Story of Lions: Onkel Emma
Wo Offenheit ein Zuhause hat.
Fast jeden Tag öffnet Andreas Paruszewski die grüne Tür in der Echternstraße. Ein Handgriff, ein Lächeln – und Braunschweig wird ein kleines Stück bunter. Andreas ist Geschäftsführer des Vereins für Sexuelle Emanzipation e. V. (VSE) und damit einer der Menschen, die dafür sorgen, dass das queere Zentrum Onkel Emma genau das ist, was es sein soll: ein Ort zum Ankommen. Ein Safespace. Ein Zuhause mitten in der City of Lions.
Wer Andreas hier trifft merkt schnell: Es geht ihm nicht um Sichtbarkeit um der Sichtbarkeit willen. Es geht um Begegnung und Gemeinschaft.
Eine grüne Tür, die viel bedeutet
Von außen ist das Onkel Emma fast unscheinbar. Gegenüber der Michaeliskirche fügt sich die grüne Tür ruhig ins Fachwerkensemble der Echternstraße ein. Nur ein Schild über dem Eingang verrät, dass sich dahinter mehr verbirgt als ein Wohnhaus. Drinnen empfängt die Besucher:innen eine warme Mischung aus Kneipenatmosphäre und Wohnzimmergefühl: Pride-Flaggen, ein gut gefülltes Bücher- und Spieleregal, gemütliche Sitzecken – und vor allem viele offene Gesichter. Hier ist Platz für Gespräche und fürs Lachen aber auch fürs Nachdenken. Für das erste vorsichtige Vorbeischauen genauso wie für langjährige Freundschaften.
Das Onkel Emma ist weit mehr als ein Vereinshaus. Es ist Treffpunkt, Rückzugsort und Möglichkeitsraum. Ein Ort, an dem Menschen sich selbst entdecken können und an dem wirklich alle Braunschweiger:innen und Gäste willkommen sind. „Besonders schön ist der Austausch“, sagt Andreas. „Wenn zum Beispiel zur Kulturnacht Leute hereinkommen, die vorher keinen Kontakt mit queeren Themen hatten und dann merken: Ach, das ist ja ganz nett hier.“
Weil Braunschweig mehr kann
Andreas Paruszewski ist seit 1996 Teil des VSE – fast drei Jahrzehnte Engagement für eine offene Stadtgesellschaft. Die Motivation dafür entstand früh. Während eines Studienjahres in Großbritannien lernte er eine offene und vernetzte queere Szene kennen. „Braunschweig war damals noch nicht so weit“, erinnert er sich. „Also dachte ich: Dann mache ich eben was.“
In den 1990er-Jahren war die queere Community in der Löwenstadt noch wenig präsent. Treffpunkte waren rar, Austausch fand oft nur in kleinen Kreisen statt – etwa in der Kneipe Why Not oder bei einzelnen Partys. Andreas war überzeugt: Da geht mehr. Sein erstes großes Projekt sollte Braunschweigs Veranstaltungslandschaft bis heute prägen – der Christopher Street Day (damals noch unter dem Namen Sommerlochfestival) in der City of Lions, den er gemeinsam mit einem engagierten Team auf die Beine stellte.
Ein Verein zum Mitmachen
Heute ist der VSE das Dach für queeres Engagement in Braunschweig und der Region. Neben dem Betrieb des Onkel Emma organisiert der Verein den CSD, das Schulaufklärungsprojekt SCHLAU, verleiht beim Braunschweig International Film Festival den Filmpreis ECHT und bietet ein breites Spektrum an Veranstaltungen und Projekten: von Poetry Slams und Karaoke über verschiedene Stammtische bis hin zur Beratungsstelle.
Mehr als 100 Ehrenamtliche engagieren sich inzwischen im Umfeld des Vereins. Allein das Organisationsteam des CSD ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Was einst als kleines Straßenfest mit drei Organisator:innen begann, ist heute ein ganzer Aktionszeitraum – mit einer Demonstration, die längst zu den festen Terminen im Braunschweiger Kalender gehört. „Der VSE ist ein Mitmachverein“, sagt Andreas. „Neue Ideen entstehen immer aus der Community heraus.“ Ob regelmäßig oder zeitlich begrenzt, im Onkel Emma oder irgendwo in der Stadt – entscheidend sind die Menschen, die Lust haben, etwas zu bewegen.
Offen. Gemeinsam. Löwenstark.
Im Onkel Emma geht es nicht um Etiketten. Es geht um Respekt, Solidarität und um das gute Gefühl, nicht allein zu sein. Hier entstehen Freundschaften und neue Ideen. Und manchmal einfach ein richtig schöner Abend. Dass all das mitten in Braunschweig möglich ist, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Engagement, Haltung und Menschen wie Andreas Paruszewski, die daran glauben, dass Offenheit eine Stadt stärker macht und jeden Tag aufs Neue die Tür für ein buntes Braunschweig öffnen.
So entstehen Orte der Begegnung, created by Lions.
