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1803-1816

1803, September

wird auf wiederholten Antrag dem Pastor Rüdemann der Verkauf der alten Linde genehmigt, „weil Fäulnis im Stamm“, desgl. der Verkauf des Leichensteines und einer grossen Esche. Die Mittel sollen zur Untermauerung des Turmes dienen. Erzielt wurden 20 Thl 2 ggr. Herm. Reinicke kaufte den Stein, der heut auf Gehrs Hofe (No. 29) im Viehstall liegt, der Leineweber Meier die Linde und der Krüger Warnecke die Esche.

1804, Juni,

heisst es in einer Eingabe des Pastors Rüdemann um Vergrösserung des Kirchhofes, dass der Augen-blick jetzt günstig sei, weil „der hiesige Halbspänner Heinr. Ebeling, dessen Ländereyen vor 18 Jahren gerichtlich verpachtet worden sind, nach der diesjährigen Erndte wieder in den Besitz seiner Güter eingesetzt und sein Hof an seinen Sohn übergeben“ wird.

Dieses erinnert an den Pachtvertrag, welchen Ackermann Voges (No. 11) und Halbspänner Ahrens 1787 mit Ebeling schlossen und der in Abschrift in dieser Chronik enthalten ist.

1805 Es besteht die Absicht, die Schulstube zu vergrössern. Wegen ausserordentlicher Steuern und ununterbrochener Kriegsfuhren lehnen die Bauern ab. Die Notwendigkeit eines neuen Baues ist abgewandt. Durch allerlei Veränderungen, die Bequemlichkeiten brachten, ist der Lehrer zufrieden gestellt.“

1806 hält Pastor adj. Hieronimy um Besserung des Daches des Pfarrwitwenhauses an, das es sehr zerfallen ist (500 Steine fehlen), auch bittet er des weiteren um Wohnungstausch zwischen ihm und Pastor em. Rüdemann, da dieser allein stehend das grosse Pfarrhaus inne hat, und er mit einer (-12-) grossen Familie in den beschränkten Räumen des Pfarrwitwenhauses sich behelfen muss.Seine kranke Frau hat er in die Stube bringen müssen, die gleichzeitig seine Amtsstufe und der Aufenthaltsraum für seine Kinder und Dienstboten ist. Das wäre auf die Dauer unerträglich!

Aus den Akten ersieht man, dass das Verhältnis zwischen Pastor Rüdemann und dem Adjunkten Hieronimy kein gutes war. Der Streit, bei dem das Consistorium und auch die Gemeinde Timmerlah, wie es in einigen Fällen deutlich zu erkennen ist, auf seiten des Adjunkten steht, gehr nicht allein um die Wohnung, sondern auch um die Einkünfte. Rüdemann trat 1/3 von den Grundstücken und sonstigen Pfarrintrakten hier und in Sonnenberg an den Adjunkten Hieronimy ab. Ein Schreiben des Consistroriums aus dem Anfang des Jahres 1816 hat einen sehr bestimmten und scharfen Ton ........dem Pastor em. Rüdemann zu eröffnen, dass er „um Ostern dieses Jahres seine Wohnung zu räumen hat.“

Nach allerlei Reparaturen im Pfarrhaus soll H’s Einführung – die ja nur eine Formsache ist – am 18. August geschehen, muss aber um 1/4 Jahr verschoben werden und findet deshalb erst am 13. Oktober 1816 durch den Superintendenten Bollmann aus Braunschweig statt.

Bei der Übergabe traten neue Schwierigkeiten zwischen den beiden Geistlichen hervor, die zu schlichten die „Achtsleute“ Reinicke aus Bettmar und Meierding aus Broistedt zum 16. Juni 1816 befohlen wurden.

Wer die verschiedenen Übergabe- und Auseinandersetzungsakten bei jeweiligem Pfarrer-wechsel (sei es durch Tod oder Emeritirung) mit Interesse liest, der kommt je länger (oder je öfter) je mehr zu der Überzeugung, dass die wirtschaftliche Verbundenheit mit seiner Gemeinde bei allen (-13-) Vorgängen doch eine Menge Schattenseiten hatte. Wetter, Ernte, Preise waren Dinge und Faktoren, die den Geistlichen damals ganz anders angingen wie den Dorfpastor von heute. Er lebte nicht nur unter den Bauern, er lebte mit ihnen, ihre Freude über diese oder jene gute Wirtschaftserscheinung war auch die seine und umgekehrt, er wusste stets wo seinen Beichtkindern der Schuh drückte. Aber diese „Medaille“ hatte auch eine Kehrseite. Das Wirtschaften durch die dienstplfichtigen Bauern war ein Abhängigkeitsverhältnis für beide Teile und hatte je nach dem Chrarakter beider Teile die Gefahr der Reibereien mehr oder weniger in sich. Ganz naturgemäss musste der geistliche Herr Materialist und Egoist werden – wenigstens soweit es seine Einkünfte anging – und es ist deshalb eigentliche nicht verwunderlich, wenn diese Seite sich regelmässig zeigte und stark hervortrat, wenn es zur Abgabe bezw. Üebernahme kam.

Durch die Separation wurden die Verpflichtungen des Bauern gegenüber der Pfarre aufgehoben, der Geistliche gab seine Landwirtschaft auf, die Pfarräcker wurden verpachtet und für den Geistlichen bestand in der Folge sein Diensteinkommen in der Hauptsache im Gehalt. Damit war bei künftiger Uebergabe auch das Hauptmoment, das zu Weitläufigkeiten und Streitigkeiten führte, ein für alle mal ausgeschaltet.

Heute hat man auf dem Dorfe oft das Gefühl als ob der Pastor nicht genügend in den wirtschaftlichen Dingen stände, die Zusammenhänge nicht kennte, weil das aus dem Magen oder Geldbeuel kommende Interesse fehlte, und die Leute – ich schliesse mich mit ein! – greifen gern auf die frühere Zeit zurück, wo der Pastor auch Bauer war. Es geht hier wie überall, wa man auf die gute alte Zeit abzielt, als sei sie besser gewesen als das Heute. Wir haben ja in manchem vorhergehenden (-14-) gesehen, wie es „damals ausgesehen, und das „einst“ mit dem „jetzt“ vergleichend kann man nur sagen: Licht und Schatten sind zu und in jeder Zeit.