Story of Lions: Braunschweig Lions
Yard für Yard ins Herz der Stadt
Wenn es in Braunschweig laut wird, dann so richtig. Und wer genau hinhört, merkt schnell: Das ist kein Lärm, das ist pure Leidenschaft. Was 1987 ganz klein nach einem Zeitungsaufruf begann, ist heute aus Braunschweig nicht mehr wegzudenken: die Braunschweig Lions. Längst ist die American-Football-Mannschaft ein fester Teil der Stadt. Eine echte Institution. Diesen Status bekommt man nicht geschenkt. Den hat sich der Verein erkämpft. Yard für Yard.
Aber Titel und Trophäen sind nur das glänzende Metall. Das wahre Gold dieser Geschichte sind die Menschen dahinter. Die, die ihre Wochenenden opfern, die bei Wind und Wetter an der Seitenlinie stehen und die Ärmel hochkrempeln. Menschen wie Holger Fricke.
Mehr als nur ein Hobby. Eine Lebenseinstellung.
„Wir sind ein Vereinssport, eine Vereinsmannschaft. Kein Franchise-Unternehmen. Ohne die Ehrenamtlichen wären wir aufgeschmissen. Das könnten wir gar nicht stemmen.“ – Holger Fricke.
Es war 1992, als Holger Fricke das erste Mal an der Seitenlinie eines Football-Spiels in Braunschweig stand. Einfach mal mitgenommen worden, rein in die Atmosphäre, rein in den Lärm. Sporadisch blieb er als Zuschauer dran und erlebte 1994 das erste Spiel im Eintracht-Stadion – die Lions stiegen in die 1. Bundesliga auf. Er sah die Lions wachsen und wuchs mit ihnen.
Vom Zuschauer zum Jugendtrainer, vom Helfer zum Vorstand. Holger Frickes Weg ist typisch für das, was diesen Verein ausmacht. Er wohnt im 40 Kilometer entfernten Helmstedt, hat einen festen Job als Qualitätsmanager und investiert trotzdem in der Saison gut und gern 25 Stunden pro Woche in sein Ehrenamt. Warum man so etwas macht? Weil es eben keine Arbeit ist. Sondern Herzblut.
Back to the Roots: Jetzt erst recht
Die Braunschweig Lions sind ein Großverein mit rund 720 Mitgliedern – bestehend aus Herren-, Damen-, Jugend-, Flag- und Cheerleading-Teams. Aber im Kern sind sie immer das geblieben, was sie 1987 waren: Ein Rudel, das zusammenhält.
Gerade jetzt zeigt sich dieser Charakter, denn der Verein steht vor einem gewaltigen Kraftakt: New Yorker zieht sich als Sponsor zurück und so geht eine langjährige, prägende Ära der Hauptunterstützung zu Ende. Damit entfällt das finanzielle Fundament und die erste Mannschaft kehrt organisatorisch in den Schoß des Stammvereins, den 1. FFC Braunschweig, zurück. Die Aufgabe ist klar, aber schwer: Die finanzielle Last muss von nun auf viele Schultern verteilt werden. Es geht um eine breitere Aufstellung durch neue Sponsoren und Spenden. Holger Fricke und die Lions sehen darin jedoch keine Krise, sondern eine Chance zur Rückbesinnung.
„Wir können diese Situation nutzen, um vieles anders zu machen. So ein bisschen Back to the Roots eben.“ – Holger Fricke.
Es ist diese Braunschweiger Mentalität: Nicht jammern, sondern machen. Der Familienaspekt rückt in den Fokus. Man lernt dazu, man rückt zusammen. Türen für Gespräche gehen auf und die Frage „Wie geht es weiter?“ ist nicht mehr nur Neugier, sondern echtes Interesse daran, Lösungen zu finden.
Diese Solidarität macht selbst vor der Stadtgrenze nicht halt. Dass sogar die Konkurrenz aus anderen Städten anruft und fragt, wie man helfen kann, beweist: Auf dem Platz sind wir Gegner, aber für den Sport kämpfen wir gemeinsam.
Einer für alle, alle für Braunschweig
Was macht die Braunschweig Lions am Ende so besonders? Es ist das Fehlen von Allüren. Hier gibt’s kein Elitedenken. Ob man der Star-Quarterback ist, beim Stadionumbau hilft oder die Kids zu den Spielen fährt – alle sind Teil der Familie.
„Beim Football sind es immer elf, die auf dem Platz stehen. Und nur wenn alle zusammenhalten und als Einheit auftreten, funktioniert es. Genauso ist es auch neben dem Platz.“ – Holger Fricke.
Flache Hierarchien, offene Arme. Alle finden hier ihren Platz, egal ob groß oder klein, egal welcher Herkunft. Die Lions sind eben mehr als ein Football-Team. Sie sind Botschafter für Fairness, Integration und Zusammenhalt. Seit 1987. Getragen von Menschen wie Holger Fricke, die den Laden am Laufen halten.
Für den Sport. Für den Verein. Für die City of Lions.
