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Schüler im Naziregime

Aus der Sonnenberger Chronik (Sonnenberg - Geschichte eines Dorfes -, Günter Strebe u. Hans-Georg Hoßbach, 19..., S.313ff) erfahren wir über die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ab 1936 Informationen, die auf Timmerlah übertragbar sind:
"Für Kinder begann bei der Einschulung mit 6 Jahren die Heranführung an das System. Der Lehrer begrüßte zum Beispiel die Schüler nicht mehr mit einem freundlichen "Guten Morgen" sondern mit dem "Hitler Gruß". Dabei hatten sie sich von ihrem Plätzen zu erheben und mit ausgestrecktem Arm den Gruß "Heil Hitler" zu erwidern. Auch im Dorf war dieser Gruß den Kindern Erwachsenen gegenüber zwingend anzuwenden. Wer sich nicht daran hielt und von Erwachsenen beim Lehrer angeschwärzt wurde, was leider auch oft genug geschah, wurde bestraft. Nicht selten gab es eine Tracht Prügel mit dem Rohrstock. Der Rohrstock gehörte damals zu den wichtigsten Utensilien jeden Lehrers."

Darüber hinaus gab es regelmäßig Fahnenappelle vor der Schule oder an anderen Orten, wie im Kindergarten vor dem Gemeindehaus ("Armenhaus") (ist an der heutigen Ecke Mühlenstieg/In den Triften).

Das folgende Bild zeigt Schüler (mit ihren typischen Brottaschen) beim Fahnenappell am Kindergarten. Im Hintergrund das Gemeindehaus bzw. Armenhaus, auf deren linker Seite die Familie Lüddecke mit 11 Kindern gewohnt hat. Links davon sind der Stall und die Toilettenräume zu sehen (lt. Zeitzeugenaussage von Heinrich Behrens v. 14.8.2014).

Das folgende Bild zeigt die "Bauernstrasse" (heutige Kirchstr, mit dem Brink im Hintergrund). Links ist gut der Schuppen der Schule zu sehen und der davor befindliche Fahnenmast mit der Hitlerfahne.

Im Hintergrund ist von links nach rechts zu sehen
                                                             Spritzenhaus mit               Gehrs Silo und Scheune
                                                              Arrestzelle, Hallen für
                                                                                  Spritzen- und
                                                                                               Totenwagen

Kinder in der Pause beim Spielen auf dem Kindergarten. (Man möge sich den Fahnenmast links daneben vorstellen)
Im Hintergrund erneut das Gemeinde- bzw. Armenhaus und auf der rechten Seite die Gebäude der Schlachterei Plagge:

In Sonnenberg gab es im Klassenraum einen Volksempfänger, um politische Sendungen zu hören und von den Schülern wiedergeben zu lassen (vgl. Sonnenberg S.314).

"An besonderen Nationalfeiertagen war schulfrei. Das waren der 31.Januar, Tag der Machtübernahme, 20 April, Führergeburtstag, 1.Mai, 9.November, Marsch zur Feldherrenhalle 1923." (ebenda, S.314)

"Ab dem 10. Lebensjahr bestand für alle Jugendlichen die Pflicht am sogenannten Jugenddienst teil zu nehmen. Die Jungen gehörten vom 10. bis zum 14. Lebensjahren zu den Pimpfen (Jungvolk) und danach bis zur Wehrpflicht zur Hitler-Jugend (HJ).

Die Mädchen waren zunächst bei den lungmädeln und danach im Bund deutscher Mädel (BDM) organisiert. Jedes Dorf hatte für seine einzelnen Gruppen, einen Führer, der von einer übergeordneten Organisation ernannt wurde. Diese Organisation nannte sich Fähnlein bei den jüngeren und Gefolgschaften bei den älteren Jahrgängen, zu denen mehrere Ortschaften gehörten.

Sonnenberg bildete zusammen mit Denstorf, Groß Gleidingen und Timmerlah einen solchen Verbund. Einmal im Monat traf man sich zum gemeinsamen Dienst.

(Ergänzungen zum obigen Bild v. Heinrich Behrens am 14.8.2014:
Der 2. Richard Ebeling stammt aus Sonnenberg und wurde dort in späteren Jahren langjähriger Bürgermeister;
Nr. 4 Hans-E. Bock war der Sohn des Lehrers Bock aus Gleidingen;
Der 6. Rudi Helms wurde später U-Bootfahrer. Kehrte aus dem Krieg heim und heiratete später die Tochter des Dachdeckermeisters Müller aus Timmerlah.)

Dabei wurden Antreten und Marschieren geübt und es wurden Soldatenlieder oder nationalsozialistische Kampflieder gesungen. Auch Nachtmärsche und Geländespiele wurden durchgeführt. Außerdem wurden in den Schulferien Fahrten in Zeltlager angeboten. Der Nachwuchs für Führungspositionen wurde von den Kreisjugendführern zu mehrtägigen Schulungen einberufen. Jugendliche, die hierfür ausgewählt wurden, waren vom Schulunterricht befreit und konnten nur aus ganz besonderen Gründen eine Teilnahme ablehnen."(ebenda, 314f.)

Auf der anderen Seite gibt es noch die verklärte und "heile" Welt, z.B. zu sehen auf dem Festbild von 1935, aufgenommen in der Eichenallee im Timmerlaher Busch:

Mehr über die Schule in Timmerlah erfahren wir z.Zt. erst wieder dank eines Schulprojektes von 1951 in unserer Timmerlaher Schule, dass von den Schülern (auf dem Bild von 1948) mit ihrem Lehrer Herrn Schirm durchgeführt wurde.