam vorgestellt. Sehen Sie hier den gekürzten Präsentationsfilm der beiden Studentinnen und bekommen Sie einen Einblick in die spannende Arbeit der Restaurierung!
Wir danken den beiden für ihr Einverständnis zur Nutzung des Films!


Dekolonisierung erfordert Dialog, Expertise und Unterstützung

Anlässlich der Jahreskonferenz 2019 der Direktor/innen der Ethnologischen Museen im deutschsprachigen Raum in Heidelberg wurde eine gemeinsame Stellungnahme der ethnologischen und Weltkulturen-Museen, Universitätsmuseen und -sammlungen sowie ethnologischen Abteilungen in Mehrspartenmuseen zu Dekolonisierung, Provenienz und Restitution verabschiedet. Auch Dr. Peter Joch unterzeichnete für das Städtische Museum Braunschweig.

Laden Sie hier die "Heidelberger Stellungnahme"PDF-Datei30,06 kB herunter. 
Download "Heidelberg Statement"PDF-Datei16,03 kB.

Kultur & Veranstaltungen

Forschungsprojekt PAESE

Das Städtische Museum Braunschweig ist Teilnehmer am Forschungsprojekt PAESE, das von der VolkswagenStiftung finanziert wird. Beteiligt sind neben dem Städtischen Museum Braunschweig die Landesmuseen Hannover und Oldenburg, das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim sowie die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen. Ziel von PAESE ist es, die Herkunft der Objekte in ethnographischen Sammlungen Niedersachsens zu erforschen und damit zur Aufarbeitung der kolonialen Geschichte an Museen beizutragen.