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Vorschau

© Städtisches Museum Braunschweig

Das Städtische Museum Braunschweig zeigt vom 31.10.2021 bis zum 2.1.2022 zwei Ausstellungen, die aus gänzlich verschiedenen Perspektiven sichtbar machen, wie von einzelnen Personen dem Nazi-Terror kreativ und widerständig begegnet wurde: In der Ausstellung „Die Tänzerin von Auschwitz. Die Geschichte einer unbeugsamen Frau“ erfahren die Besucher, unter welchen Umständen die jüdische Niederländerin Roosje Glaser in mehreren Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, gefangen war und schließlich überlebte. Die Ausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt – NS-Verbrechen vor Gericht“ zeigt, wie der Jurist und Sozialdemokrat Fritz Bauer, der auch in Braunschweig als Generalstaatsanwalt tätig war, in der Nachkriegszeit mit dem Nazi-Terror umging. Bauer trug maßgeblich zur strafrechtlichen Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der jungen Bundesrepublik bei und war Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse. 

Beide Ausstellungen fördern die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und den nationalsozialistischen Verbrechen. Sie erinnern nachdrücklich an die durch den Nationalsozialismus Verfolgten, Unterdrückten und Ermordeten – und sie berichten eindringlich von der Sehnsucht nach Gerechtigkeit.

Kooperationspartner des Museums sind Paul Glaser, die Roosje Glaser Stiftung,  das Fritz Bauer Institut und das Jüdische Museum Frankfurt am Main sowie die Jüdische Gemeinde Braunschweig und der Fachbereich Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig. Wir danken allen Beteiligten. 

© Privatarchiv Paul GlaserPorträtfotografie Rosie Glaser 1941

Die Tänzerin von Auschwitz. Die Geschichte einer unbeugsamen Frau

Bei einem Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1987 stößt der 1947 in Maastricht geborene und als Kind einer katholischen Familie aufgewachsene Paul Glaser auf einen Koffer, auf dem sein Familienname steht. Durch diesen Zufallsfund entdeckt er neben seinen jüdischen Wurzeln die nahezu unbeschreibliche Lebensgeschichte seiner Tante Roosje, die Jahre lang innerhalb der Familie verschwiegen wurde.

Roosje wurde 1914 in Nijmegen geboren. Sie galt als eine emanzipierte und temperamentvolle Frau und führte erfolgreich eine Tanzschule, als 1940 die Nationalsozialisten die Niederlande besetzten. Die Unterdrückung durch die neuen Machthaber und auch Schikanen seitens im Sinne der NS-Herrscher linientreuer Mitbürger zwangen sie in die Illegalität. Als ihr eigener Ehemann sie verriet, begann Roosjes Leidensweg durch sieben Konzentrationslager. Wieder und wieder wurde sie durch "Freunde" verraten und landete 1943 in Auschwitz. 

Nicht nur die Musik und das Schreiben halfen ihr zu überleben, sondern vor allem auch das Tanzen: Sie gab den SS-Männern im Lager Tanzunterricht. 1945 wurde Roosje vom schwedischen Roten Kreuz befreit. Sie blieb in Schweden und verstarb in Stockholm im Jahr 2000. 

Paul Glasers Vater hatte seinem Sohn gegenüber die Lebensgeschichte seiner Schwester Roosje verschwiegen, auch sie selbst wollte zuerst nicht mit ihrem Neffen über ihre Vergangenheit sprechen. Später öffnete sie sich und berichtete von ihren Erlebnissen im KZ. Die Ausstellung erzählt also auch eine Geschichte von Verdrängen, Vergessen und Erinnern angesichts des Nazi-Terrors.

Grundlegend für die Ausstellung ist die 2015 auf Deutsch erschienene Biografie „Die Tänzerin von Auschwitz“, die ihr Neffe Paul Glaser aus Rosies Tagebüchern, Briefen und anderen Dokumenten zusammenstellte. Sie zeichnet das Leben von Rosie Glaser anhand von unterschiedlichen Dokumenten, Fotografien, persönlichen Gegenständen und Filmsequenzen nach.

Die Ausstellung, die im Haus am Löwenwall gezeigt wird, zeichnet das Leben von Rosie Glaser anhand von unterschiedlichen Dokumenten, Fotografien, persönlichen Gegenständen und Filmsequenzen nach.

Weitere Informationen zu Rosie Glaser finden Sie auch auf der Homepage der Roosje Glaser Stiftung: https://www.roosjefoundation.org/

© Privatarchiv AusmeierFritz Bauer im Landgericht Braunschweig 1950, © Privatarchiv Ausmeier

Fritz Bauer. Der Staatsanwalt - NS-Verbrechen vor Gericht

Fritz Bauer (geb. 1903 in Stuttgart; gest. 1968 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Jurist und Sozialdemokrat. Er wuchs in Stuttgart als Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf und studierte später Rechts- und Volkswirtschaftslehre. 1930 wurde er in Stuttgart mit nur 26 Jahren der jüngste Amtsrichter der Weimarer Republik. Er wurde 1933 aus seinem Amt entlassen und aus politischen Gründen für einige Monate im Konzentrationslager Heuberg auf der Schwäbischen Alb inhaftiert. 1936 flüchtete er nach Dänemark, 1943 von dort nach Schweden, wo er den Krieg überlebte.

1949, im Jahr der Gründung der Bundesrepublik, remigrierte Fritz Bauer mit Unterstützung des SPD-Parteivorsitzenden Kurt Schumacher nach Deutschland mit dem Ziel, beim Aufbau eines demokratischen Justizwesens mitzuwirken und die NS-Verbrechen vor Gericht zu bringen. Er wurde Landgerichtsdirektor in Braunschweig, ab 1950 war er ebendort als Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht tätig. 1956 ging er nach Frankfurt am Main, wohin ihn der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn als Generalstaatsanwalt berufen hatte.

1952 führte Bauer in Braunschweig den Prozess gegen Generalmajor Otto Ernst Remer, der zur Rehabilitierung der Männer und Frauen des 20. Juli führte. Durch das Urteil wurde erstmals die Rechtmäßigkeit des Widerstandes gegen das NS-Regime anerkannt.

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust erreichte in der Bundesrepublik eine öffentliche Dimension, als Generalstaatsanwalt Fritz Bauer – gegen erhebliche Widerstände –  wichtige Strafverfahren gegen NS-Täter auf den Weg brachte, insbesondere den Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963 – 1965). Zudem gab er dem israelischen Geheimdienst Mossad den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort Adolf Eichmanns, der im Reichssicherheitshauptamt die Todestransporte in die Vernichtungslager organisiert hatte. 

Seit 2012 heißt der Platz vor dem Eingang der Braunschweiger Generalstaatsanwaltschaft, südlich an den Domplatz angrenzend, Fritz-Bauer-Platz.

Die Ausstellung, die vom Fritz Bauer Institut und vom Jüdischen Museum Frankfurt am Main konzipiert wurde und im Haus am Löwenwall zu sehen ist, dokumentiert mit vielen Originalobjekten sowie Ton- und Filmaufnahmen Fritz Bauers Lebensgeschichte im Spiegel der historischen Ereignisse. 

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Internetseiten des Fritz Bauer Instituts und auf den Seiten des Jüdischen Museums Frankfurt am Main:

https://www.fritz-bauer-institut.de/

https://www.juedischesmuseum.de/


© Städtisches Museum BraunschweigRechenmaschine der Firma Brunsviga, Modell 13 RK. Diese Sprossenradmaschine hatte die weiteste Verbreitung aller Brunsviga-Maschinen. Sie wurde von 1952 bis ca. 1965 produziert.

Von Menschen und Maschinen - Neue Dauerausstellung zur Braunschweiger Industriegeschichte

Im 188 m² großen Gaußsaal des Altstadtrathauses entsteht eine Dauerausstellung, die die Übersicht zur Stadtgeschichte im Kellergewölbe um ein wichtiges Kapitel der Braunschweiger Geschichte ergänzt: Die Entwicklung und internationale Bedeutung von Industrieunternehmen, die zwischen 1850 und 1960 in Braunschweig und der Region ansässig waren. Ausgewählt sind vor allem Unternehmen, die in Braunschweig und Region gegründet wurden, maschinell produziert, eigene Produkte entwickelt und Innovationen hervorgebracht haben. Deswegen liegt der Schwerpunkt auf den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, Konservenindustrie und optische Industrie. Am Beispiel der ausgewählten Unternehmen sollen zudem die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Gesellschaft aufgezeigt werden. Themen wie die Arbeiterschaft und Frauenerwerbsarbeit finden dabei besondere Berücksichtigung.


Große Retrospektive mit Spitzenwerken des Fotografen Andreas Feininger

Voraussichtlich Anfang 2022 zeigt das Städtische Museum eine Sonderausstellung
zu dem bekannten Fotografen Andreas Feininger (1906–1999). Feininger, vielen sicher bekannt durch seinen ebenso berühmten Vater, den Maler Lyonel Feininger, wurde in Paris geboren und wuchs in Deutschland auf. Nach verschiedenen Stationen wie u.a. dem Architekturstudium am Bauhaus in Weimar wanderte er 1939 mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach New York aus. Er entdeckte als Fotograf die Skyline der Metropole, schuf viele inzwischen weltbekannte Amerika-“Ikonen“. Andreas Feininger erlangte mit seinen teils sehr spektakulären Aufnahmen aus dem New York der vierziger und fünfziger Jahre einen internationalen Ruf: Seine Architekturfotografien zählen zu den herausragenden Werken der Kunstgeschichte.
Überdies gewann Andreas Feininger mit seinen zahlreichen Publikationen zur Fototheorie und -technik weltweite Bedeutung auch als Lehrer. Das Team des Städtischen Museums Braunschweig freut sich, einen umfassenden Überblick zu diesem wichtigen und wegbereitenden Künstler präsentieren zu können.


© Städtisches Museum BraunschweigElsa Daubert, Emmy (Galka) Scheyer im Garten

Galka Scheyer und die Blaue Vier - Feininger, Jawlensky, Kandinsky, Klee

In Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum plant das Städtische Museum Braunschweig eine große Sonderausstellung über die jüdische Kunstförderin Galka Scheyer und die revolutionäre Kunst der Blauen Vier. Zusammen mit dem Avantgardisten Alexej von Jawlensky und den Bauhaus-Visionären Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee gründete die gebürtige Braunschweigerin 1924 die Verkaufsgemeinschaft „Die Blaue Vier“ mit dem Ziel, die Werke der Künstler in den USA zu vermarkten. Als eine der ersten übte Scheyer das neue Berufsbild der Kunstagentin aus und entwickelte innovative Marketingstrategien. Analog zu den Kunstförderinnen Katherine S. Dreier, Peggy Guggenheim und Hilla von Rebay leistete sie wichtige Pionierarbeit für die Rezeption moderner Kunst in den USA, wo sie bis zu ihrem Tod 1945 in Hollywood lebte. Das Kooperationsprojekt erschließt ein wesentliches Forschungsdesiderat im Bereich der Gender- und Kunstmarktforschung und präsentiert das Thema erstmals in Scheyers Geburtsstadt Braunschweig.